Egal ob im Bezahlfernsehen oder auf einem Networksender: Das Drehbuch benötigt gewisse Stärken, damit der Zuschauer überhaupt einen Grund findet einer neuen Serie eine Chance zu geben. Wenn nicht einsichtig wird, ob man einen Hauptcharakter als antagonistisch sehen soll oder nicht, dann wird auch nicht einsichtig, welchen Stellenwert besagter Charakter in der Handlung einnimmt. Wenn die Story auch noch so klischeehaft und vorhersehbar wirkt, dass der Zuschauer denkt die selbe Geschichte schon hundert Male zuvor gesehen zu haben, müssen Wege gefunden werden, die Charaktere so originell wie möglich zu schreiben, damit es wenigstens einen Bezugspunkt zwischen Publikum und Serie gibt. Die neue dunkle Showtime-Comedy «House of Lies» zeigt, warum es nicht immer vom Vorteil ist, alte Klischees zu benutzen und zu hoffen, dass durch einige Veränderungen daraus neue Geschichten werden. Geschweige denn die Pointe für einen Witz. «House of Lies» kann eine noch so tolle Prämisse haben, mit keinem besseren Cast besetzt sein, und nicht schicker aussehen – wenn es am Drehbuch hapert, ist kaum mehr etwas zu retten.
Drehbuchschreiben 101, Nummer eins. Mach aus dem Beruf des Hauptdarstellers einen Job, den keiner wirklich ernst nimmt, auch wenn dieser eine jährliche Summe mit sieben Stellen vor dem Komma einbringt. Das Beispiel ist Martys Vater Jeremiah (Glynn Turman), der zusammen mit Sohn und Enkelsohn zusammenlebt und natürlich nicht auslässt, auf der anderen Seite des Familienspektrums zu stehen, indem er seiner Familie nicht nur Liebe gibt. Nummer zwei: Fülle deine dunkle Comedy mit so vielen Charaktermomenten wie möglich, damit es auch den Anschein hat, dass deine Serie dramatische Momente bieten wird. Dass Marty Kaan ein paar Geheimnisse in seinem Leben hat, scheint von Anfang an schon fast obligatorisch zu sein; dass «House of Lies» aber schon am Ende seiner Premiere einen Moment abliefert, welchen Marty aus der Rolle des Antagonisten herausdrückt und plötzlich zu einem nachdenklichen Mensch verwandelt, kommt überhaupt nicht als gelungenes dramatisches Element herüber, welches den Zuschauer in den Charakter investiert. Nummer drei: Liefere Klischees bis zum Abwinken, damit du Möglichkeiten entwickelst, die Comedy um die Geschichte zu schreiben. Nun, da haben wir die soziopathisch veranlagte Ex-Frau; der Vater, der nicht viel von seinem (hart arbeitenden) Sohn hält; der stereotpisch schwule Sohn-Charakter mit Schal um den Hals, weiblichen Interessen und genauso klischeehafter Verhaltensweise; und schlussendlich die Story selbst, welche Marty und sein Team von einem an sie gerichteten Mittelfinger zum nächsten schickt, nur um am Ende „überraschend“ das gebeutelte Management einer Bank mit einem schicken Plan zu retten. Und Nummer vier: Packe all das in einer untypischen Arschloch-Weise ins Drehbuch, lass die Charaktere unsympathisch erscheinen, und schreibe die Comedy drumherum. Dass dabei Sex-Gerede, komatöse nackte Frauen, Stripper, und eine Schlägerei in einem Restaurant bei rauskommen, ist dabei nur das Ergebnis des Überschreitens der Glaubwürdigkeit.
«House of Lies» fühlt sich definitiv nicht wie eine Showtime-Serie an. Wenn man die Vulgaritäten und nackten Brüste herausnimmt, und aus New York einen Ort des Sonnenscheins macht, könnte die Comedy genauso gut auf USA laufen. Das Alleinstellungsmerkmal fehlt, und damit das Besondere, was «House of Lies» zu einer sehenswerten Serie macht. Die sexgeladene Chemie zwischen Marty und seiner Kollegin Jeannie ist einfach nicht gut genug, um die komplette halbe Stunde zu retten, wenn es drumherum eine episodenzentrische Story gibt, die fast gar nichts zu den Charakteren beisteuert. Vielleicht ist «House of Lies» eine Serie mit Charakteren, die der Zuschauer gar nicht erst leiden soll – Antihelden in einer Welt von finanziellen Problemen und „Ich bin die 1%“-Zitaten von Occupy-Fürwörtern. Die Charaktere stehen jedoch immer noch im Zentrum des Geschehens, weshalb genügend Tiefe eingebaut werden muss, um ein Gefühl der Verbindung aufzubauen. Doch wenn genau diese Tiefe aus klischeevollen Twists, Geheimnissen und Lügen besteht, dann wird auch der Rest von «House of Lies» genauso uninteressant und leer wirken wie die Pilotfolge. Da kann auch nicht einmal der gutaussehende Cast etwas daran ändern, wenn vor allem Don Cheadle aussieht, als wüsste er nicht, was er vor der Kamera tun soll.
• House of Lies • Don Cheadle • Kristen Bell
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
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