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Von der Lippe: ‚Von der viel beschrieenen Zielgruppe verabschieden‘

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Ab dem 15. Juli präsentiert Jürgen von der Lippe seine neue Spielshow «Ich liebe Deutschland» in Sat.1. Mit Quotenmeter.de sprach er vorab unter anderem über das Konzept der Sendung, den Jugendwahn im TV und seine Hawaii-Hemden.

Herr von der Lippe, im Jahr 2008 haben Sie mal in einem Interview gesagt, dass Sie sich nicht mehr als großen Primetime-Matador sehen würden. Jetzt sind Sie aber doch wieder zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr zu erleben. Wie kam der plötzliche Sinneswandel?
Diese Äußerung sollte gar nicht den Anschein erwecken, als wolle ich das nicht. Die Erfahrung hat einfach gezeigt, dass die Interessen begannen, zu divergieren. Das heißt die Vorschläge, die ich den Sendern machte mit Shows stießen auf keine Gegenliebe und was man mir angeboten hat, hat mir nicht gefallen. Und jetzt hat sich einfach ein Angebot ergeben, von dem ich gesagt habe „Das finde ich sehr reizvoll, das wird mir viel Spaß machen, da habe ich Lust drauf!“. Das reicht ja als Begründung eigentlich vollkommen aus. Ich arbeite sowieso nur aus Spaß. Ich könnte auch nicht ohne diese Herausforderung, die die Unterhaltung darstellt und muss einfach dieses Gefühl haben, raus zu gehen vor Leute und die zu unterhalten. Deswegen fiebere ich ja keinem Pensionsdatum entgegen, sondern sage bei jeder Gelegenheit, dass das einfach das Schönste ist, was es auf der Welt für mich gibt und dass ich das so lange machen werde, bis ich umfalle, bzw. wie noch irgendjemand das sehen möchte.

Ihre neue Sendung trägt den hochtrabenden Titel «Ich liebe Deutschland». Trifft das denn auf Sie selbst auch zu?
Natürlich zuckt ein Angehöriger meiner Generation bei so einem Titel zusammen. Das wird sich auch nicht mehr ändern lassen. Aber die jungen Leute, die zweite Generation nach mir, die sieht das eben einfach anders. Das ist auch ganz normal und das ist auch gut so. Ich bin, glaube ich, auch jeder nationalistischen Regung unverdächtig. Der Titel ist einfach eine Übersetzung des holländischen Originals, da heißt es «Ik hou van Holland». Und in anderen Ländern ist es ja eine sehr erfolgreiche Show, die 12-13 Mal verkauft ist.

Was erwartet die Zuschauer denn darin?
Da geht es eben auch immer um das jeweilige Land – mehr ist es nicht. Die Fragen beziehen sich alle in irgendeiner Form auf das Heimatland. Das Schöne an der Show ist, dass sie eben abwechslungsreicher ist als eine klassische Quizshow. Denn da haben wir ja immer nur einen Quizmaster und dann einen Kandidat oder auch mal zwei. Und es gibt eben personalisierte Preise, d.h. der Kandidat gewinnt. Das ist ja hier anders. Die Situation ist die – und das macht auch einen Teil des Reizes aus: Die beiden vierköpfigen Teams spielen für ihren Fanblock, der hinter ihnen sitzt. Es sind jeweils 190 Leute. Und diese 190 Leute bekommen einen schönen Preis. Ich kenne die Situation noch damals von «Mensch ärgere dich nicht!», auch für Sat.1, da war ich Team-Kapitän und ich habe erlebt, was diese Zuschauer einfach in ihrer Vorfreude veranstalten. Jeder kennt das von der Kirmes, wie man sich freut, wenn man in die Lostrommel greift und kriegt plötzlich so einen scheiß Pandabären, mit dem man nichts anfangen kann (lacht), aber man freut sich einfach. Das heißt es wird dort eine Mordsstimmung herrschen. Und die Vielfältigkeit der zu lösenden Aufgaben wird einfach für einen großen Spaß sorgen. Die Leute müssen nicht nur Fragen beantworten, sie müssen Musiktitel erraten, sie müssen Fragen zu Filmeinspielungen lösen, sie müssen verschiedene Disziplinen durchlaufen – also Buchstabieren oder Stille Post spielen. Dann gibt es eine Geburtstagsrunde, wo man eine Torte hat, die dann möglichst schnell und dadurch, dass man Fragen richtig beantwortet, weitergereicht werden kann…

…Jetzt verraten Sie noch nicht zu viel, sonst wird es ja nicht mehr spannend genug…
Das ist ja nur der Anfang…! (pustet aus)

Ist diese Sendung eigentlich wie auf Sie zugeschnitten? Oder anders gefragt: Welche Entscheidung hat Sat.1 zuerst getroffen: Das Format ansich zu realisieren oder Sie als Moderator zurück zu holen?
Da müssen Sie wohl Sat.1 fragen. Aber ich denke schon, dass die die Sendung machen wollten, sich dann überlegt haben „Wer kann es machen?“ und sind – aus welchem Grund auch immer - auf mich verfallen. Ich habe es dann schön gefunden und jetzt müssen wir es nur noch schön machen, dann sind hoffentlich alle zufrieden am Schluss.

Sie haben also auch nicht lange überlegt, zuzusagen?
Naja, ich hatte das Original gesehen und fand das eigentlich ein bisschen zu laut. Dann hat man mir aber versichert, dass das der Lizenzgeber jetzt nicht alles so eng sieht und nicht alles eins zu eins so gemacht werden muss. Mich hat dann eben am Ende die Vielfältigkeit der Disziplinen doch sehr gereizt und die Auswahl der Kandidaten ist auch so, dass es nicht so laut werden wird. Es sind auch ganz verschiedene Leute: Politiker, Sportler, Schauspieler, eigentlich kaum Comedians. Das wird sehr schön…

Die Sendung läuft ja am Freitag-Abend auf dem inzwischen relativ etablierten Sat.1-Show-Sendeplatz. Wie bewerten Sie diesen denn?
Ich finde erstmal die Tatsache ganz bemerkenswert, dass Sat.1 jetzt altgediente Kräfte zurückholt. Ingolf Lück, Ulla und mich nun. Es ist, glaube ich, ein Schritt in die Richtung, in die andere Sender auch gehen werden, denn man muss sich jetzt mal ganz langsam von dieser viel beschrieenen Zielgruppe der so genannten Werberelevanten verabschieden, dieser Erfindung von Dr. Thoma. Unsere demographische Wirklichkeit sieht ja nun mal anders aus. Wir müssen auch mal von dieser Verächtlichmachung der älteren Zuschauer weg, denn bald werden wir Ältere in der Überzahl sein. Deswegen konnte das so nicht weitergehen und ich glaube, dass Sat.1 da womöglich bahnbrechend ist.

Die schon angesprochene Ulla Kock am Brink hat ja mit der „Perfekten Minute“ den Erfolg auf diesem Freitagssendeplatz eingeläutet. Freut Sie das nicht ganz besonders, schließlich haben Sie sie doch entdeckt?!
Ich kenne Ulla so lange. Ich habe in der Tat gesagt „Du gehörst vor den Schirm!“ und so kam es ja dann auch. Darauf folgte einfach eine Zeit, in der sie nicht beschäftigt wurde – man sucht sich das ja nicht immer selber aus – aber sie macht das fabelhaft.

Übrigens habe ich das früher schon bei den Engländern gesehen: Ich konnte ja eine Zeit lang - als die Streitkräfte noch in Berlin stationiert waren - englisches und amerikanisches Fernsehen sehen und gerade die Engländer haben mit zum Teil steinalten Leuten gearbeitet, die aber natürlich total witzig waren und die Leistung gebracht haben. Ich habe diesen Jugendwahn nie so ganz verstanden und ich meine, es gibt so viele Leute hier, die zeigen, dass man im relativ gesetzten Alter noch was leisten kann. Wenn man nur mal Didi Hallervorden nimmt: Der ist 75 und fit wie ein Turnschuh. Die Senioren von heute sind auch nicht mehr wie die von vor 30 Jahren. Man ist heute wirklich gefühlte 10-15 Jahre jünger. Und ich meine, sooo dick ist ja der Nachwuchs hier nicht gesät…

Das zeigt sich ja auch aktuell bei der schweren Suche nach Gottschalks «Wetten, dass..?»-Nachfolger…
Ich weiß nicht, ob das ein erstrebenswerter Posten ist, denn ich denke, dass die Tage von «Wetten, dass..?» wirklich gezählt sind. Einmal, weil das Interesse jetzt wirklich langsam nachgelassen hat und dann natürlich durch diese verständliche Selbstbeschränkung auf ungefährliche Wetten. Da hat man aber schon den Quotenknick gesehen, denn RTL mit dem «Supertalent» geht da natürlich noch anders zur Sache. Ich meine, ich kann das absolut verstehen. Ich kann das ZDF verstehen, ich kann auch Gottschalk verstehen, aber man muss einfach auch konstatieren, dass die Sendung relativ langweilig war. Ich hätte nichts anders machen können an Stelle der Verantwortlichen, aber man muss es einfach so konstatieren. Eine Show die so lange läuft – irgendwann geht nun mal alles zu Ende…

Jetzt wo Sie wieder da sind, rufen natürlich viele Fans auch nach einer Rückkehr von «Geld oder Liebe». Was sagen Sie denen?
Was ich in der Tat glaube ist, dass wir jetzt kurz vor einer Spielshow-Renaissance stehen. Das ist ja nur eine Frage der Zeit. Niemand weiß immer, wann das einsetzt. Man hätte nie mit einem so wahnsinnigen Comeback des Quiz gerechnet und jetzt war die Spielshow lange out, jetzt wird sie wieder kommen. Oder eigentlich läuft es ja schon. Sat.1 macht es ja gerade vor. Da ist echt nix undenkbar, wenngleich natürlich «Geld oder Liebe» ein anderes Tempo hatte. Das hatte nicht die Geschwindigkeit, die Shows heute haben.

Dabei war ja gerade das so schön und besonders an «Geld oder Liebe»…
Ja, aber das ist genau der Punkt: Alle verehren Loriot mit vollem Recht, ich auch, aber trotzdem können Sie heute Sketche nicht mehr in dieser Betulichkeit machen, weil die Sehgewohnheiten sich verändert haben. Das muss man einfach auch bedenken. Und ich glaube nicht, dass man «Geld oder Liebe» auf dieses Tempo kriegen würde. Außerdem glaube ich ebenfalls nicht, dass das Publikum heute noch über zwei Stunden spekulieren möchte, wer am Schluss mit wem übrig bleibt. Also ich würde das Risiko nicht eingehen wollen.

Die Hawaii-Hemden, die Sie damals getragen haben, wollen Sie ja aber jetzt bei «Ich liebe Deutschland» auch wieder anziehen…
Nein! Ich will neue Hawaii-Hemden haben, die ich auch schon gesehen habe.

Aha. Na, das sei Ihnen doch gewährt. Wie kam es eigentlich überhaupt zu dieser Idee, Hawaii-Hemden zu tragen?
Das war überhaupt keine Idee. Das Ganze begann mit meiner Weigerung, im Fernsehen Anzüge zu tragen, weil ich wie jeder andere unter hohen Temperaturen schwitze. Ich möchte da was Luftiges an haben, was einen nicht einschnürt, ich möchte die Sachen auch waschen können, weil jeder, der einem langjährigen Uniformträger mal nahe gekommen ist, weiß, dass eine Reinigung Schweißbakterien nicht beseitigt. Dann konnten die Kostümbildnerinnen in ihrer Not ja nicht viel anderes machen, als die Hemden immer bunter zu gestalten. Richtige Hawaii-Hemden waren das ja nicht. In «Ich liebe Deutschland» werden es aber echte Hawaii-Hemden sein. Die hat die Kostümbildnerin aus Amerika besorgt.

Damit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei Ihrer neuen Sendung angekommen. Dazu auch die letzte Frage: Auf welche Quoten tippen Sie für die Premiere?
Das mache ich nicht. Das bringt Unglück.

Wir wünschen Ihnen aber viel Glück mit «Ich liebe Deutschland», freuen uns, dass wenigstens Sie noch abergläubisch sind und danken für das Interview, Herr von der Lippe.

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