Serientäter

«Pastewka»: Des Unbelehrbaren Läuterung

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In unserem Spoiler-Serientäter ziehen wir das große «Pastewka»-Fazit: Darum finden wir das Ende der Serie rund und gelungen.

Annähernd 15 Jahre und zehn Staffeln haben ihr Ende gefunden: Bastian Pastewka hat die Serie «Pastewka» beendet und die Reise seines fiktionalisieren Serien-Ichs abgeschlossen. Serien-Freak, Kollegenschwein und Bindungsphobiker Bastian Pastewka (gemeint ist der fiktive Bastian, nicht der reale) hat seine Liebsten in über 90 Folgen vor den Kopf gestoßen, aus Not belogen, aus Eigennutz angeschwindelt, ihnen versehentlich Kummer zugefügt und gegen sie intrigiert. Wie kann man diese aus humoriger Fremdscham, Schadenfreude und charmantem, aber auch massiv fehlerhaftem Dödeltum bestehende Serie nur rund abschließen?

Wie sich schon zu Beginn der finalen Staffel abzeichnete: Das Ende von «Pastewka» wird inhaltlich durch einen fragilen Frieden vorbereitet. Die Serie begann damit, dass sich die Titelfigur überaus über Kleinigkeiten aufregt und zog ihren Witz daraus, dass sich Bastian durch falsche Prioritätensetzung, Ignoranz und (es soll ja sympathisch bleiben) Unglück und missgünstige Menschen in noch größeres Unglück manövriert.

Bastian hatte ganz zu Beginn (fast) alles, was er sich wünschte, wenn auch mit Haken: Er war bekannt, wenngleich er oft auf eine Rolle angesprochen wurde, an die ihm nichts lag. Er hatte eine funktionierende Beziehung zu seiner langjährigen Freundin Anne – die Partnerschaft war stabil genug, dass sie nun endlich zusammenziehen, selbst wenn sich viele Leute fragten, was Anne an ihm findet. Es gab Widrigkeiten, die ihm den Tag erschwerten, vor allem aber grub er sich selber immer wieder eine Grube – und mangels Anpassungsfähigkeit verschlechterte er kontinuierlich seine Situation.

Annes Überlegungen, eine Familie zu gründen, nahm er nie ernst. Er versuchte gar nicht erst, sich daran zu gewöhnen, dass die von ihm verhasste Svenja Bruck mit seinem Bruder zusammengekommen ist, sondern ernannte sie zu seiner Erzfeindin, der er ständig einen bösen Plan unterstellte. Beruflich säte er eher Zwietracht, statt Vitamin B zu pflegen. So musste es ja eines Tages (genauer gesagt zu Beginn von Staffel acht) zum Bruch kommen. Der Rest der Serie handelte dann davon, wie Bastian versucht, das wieder zu kitten. Aber infolgedessen lernte Bastian endlich, auch an anderer Stelle Besserung zu zeigen.

Der fragile Frieden, den sich Bastian zu Beginn von Staffel zehn erarbeitet hat, bleibt erhalten – und anders als zu Beginn der Serie sehen wir nun einen Bastian, der fähig sein dürfte, ihn zu beschützen. Er wird niemals so empathisch, gönnerhaft und vorausschauend sein, einen stabilen Frieden zu erleben – und es wäre ein Verrat an der Serie, sie mit einem vollkommen veränderten Bastian zu beenden – aber er ist nicht mehr so borniert, ihn unentwegt neu zu gefährden.

Er und "die Bruck" werden wohl niemals beste Freunde. Doch nach über einem Jahrzehnt, in dem er in ihr das personifizierte Böse sah und sich nichts mehr wünschte, als dass sie aus seinem Leben verschwindet, wünscht er sich im Finale tatsächlich, dass sie seinen Bruder niemals verlässt. Bastian bekam zu sehen, wie Hagen ohne Svenja drauf ist, er selber bekam die Schmerzen einer Trennung zu spüren, und er hat seine kleine Nichte lieb – wie könnte er ihr wünschen, als Trennungskind groß zu werden? Bastian machte in Staffel zehn so viel für Andere, wie nie zuvor. Er hat endlich mal seinem Vater Zuneigung gezeigt – die Dynamik zwischen ihnen ist dennoch weiter spröde. Aber, hey: Sie ist halt besser denn je.

Und er hat den Funken der Zuneigung zwischen ihm und Anne wieder entfacht – eine große Hochzeitszeremonie wird es wohl nie geben, das bekommt der Mann einfach nicht gebacken und Anne scheint nicht die Art Frau zu sein, die in solchen Dingen über Bastians Unfähigkeiten hinweg plant. Doch sie tragen nun Ringe und sind harmonisch zusammen – sie lachen endlich gehäuft über Bastians Missgeschicke, während er ihre Eigenständigkeit akzeptiert (so gut er kann). Und im ultimativen «Pastewka»-Move wurden die ihm lange fernen Wünsche, Vater zu sein, durch eine Mischung aus ultimativer Peinlichkeitspanne und einer Kette von Zufällen doch erfüllt – aber dadurch, dass er sich geändert hat, freut er sich jetzt darüber.

«Pastewka» fand ein unkitschiges Ende. Ein Ende, dass auf den Erzählmechanismen aufbaut, die diese Serie so lange ausgemacht haben. Und doch ist das Ende ein großer Wendepunkt im Leben der Titelfigur – wir können sie nun alleine lassen. In einem Moment des unverhofften, teils peinlichen Triumphes rennt ein hektischer, froher Bastian Anne entgegen und wir wissen: Er wird weiter in Fettnäpfchen treten, doch es wird von nun an nie wieder so dödelig, so dramatisch und so knallig wie es im Laufe der zehn Serienstaffeln werden konnte. Wir müssen keine Folge sehen, in der Bastian das Lieblings-Kuscheltier seines Kindes verlegt oder unvorbereitet beim Elternabend Peinlichkeiten erzählt.

Wir wissen: Sowas wird passieren – aber vorausgesetzt, dass die Serie ihre Figurenentwicklung mit Respekt behandelt, wird es nur noch ein Schatten dessen sein, was bisher an «Pastewka»-Missgeschicken zu sehen war. Statt die Serie also zu überdehnen, ist es nur richtig, dass die verantwortlichen kreativen Köpfe ein Ende geschaffen haben, dass uns mit diesen Gefühlen verlässt: Es ist ein Ende, das nur diesen Figuren passieren könnte – und es ist zugleich das Ende dessen, diese Figuren in serientauglicher Form zu erleben.

«Pastewka» ist via Amazon abrufbar.

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