Am 11. und 14. Januar haben deutsche Anime- und Filmliebhaber die Möglichkeit, den japanischen Jahrhunderterfolg «Your Name» auf der großen Leinwand zu sehen.
Mit 354 Millionen US-Dollar ist «Your Name» nach Einspielergebnis der bislang weltweit erfolgreichste Anime überhaupt. Als Inspiration dienten Makoto Shinkai («Die Reise nach Agartha») eigenen Angaben zufolge verschiedene Geschlechtertausch-Mangas, Romane und Kurzgeschichten wie etwa «The Safe-Deposit Box» des Australiers Greg Egan. «Your Name» ist bei aller intensiven Konzentration auf Japan als Kulisse mitnichten ein rein asiatisch geprägter Film, sondern vor allem in seiner Thematik und gleichermaßen zeitgemäßen wie zeitlosen Message ein auf internationaler Ebene auslegbares Werk. Das würde auch den Erfolg erklären, der sich nun anschickt, in Deutschland fortgeführt zu werden. Denn auch hierzulande ist das Motiv Körpertausch (und ein weiteres, das aus Spoilergründen an dieser Stelle jedoch nicht genannt werden soll – schon die deutsche Subline des Films verrät im Grunde zu viel) ebenso verständlich, wie in Japan. Shinkais Charaktere gehen mit der Situation exakt so um, wie man es von jedem anderen Teenager erwarten würde; das nimmt «Your Name» eine bei der anschließend folgenden Komplexität durchaus zu befürchtende Verkopftheit und präsentiert den Film in der ersten halben Stunde als waschechte Komödie.
Diesen flott-humoristischen Einstieg in «Your Name» garniert der auch für das Drehbuch und die diesem zugrundeliegenden Roman verantwortliche Makoto Shinkai mit interessanten Beobachtungen der japanischen Kultur sowie ausgiebigen Charakterzeichnungen. Die Hintergründe der Figuren, eingebettet in ihre jeweilige Lebenssituation inklusive Freunden, Familie, Wohnort und Freizeitbeschäftigungen, werden im weiteren Fortverlauf der Handlung immer entscheidender. Sie dienen nicht bloß dazu, die Unterschiede der beiden Protagonisten zu betonen und eine möglichst große Fallhöhe daraus zu entwickeln. Sie sind die Grundlage für einen emotionalen Wandel von der Bodyswitch-Comedy, hin zum philosophischen Drama, das sich Themen annimmt, das auch den Zuschauer vor der Leinwand direkt ins Geschehen involviert. Dabei stellt «Your Name» nicht bloß genretypische „Was würdest Du an ihrer Stelle tun?“-Fragen, sondern schaut tiefer hinter die Fassade menschlicher Existenz.
Neben der erzählerischen Komponente ist die optische von «Your Name» mindestens genauso wichtig. Die gezeichneten Kulissen stecken nicht bloß voller Liebe zu den abgebildeten realen Schauplätzen, sie sind außerdem übersät mit Anspielungen für die Liebhaber japanischer Popkultur und Animes im Allgemeinen. Mit fortschreitender Laufzeit entwickelt sich die zu Beginn noch verspielt-kindliche, eher farbenfrohe Optik immer weiter hin zu einem düster-gesetzten Erscheinungsbild, das die Melancholie der Geschichte perfekt einfängt. Vor allem in der zweiten Hälfte, in denen Makoto Shinkai immer wieder Landschaftspanoramen wie Stillleben für sich sprechen lässt, ließe sich jedes Bild als Gemälde an die Wand hängen; so abgegriffen sich das Prädikat „Augenschmaus“ auch liest, so perfekt lässt es sich auf ]]Your Name]] anwenden. Musikalisch greifen die Macher nicht bloß auf sich der Kultur anpassende Instrumentalklänge zurück, sondern auch auf Popsongs, die auch in der deutschen Fassung nicht übersetzt, dafür untertitelt werden. Das ist wichtig – untermalen sie das Gezeigte doch oft textlich um eine zusätzliche Ebene und ergänzen den Film somit ideal. 

• Die Reise nach Agartha • The Safe-Deposit Box • Your Name
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