Die Jugendromanze «Du neben mir» erzählt – wieder einmal – von einer Liebe, die nicht sein kann und kann trotz austauschbarer Werbekulisse und seichtem Radiopopsoundtrack überzeugen.
Die Krankheit, unter der Hauptfigur Maddy in «Du neben mir» leidet, gibt es tatsächlich. Patienten mit dieser angeborenen Immunstörung besitzen kaum körpereigene Abwehrstoffe, sodass der Kontakt mit der kontaminierten Umwelt und Mitmenschen ein hohes Gesundheitsrisiko für sie birgt. Das ist zwar selten, doch es kommt vor. Und es ist schon recht geschickt, wie Stella Meghie Maddys Schicksal nutzt, um das Szenario der aufkeimenden Liebe zwischen ihr und dem charmanten Olly mit eigenen, neuen Facetten zu versehen. Denn diese räumliche Trennung der beiden, die es ihnen allenfalls ermöglicht, einander über Webcam oder durch das Fenster zu sehen, ist zwar ziemlich plakativ, doch unter diesen Umständen eben einfach realistisch. Da drückt man dann auch gern mal ein Auge zu, wenn man sich fragt, weshalb sich dieser Olly nicht auch einfach nur jenem Reinigungsprozess unterzieht, wie es Maddys wenige Vertraute auch tun. Doch wie es Maddys Mutter Pauline (Anika Noni Rose) ganz zurecht befürchtet, wird das Paar schon bald nicht mehr bloß gemeinsam in Maddys Zuhause rumhängen wollen – da wird jedweder Kontakt zur Außenwelt am besten direkt im Keim erstickt.
Die Ausgangslage des getrennten Pärchens nimmt in «Du neben mir» erstaunlich wenig Zeit in Anspruch. Schon früh drückt Maddys Pflegerin Carla (Ana de la Reguera) ein Auge zu und lässt die beiden Turteltäubchen einander näher kommen. Ab diesem Moment verliert der Film ein wenig seine zu Beginn aufgebaute Verspieltheit, denn wie es Drehbuchautor J. Mills Goodloe («Für immer Adaline») gelingt, den fehlenden Kontakt mithilfe kleiner Gesten durch die Fensterscheibe oder über den Chatverlauf auszugleichen, ist von hoher Kreativität. Mal darf Olly für seine Angebetete einen Kuchen backen und nach einem Unfall wieder reanimieren (!), dann wiederum verlagert Stella Meghie die Gespräche in die künstliche Kulisse einer von Maddy selbst angefertigten Pappmaché-Bibliothek und lässt Erinnerungen an den unbeholfen-charmanten Charme von «Ich und Earl und das Mädchen» aufkommen.
Während Stella Meghie hier und da zu sehr die in der Geschichte ohnehin verbauten Gegensätze zwischen Maddy und Olly betont (was übrigens nicht für die unterschiedlichen Hautfarben gilt, denn dieser Umstand wird in «Du neben mir» nicht einmal erwähnt – gut so!), indem sie Maddy permanent weiß, Olly ausschließlich schwarz tragen lässt und beide in sämtlichen Angewohnheiten und Charaktereigenschaften möglichst konträr zeichnet, legen Amandla Stenberg («Die Tribute von Panem – The Hunger Games») und Nick Robsinson («Die 5. Welle») eine Natürlichkeit an den Tag, dass die Interaktion der beiden die mitunter konstruierten Umstände der Handlung ausgleichen können. Das gilt selbst für den zwar überraschenden, aber nicht wirklich glaubwürdigen Twist, mit dem «Du neben mir» recht unbefriedigend endet. Dafür erweist sich Meghies Regiearbeit als echtes Feelgood-Sommer-Movie, denn wenn die Frischverliebten erst einmal aus ihrem emotionalen wie buchstäblichen Gefängnis ausgebrochen sind, erwartet den Zuschauer ein visuell und akustisch äußerst ansprechendes Seherlebnis, das einen nach Urlaub dürsten und automatisch von der großen Liebe fantasieren lässt. Dem Zielgruppenalter entwachsene Zuschauer sehen darin vermutlich vornehmlich einen Reisewerbespot im Leinwandformat – auch musikalisch gestaltet sich «Du neben mir» hier und da ein wenig anstrengend. Doch nicht nur die Regisseurin liebt ihre beiden Hauptfiguren über alles. Auch der Zuschauer kann irgendwann gar nicht mehr anders, als mit ihnen und mit dem ihnen vergönnten Glück mitzufiebern.

• Bates Motel • Das Schicksal ist ein mieser Verräter • Den Sternen so nah • Die 5. Welle • Die Tribute von Panem • Du neben mir • Ein ganzes halbes Jahr • Everything Everything • Für immer Adaline • Ich und Earl und das Mädchen • Jean of Joneses • The Hunger Games • Wenn ic
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel