Es ist schwer, einen Film mit Marion Cottilard zu finden, der nicht ein gewisses Grundniveau erreicht. Doch die Romanadaption «Die Frau im Mond» erweist sich in sämtlichen Bereichen als größtmöglich gescheitertes Unterfangen.
Wenn nicht einmal Marion Cottilard («Allied – Vertraute Fremde») einen vor den Augen des Publikums scheiternden Film zu retten vermag, muss einiges im Argen liegen. Selbst kaum gelungene Produktionen wie das franko-kanadische Dialog-Drama «Einfach das Ende der Welt» oder die allenfalls auf optischer Ebene gelungene Videospielverfilmung «Assassin’s Creed» kann die 41-jährige Oscar-Preisträgerin mit Leichtigkeit um einige qualitative Nuancen in die Höhe treiben, doch im Falle von «Die Frau im Mond» scheint selbst die gebürtige Pariserin irgendwann nicht mehr an das Projekt geglaubt zu haben. Da Cottilard den Film zudem vollkommen allein auf ihren Schultern tragen muss, ist es Nicole Garcias Drama nahezu unmöglich, Berührungspunkte mit dem Zuschauer entstehen zu lassen. Marion Cottilard agiert ungewohnt mechanisch, lässt die ihrer Figur innewohnende Melancholie von ihrem Gesicht Besitz ergreifen und scheint selbst dann nicht aus dieser Lethargie zu erwachen, als es die Handlung eigentlich verlangt. «Die Frau im Mond» ist das zweistündige Porträt einer seelisch toten Frau, gefangen in einem Korsett aus familiären Erwartungen und Vorwürfen, die das szenenweise Aufbegehren der Figur Gabrielle direkt wieder im Keim ersticken. Da genau diese Momente jedoch eher theatralischer Hysterie gleichkommen, ist es kaum verwunderlich, dass die Hauptfigur kein Mitgefühl, sondern Unverständnis hervorruft. Sympathien für die ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch teilnahmslos agierende Protagonistin zu entwickeln, ist schier unmöglich.
So aber erstreckt sich das fragwürdige Charakterdrama satte zwei Stunden über die Leinwand, das immer wieder mit Szenen aufgepeppt wird, die zwei gänzlich unterschiedlichen Filmen entlehnt scheinen, an beide jedoch zu keinem Zeitpunkt herankommen: Da wäre zum einen Gore Verbinskis im Laufe dieser Woche erscheinender Psychothriller «A Cure for Wellness». Wenn Gabrielle im Mittelteil von «Die Frau im Mond» ein Wellnesshotel in den Schweizer Alpen aufsucht, ihre Kur dort vornehmlich aus der Zuführung von Wasser besteht und das Personal um sie herum alles andere als vertrauenserweckend aussieht, wünscht man sich direkt einen Verbinski-typischen Twist herbei, um das Szenario aus einem Blickwinkel zu sehen, der das Leinwandgeschehen vielleicht doch noch erträglich macht. Während «A Cure for Wellness» aus Zeitgründen jedoch nicht als Vorbild herhalten konnte, scheint ein anderer Film doch noch offensichtlicher Pate gestanden zu haben: Lars von Triers «Nymph()maniac».
Ähnlich der vierstündigen Odyssee durch die sexuelle Lebens- und Leidensgeschichte einer Nymphomanin setzt auch «Die Frau im Mond» auf viel nackte Haut, die Marion Cottilard gern bereit ist, zu zeigen. Ihr hier an den Tag gelegtes Selbstbewusstsein, gepaart mit dem Mut zu natürlicher Schönheit gehört zu den rar gesäten Pluspunkten, wenngleich sich durchaus die Frage aufdrängt, was die einzelnen Nackt- und Sexszenen überhaupt in dem Film zu suchen haben. Um den erotischen Subtext des Dramas zu unterstreichen, bleiben sie in letzter Instanz zu vage und auch zu willkürlich, doch um einfach nur die körperliche Anziehung zweier Liebender zu unterstreichen, ergötzt sich die Kamera zu lang und zu ausgiebig an den hier vorgeführten Liebesakten. Schon in der aller ersten Szene, in welcher Marion Cottilard inmitten eines Sees ihre Scham entblößt und die Kamera deutlich einfängt, wie das Wasser ihre Schamlippen umhüllt, bleibt die Intention dahinter vollkommen unklar, denn wieder aufgegriffen wird diese Szene nicht und auch zur Formung des Charakters beitragen tun derartige Momente nie. 

• A Cure for Wellness • Allied • Allied – Vertraute Fremde • Assassin’s Creed • Die Frau im Mond • Die Frau in Mond • Einfach das Ende der Welt • Mal di pietre • Nymph()maniac • Vertraute Fremde • Weekend für zwei
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