Sonntagsfragen

Sonntagsfragen an Borris Brandt (Teil II)

von
Hier nun also der zweite Teil der Sonntagsfragen an Endemol-Boss Borris Brandt. Herr Brandt, es gibt wahnsinnig viele Internet-Foren, die sich mit dem Format «Big Brother» befassen. Nehmen wir das IOFF als Beispiel. Lesen Sie darin?

Ja, klar. Ich stehe total auf völlig sinnlose Verschwörungsstrategien. Zum Beispiel wird ja auch davon geredet, dass Franzi mit mir verwandt ist. (lacht) Das finde ich am Besten.



Es ist immer wieder zu lesen, dass User Vermutungen anstellen, dass Endemol an Voting-Ergebnissen rumtrickst.

Naja, die Frage ist ein bisschen doof. Weil, wenn wir das wirklich machen würden, wäre es ja blöd, das zuzugeben. Eine ehrliche Antwort können Sie nur erwarten, wenn sie mich kennen und wissen, dass ich nicht spinne.



Aber vor allem: Wenn wir da irgendwas faken würden, also Einfluss nehmen würden, dann würden wir dieses ganze Format weltweit ruinieren. Kein Mensch der Welt wäre so bescheuert. Das ist absurd. Abgesehen davon: Es kann ja jeder anrufen. Darum geht es ja auch: Anrufen und gezählt werden. Wie soll man das denn beeinflussen? Da müssten wir schon falsche Zahlen ablesen. Das geht aber gar nicht, weil alles per Notar geprüft ist – es ist alles hinterlegt. Wenn zum Beispiel 1728 Anrufe eingehen, dann gibt es eine Aufzeichnung und so wird mit allen Beteiligten abgerechnet. Um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Bei «Big Brother» entscheidet der Kandidat, wie er sich verhält und der Zuschauer, wie es weitergeht.



Beim Sender RTL II geht es momentan rund. Josef Andorfer wurde zum 1. Februar als Geschäftsführer gekündigt, arbeitet aber inzwischen per Einstweiliger Verfügung wieder beim Sender. Die Parteien sind zerstritten. Andorfer – der als Vater von «Big Brother» gilt, scheint keine Zukunft dort zu haben. Ist das schlecht für Sie?

Ich bin der erste Programmdirektor der Welt gewesen, der «Big Brother» unterschrieben hat. Da war ich noch bei ProSieben. Und genau deswegen bin ich auch bei ProSieben rausgeflogen, weil Herr Bauer damals nicht an Reality geglaubt hat. Danach war Herr Andorfer der Erste, der «Big Brother» realisiert hat. «Big Brother» mit der vierten Staffel wiederzubringen hat sicherlich ganz viel mit ihm zu tun, vor allem mit seinem Mut. Was wir aktuell machen, ist gemeinsame Weiterentwicklung – wiederum mit dem Mut von RTL II. Dieser muss jetzt natürlich nicht mehr ganz so groß sein. Nach einem Jahr weiß man einfach, wie es läuft.



Drehen wir doch ein bisschen an der Zeitmaschine: In der Zeit der zweiten und dritten BB-Staffel gab es wahnsinnig viele Reality-Formate. «Girlscamp», «IIClub» und vieles mehr. Warum war «Big Brother» bisher das einzige Format im Reality-Bereich, welches funktioniert hat?

Das hat man auch im vergangenen Jahr an «Kämpf um deine Frau» gesehen. Reality zu produzieren ist nicht einfach Kameras hinschrauben und warten, was passiert. Zu 80 Prozent ist „Reality“ knallhartes Handwerk. Wir entwickeln «Big Brother – Das Dorf» seit einem Jahr. Seit einem halben Jahr arbeiten wir hardcore-mäßig an jeder Sekunde dieses Formats, an jedem Blickwinkel, jeder Kamera… Da ist nichts dem Zufall überlassen. Wer sein Handwerk nicht beherrscht, der soll’s halt lieber bleiben lassen. Endemol ist die einzige Firma der Welt, die solche „Reality-Formate“ perfekt produzieren. Das ist einfach so und hat vor allem mit Erfahrung zu tun!



Im echten Leben ist aber vieles dem Zufall überlassen…

Bei uns ist keine Kamera, keine Farbe, kein Schnitt dem Zufall überlassen. Aber die Kandidaten tun, was sie wollen und prägen das Format.



Welche Formate gibt es momentan zu wenig im deutschen Fernsehen?

Die klassisches Samstagabend–Familien–Unterhaltung. Ich denke auch, dass alles das, was zwischen Reality und anderen Genres ist, auch noch zu wenig vorhanden ist. Da gibt es noch viel Raum. «Der große, dicke, peinliche Verlobte» war zum Beispiel ein Schritt in diese Richtung.



Zum Abschluss spielen wir mal wieder unsere Promi-Schaukel.

Welche drei Dinge würden Sie mit ins Big-Brother-Haus nehmen?

Ich würde mitnehmen: Meine Frau, meine Kinder und die Tiere. Das wär’s eigentlich schon.



Welche TV-Sendungen verpassen Sie nie?

Das sind mehrere. «CSI: Miami» im Moment, «Wer wird Millionär», «Nur die Liebe zählt», «Harald Schmidt» und natürlich «Big Brother».



Wir wünschen Ihnen ganz viel Erfolg mit «Big Brother» und eine dementsprechend lange Laufzeit. Zum 10-Jährigen Jubiläum sprechen wir uns dann vielleicht wieder. Besten Dank, Herr Brandt.

Kurz-URL: qmde.de/8984
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