Er will es wieder wissen: Mit «31 - A Rob Zombie Film» lässt der Regisseur von «Haus der 1000 Leichen» die Kettensägen dröhnen. Sein Film ist wie der unbeholfene Versuch, «Die Tribute von Panem» mit «Hostel» zu kreuzen und mit gewollter Provokation zu schockieren.
1976: In der Nacht vor Halloween werden fünf abgebrannte Jahrmarkts-Mitarbeiter von einer Bande sadistischer und spielsüchtiger Hinterwäldler entfährt und zu einem mysteriösen, schrecklichen Ort gebracht: der „Murder World“. Dort haben sie 12 Stunden Zeit, ein mörderisches Spiel namens „31“ zu überleben. Eine Gruppe von Psychopathen – alle als Clowns maskiert – wird auf sie gehetzt und hat nur eine Aufgabe: die fünf Gefangenen zu töten. Das Spiel kennt keine Regeln, was zählt, ist der pure tierische Überlebensinstinkt. Wer bis um Punkt Mitternacht überlebt, ist frei. Das ist 31. Lasset das Spiel beginnen!
Andererseits könnte sich daraus aber auch ein ganz anderer Reiz ergeben. Wären die Antagonisten – im Falle von «31» eine Gruppe aus verkleideten Sadisten, die das bunten Treiben aus angemessener Entfernung beobachten – reizvoll genug, ließe sich der Zuschauer mithilfe dieser perfiden Faszination schnell zum Voyeur delegieren. Doch der Einfallsreichtum beim Kostümdesign und Szenenbild springt auf die sadistischen Zuschauer ebenso wenig über, wie auf die verschiedenen Killerfiguren, die auf Anweisung der Hinterwäldler in regelmäßigen Abständen auf die Gefangenen losgelassen werden. Mal bedient man sich hier an einfachsten Figurentypen; Kettensägen schwingende Clowns passen aber immerhin gut zur durchscheinenden Zirkus-Symbolik. Wenn im letzten Drittel des Films allerdings ein nur allzu grotesk auftretendes Killerpärchen aufs Parkett tritt, das sich vor allem dadurch kennzeichnet, dass es im Sekundentakt niederste deutsche Fäkalwörter herausbrüllt, dann entbehrt das auf den ersten Blick vielleicht noch eines anklingenden Surrealismus‘, entwickelt sich aber schon wenig später zur nervenzerfetzenden Geduldsprobe. In «31» wird ohnehin viel geflucht. Dass sich der Regisseur krampfhaft am Motiv des toughen (Final?) Girls orientiert, steht dabei im krassen Kontext zur andauernden Vulgär-Beschallung, in der vor allem Frauen immer wieder auf ihr biologisches Dasein als solche reduziert werden.
Anhand dem von Richard Brake («Spy – Susan Cooper Undercover») mit viel Lust an Ekel und Gewalt verkörperten Doom-Head, der wohl schillerndsten Figur aus dem «31»-Kosmos, versucht Rob Zombie, einen erzählerischen Bogen zu spannen. Der Film beginnt mit einer in schwarz-weiß gehaltenen Rede Doom-Heads darüber, wie er das vor ihm sitzende Opfer gleich töten wird. Diese Szene gehört dann auch direkt zu den besten; das Spiel mit dem Unwissen des Publikums funktioniert hier nämlich noch, da der Zuschauer noch nicht weiß, wie gewalttätig der Film später werden wird. Ist Doom-Head erst einmal von der Bildfläche verschwunden, dauert es lange, bis er wieder auftaucht, um im letzten Drittel das Problem der Opferentledigung selbst in die Hand zu nehmen. Zombie deutet hier an, dass es in «31» im Kern eigentlich um ihn geht, nur gelingt es ihm nicht, diesen durchscheinenden Ansatz zu Ende zu denken. Stattdessen dominieren Gewalt, Blut und Schimpftiraden das Geschehen, das Zombie ganz untypisch nicht bis zuletzt mit der Kamera festhält. «31» ist nicht subtil genug, um das Grauen im Kopf des Zuschauers geschehen zu lassen und zeigt die schlimmsten Verstümmelungen an den Opfern doch nicht mit einer solchen Konsequenz, dass sich Liebhaber sehr derber Kost hier gut aufgehoben fühlen dürften. Am Ende taugt das merkwürdige Vergnügen dann doch für nichts so richtig. Und es ist fraglich, was für ein Segen es ist, dass endlich mal wieder eine Rob-Zombie-Produktion in die Kinos kommt.

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