Wenn sich die Macher von «The LEGO Movie» mit dem Regisseur von «Bad Neighbors» zusammentun, kann dabei etwas sehr Skurriles entstehen. Oder mit «Störche - Abenteuer im Anflug» eben ein höchst amüsantes, wenn auch leicht überdrehtes Animationsabenteuer.
Störche bringen die Babys … zumindest war das früher so. Heute sind sie Paketzusteller eines weltweit operierenden Mega-Online-Versands. Storch Junior zeigt in der Versandabteilung die besten Leistungen und hofft bereits auf eine Beförderung, als er aus Versehen die Babymaschine in Gang setzt, was zur Produktion eines völlig unautorisierten, wenn auch entzückenden Mädchens führt. Junior und Tulip (deutsche Stimme: Nora Tschirner), der einzige Mensch auf dem Storchenberg, müssen das Säuglingsbündel nun so schnell wie möglich loswerden, damit der Chef nichts mitbekommt. Hektisch bemühen sie sich also, ihr erstes Baby überhaupt zuzustellen – was in einen wilden und aufschlussreichen Trip mündet, der mehr als eine Familienkrise kitten könnte. Und vielleicht finden die Störche dadurch sogar wieder zurück zu der Mission, für die sie schon immer vorherbestimmt waren.
Bis es zu dieser feinen Sequenz im Schlussakt von «Störche» kommt, verläuft das computeranimierte Abenteuer nach recht schematischen Roadmovie-Grundsätzen. Das als Partner wider Willen miteinander agierende Duo aus Junior und Tulip hakt die einzelnen Stationen ihrer Reise pflichtbewusst ab, wovon einige mehr, andere weniger geglückt sind. So funktioniert «Störche» ähnlich wie «The LEGO Movie» in erster Linie über einige herausragend-komische Running Gags wie etwa ein Wolfsrudel, das sich mehrmals vollkommen selbstverständlich in verschiedene Fahrzeuge verwandelt (!) oder eine Gruppe aus Pinguinen, die ganz Actionfilm-like eine Kampfchoreographie vollziehen; mit dem Unterschied, dass bei dieser hier nur geflüstert werden darf. Auch der Umstand dass Vögel kein Glas erkennen können, weiß Stoller mehrmals gewitzt in einen Gag umzusetzen. Doch wo «Störche» im Bereich des Humors richtig kräftig punkten kann, liegen die Emotionen innerhalb des Films lange Zeit völlig brach. Mit Ausnahme genannter Zeitraffer-Sequenz versuchen die Macher, die Message, dass familiärer Zusammenhalt nicht vom selben Blut abhängig ist, mehrmals derart penetrant in den Fokus zu rücken, dass sich gewisse Müdigkeitserscheinungen nicht leugnen lassen. Auch die Vermittlung familiärer Werte an sich, die mithilfe eines zweiten Handlungsstrangs rund um eine Menschenfamilie auf der Erde vonstatten gehen soll, bremst den Hauptplot um Junior und Tulip eher aus, als den Film zu bereichern.
Deshalb und aufgrund der reichlich schematischen Figurenzeichnung von Pro- und Antagonist gehört «Störche – Abenteuer im Anflug» nicht zu den ganz großen Reißern, die das Animationsfilmkino in diesem Jahr zu bieten hat. Gleichzeitig muss man dem tricktechnisch soliden, etwa auf «Ice Age»-Niveau angesiedelten und in der 3D-Fassung lediglich punktuell überzeugenden Film aber auch zu Gute halten, dass die eineinhalb Stunden nicht bloß im Flug vergehen, sondern auch jede Menge Spaß machen. Dazu tragen auch in der deutschen Fassung die Synchronsprecher bei. Allen voran Nora Tschirner («SMS für Dich») legt in der Rolle der Tulip eine ungeheure Energie an den Tag, die «Störche» zusätzlich treibt. Gemeinsam mit Rick Kavanian («Hotel Transsilvanien 2») als Sidekick Taube Nuss, Frank Rosin als Alpha Wolf und Nelson Müller als Beta Wolf ergibt sich eine schöne Kombination alteingesessener Sprecher und Neulinge, denen man ihr Greenhorn-Dasein nicht anmerkt; im Gegenteil.

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