Fast 20 Minuten früher als geplant endete am Sonntag «Der große RTL II-Promi-Kegelabend» - und das war noch der cleverste Schachzug einer zähen, belanglosen und künstlich aufgeblähten Live-Show, die sich in der Vita von Brainpool wohl eher als Schandfleck denn als Vorzeigewerk lesen wird.
Und so wahnsinnig viel mehr ist den Machern dann auch schon nicht mehr eingefallen, um dieses simple Konzept derart aufzufrischen, dass es annähernd genug Stoff für eine fast vierstündige Show hergibt. Das netteste Gimmick ist hier schon ein ein kleines "Tabu"-Spielchen mit Pietro und Sarah Lombardi mit (im weitesten Sinne) Kegelbegriffen, das jedoch derart inflationär eingestreut wird, dass es beim sechsten oder siebten Einsatz auch eher störend daherkommt. Und wenn ein Spieler keinen einzigen Kegel abräumt, muss er sich einer Strafe stellen. Kostprobe gefällig, in welche Richtung diese Bestrafungen gehen? Die Geissens und Gregor Glanz müssen drei Gegenstände auf ihren Tisch ablecken, was das Team "Köln 50667" auf den Plan ruft, sich selbst mit dem Tisch zu verbinden - in der Hoffnung, dass Carmen sie doch abschlecken möge. Angesichts dessen sammelt Frau Geiss alleine schon dadurch Sympathiepunkte, dass sie die Testosteronbomben abblitzen lässt und ihre "Bestrafung" so lustlos und fix wie möglich hinter sich bringt.
Wie sehr die Verantwortlichen beim Spannungsaufbau versagen, lässt sich ganz gut am Verhalten des Publikums ablesen, das dieses Martyrium in Winterberg im Sauerland über Stunden hinweg über sich ergehen ließ. Ist es in der Anfangszeit noch sehr lebendig und euphorisch, muss es sich zum Ende hin jeden kleinen Applaus aus seinen erschlafften Gliedern quälen und hockt überwiegend lethargisch dem Ende entgegen sehnend auf den Stühlen. Als der Spielablauf im Finale dann ein wenig flotter - wenngleich konzeptionell noch belangloser, da man nun ohne jede "Challenge" einfach nur noch drauf los kegelt - wird, ist der Zug schon abgefahren und die Sehnsucht nach einem Ende nicht mehr zu bändigen. Dem kommt man dann auch um kurz nach 23:50 Uhr überfrüht nach. Auch so etwas, was es unter einem Stefan Raab nicht gegeben hätte.
Im Vergleich dazu ist «Der große RTL II-Promi-Kegelabend» nicht mehr als der verzweifelte Versuch eines am Sonntagabend konzeptlosen Senders, in Zusammenarbeit mit einem im wirtschaftlichen Herbst befindlichen Produktionsunternehmen ein Konzept zu reproduzieren, das vornehmlich ProSieben kultiviert hat - und das stets ambitionierter, wenngleich nicht unbedingt immer inhaltlich gelungener. Zu dieser billigen, schlecht durchdachten und somit letztlich ebenso herz- wie kopflos wirkenden Liveshow-Kreation passt es dann wie die Faust aufs Auge, dass die Beteiligten fast ausschließlich aus sendereigenen Dokusoaps und Scripted Realitys stammen - die in der Mehrzahl auch nicht unbedingt im Verdacht stehen, ihrem Publikum besonders geistreiche und liebevolle Unterhaltung anzubieten. Ob es eingedenk dessen also traurig wäre, wenn es bei einem «Kegelabend» dieser Couleur bleiben sollte? Nein, das wäre es sicherlich nicht.
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Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
01.08.2016 10:25 Uhr 1
01.08.2016 14:03 Uhr 2
01.08.2016 16:07 Uhr 3
Die Quoten kannte ich ja heute Nacht noch nicht. Mal davon abgesehen, dass ich Quoten generell für nur mäßig aussagekräftig hinsichtlich inhaltlicher Aspekte halte.
Und ja, aber bei Raab wars doch eine etwas vielfältigere Auswahl statt eines reinen Schaulaufens der Senderprominenz.
Fohlen