Kirchenkitsch at its Worst! Eine einzige Wendung macht aus dem sensiblen Drama «Himmelskind» eine peinliche Pathosschleuder. Wie gut, dass das aufgrund der EM wohl ohnehin keiner sehen wird.
Als Christy (Jennifer Garner) erfährt, dass ihre 10-jährige Tochter Anna (Kylie Rogers) an einer seltenen, unheilbaren Krankheit leidet, sucht sie verzweifelt nach einer Therapie. Sie rennt von Doktor zu Doktor, reist quer durch die USA, verschuldet sich und vernachlässigt den Rest ihrer Familie – alles nur, um dem jungen Mädchen zu helfen. Doch die Möglichkeit einer Therapie besteht nicht. Stattdessen muss sich die Familie damit arrangieren, dass Anna bald sterben wird. Auf ihrer Odyssee lernt Christy viele Menschen kennen, die alle auf ihre ganz eigene Art und Weise versuchen, der Familie beizustehen. Obwohl das Schicksal längst besiegelt scheint, geschieht eines Tages etwas Unglaubliches, was sich bis heute Niemand im Ort erklären kann…
Die dramatischen Aspekte in der auf wahren Ereignissen beruhenden Geschichte rund um die Familie Beam inszeniert Regisseurin Riggen auf Basis des Drehbuchs von Randy Brown («Back in the Game») gefühlvoll, wenngleich einen Tick zu überdramatisch. Zeitlupen und betont sentimentale Musik (Carlo Siliotto) zum Unterstreichen der durch und durch tragischen Prämisse hätte «Himmelskind» gar nicht gebraucht. Die authentischen Schauspielleistungen und der detaillierte, nichts beschönigende Blick auf die Geschehnisse reichen aus, um die Tragweite der für die Familie niederschmetternden Nachricht zu verdeutlichen. Auch die Tatsache, dass der Film Themen wie die Vernachlässigung der Mutter ihrer anderen Kinder, die wachsenden Geldsorgen sowie die Entfremdung der Erwachsen sind kompakt und schlüssig in die Geschichte eingebunden. Insofern brauchen sich gerade Eltern nicht schämen, sollten sie im Kino die eine oder andere Träne verdrücken; wenn Anna ihrer Mutter offenbart, lieber sterben zu wollen, als weiterhin Schmerzen zu erleiden, ist das nicht nur im Kontext traurig, sondern fühlt sich auch für den Zuschauer echt und bedrückend an. Sogar die von Queen Lativa («Der Knochenjäger») optimistisch-schwunghaft verkörperte Zufallsbekanntschaft von Christy und Anna, die mit den beiden einen Großstadttrip unternimmt, lockert die Szenerie in genau jenem richtigen Maße auf, dass es sich anfühlt wie ein kurzer Moment benötigter Leichtigkeit; nicht wie abgeschmackte Verklärung.
Lange Zeit fragt man sich, weshalb «Himmelskind» überhaupt als Film jenes christlich-dramatischen Genres tituliert wurde, das hier bereits zu Anfang kurz erwähnt wurde. Die Familie Beam ist zwar gläubig, doch mehr als ein herkömmlicher Kirchenbesuch und Stoßgebete im Anbetracht der Katastrophe – die in solchen Situationen sicherlich nicht selten auch von Nichtgläubigen gen Himmel geschickt werden – bekommt man als Zuschauer nicht zu sehen. Das Blatt wendet sich allerdings schneller, als sich das „Vater unser“ aufsagen lässt. Da «Himmelskind» auf den offenbar tatsächlich erlebten Ereignissen der Familie Beam basiert (Christy Beam schrieb auch die Romanvorlage, die der Drehbuchautor für die Leinwand adaptierte), lässt sich Regisseurin Patricia Riggen schwer vorwerfen, dass sie die im Trailer als zentralen Plotpoint dargestellte Wendung kurz vor Schluss in ihre Story einbaute. Doch nicht nur, dass der Film durch das vorab der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Bewegtbildmaterial vollkommen falsch verkauft wird, er schürt beim Zuschauer vor allem falsche Erwartungen. Der Teil, der aus dem Schicksal überhaupt erst ein verfilmenswertes macht, erhält hier eine Laufzeit von gerade einmal zwanzig Minuten und hebt sich in seiner Vorschlaghammermoral, der nahezu unerträglichen Botschaft und der zunichte gemachten Subtilität so negativ von der vorab noch so sympathisch-zurückhaltenden Geschichte ab, dass man fast glauben möchte, ab hier hätte ein anderer Filmemacher das Projekt zu Ende geführt. Gekrönt wird das Ganze nur noch von qualitativ indiskutablen Computer- und Greenscreeneffekten, die das Leinwandgeschehen schließlich vollends der Lächerlichkeit preisgeben.

• #Zeitgeist • Back in the Game • Captive • Den Himmel gibt’s echt • Der Knochenjäger • Der Pate • Die Passion Christi • Die Verurteilten • Exodus • Himmelskind • Miracles from Heaven • Noah • The Dark Knight • Väter und Töchter
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16.06.2016 17:34 Uhr 1