Am Dienstag läuft die letzte Folge des Krimi-Dauerbrenners auch bei uns im Fernsehen. Wir haben uns gefragt, warum die Erfolgsformel so beliebt ist.
Die von Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer ins Leben gerufene Serie «CSI: Vegas» machte sich diese Fantasie so erfolgreich zu Nutze, dass sie zwischendurch noch durch die Ermittler-Teams aus Miami und New York Unterstützung erhielt. Mit «CSI: Cyber», einer Serie, die sich dem Namen entsprechend mit Computerkriminalität beschäftigt, läuft momentan der vierte Ableger des Erfolgsrezeptes auf den internationalen Fernsehschirmen. Der Quotenerfolg und die daraus resultierenden Spin-Offs, Comics, Romane und Videospiele waren nicht unbedingt verwunderliche Resultate, denn die Formel jeder einzelnen Episode gestaltete sich relativ simpel und war vor allem für einen Fast Food-Fernsehkonsum denkbar leichte Kost: Ein Mordfall jeweils zu Beginn, gefolgt von wissenschaftlichen und möglichst ausgefallenen Ermittlungsmethoden des jeweiligen Ermittlerteams, untermalt mit einschlägigem Soundtrack; eine erste Verdächtige oder ein erster Verdächtiger wird gefunden, die/der sich aber als unschuldig herausstellen soll; weitere Ermittlungen mit noch ausgefalleneren Methoden gefolgt von der Lösung des Falls.
Ausbremsen konnten solche Wahrheiten die Krimiserie jedoch nicht. Hier konnte jeder Zuschauer jederzeit ein- oder auch wieder aussteigen, nur um vielleicht in einem späteren der insgesamt 15 Sendejahren in den Kriminalhochburgen Las Vegas, Miami und New York vorbeizuschauen. Dennoch wirkte das enge Formelkorsett schon zu Beginn zu eng und wie ein Relikt vergangener Fernsehzeiten, insbesondere mit den ein Jahr zuvor auf HBO gestarteten „Sopranos“, die vielen Expertenmeinungen zufolge, das schöne, neue Goldene Zeitalter des Fernsehens einläuteten, in dem wir es uns alle so bequem gemacht haben. Die Folge waren jedoch eine immer unübersichtlichere und komplexere Serienwelt, die im amerikanischen Sprachraum mittlerweile mit dem Begriff „Peak-TV“ bedacht wird - mehr großartig erzählte TV-Serien, als ein jeder von uns je konsumieren könnte. «CSI» bot über 15 Jahre lang Hobbykriminalisten mit bescheidenen Freuden einen veritablen Rückzugsort vor der immer komplexer werdenden Serienwelt und ihren düsteren Antihelden.
Grissom war durch und durch Vollblut-Ermittler, der nie seine Arbeit kompromittierte, auch wenn es der politische Aspekt seiner Arbeit erforderte. Kein Wunder also, dass er nur die Nachtschicht leiten durfte. Dafür aber, und das ist für diesen Archetyp am wichtigsten, erhielten er und sein Team regelmäßig die Chance, sich mit den schauerlichsten Morden auseinanderzusetzen. Grissom war allerdings auch der herausstechendste Charakter der Serie, und als er nach der neunten Staffel dem Ruf der Theaterbühne folgte, konnte die Serie das nicht verwinden und zu alten Erfolgen zurückkehren. Auch wenn andere Darsteller wie Gary Dourdan und Marg Helgenberg zwischendurch ihren Abschied nahmen und durch Schauspieler wie Elisabeth Shue und Wallace Langham ersetzt wurden, hinterließ ihre Abwesenheit nie so ein klaffendes Loch, wie es der Abgang des Leitwolfes Grissom getan hat.
Es schien fast so, als hätten die Autoren schon mit der Figur des Grissom ihr kreatives Pulver verschossen und wüssten nichts mehr Interessantes mit ihren Nachfolgern anzufangen. Ein starkes Team benötigt einen ebenso starken Leitwolf, ohne diesen und gefangen in einer formelhaften Erzählstruktur, die nicht nur in einer, sondern gleich in drei Serien in einer Endlosschleife abgespult wurde, wundert es nicht, dass der Zuschauer übersättigt war. Das langsame, aber sichere Ende von «CSI» nahm seinen Anfang. Symptomatisch dafür ist, dass 2012 «CSI: Miami» und 2013 «CSI: New York» abdankten und in Vergessenheit gerieten. 

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Es gibt 7 Kommentare zum Artikel
12.05.2016 21:53 Uhr 5
20.12.2018 09:13 Uhr 6
20.12.2018 23:21 Uhr 7