Regisseur Christian Ditter ist mit seiner starbesetzten Romantic Comedy «How To Be Single» endlich in Hollywood angekommen. Doch auf den zweiten Blick ist sein Film gar nicht mehr so romantisch, wie man es sich angesichts der Geschichte vielleicht vorstellt.
Romantic Comedies, die sich mit den Irrungen und Wirrungen der Partnersuche beschäftigen, haben oft den Ruf, „irgendwie alle gleich“ zu sein. Frau und Mann treffen sich, verlieben sich, werden mit einem Problem konfrontiert, um dieses aus dem Weg zu schaffen und mit Erreichen des Happy Ends steht schließlich gar nicht mehr zur Debatte, dass dieses neue Traumpaar fortan für den Rest seines Lebens besteht. Was ebenfalls nicht in Frage gestellt wird, ist das Pärchendasein als einzig sinnhafte Existenzform. Und wenn es die Happy Ends eines Großteils nationaler und internationaler Liebesfilme propagieren, nur mit dem Finden seines Seelenverwandten für immer glücklich sein zu können, dann kann das auch die Wahrnehmung der Realität durchaus beeinflussen. In Zeiten, in denen die Anzahl an Singlehaushalten kontinuierlich zunimmt, müsste der Trend doch eigentlich in eine andere Richtung gehen. Doch Individualität ist im leicht konsumierbaren Komödienkino selten gefragt. Umso schöner, dass es sich Christian Ditter nun zur Aufgabe gemacht hat, eine Komödie für die „Generation Beziehungsunfähig“ zu kreieren, die sich weder als belehrend rational, noch als verklärend kitschig erweist. «How To Be Single» ist die filmgewordene Erkenntnis, dass man als Alleinstehender genau so viel Spaß haben kann, wie als Teil einer Beziehung und verpackt das Ganze beiläufiger, als man es von einem Film dieses Schlages erwartet hätte.
«How To Be Single» ist inszenatorisch zwischen „normaler“ RomCom und Episodenfilm anzusiedeln und interessiert sich nicht ausschließlich für seine Figuren, sondern versteht sich obendrein als visuell ungeheuer ästhetische Liebeserklärung an New York. Das kann mitunter anstrengend sein, wenn Christian Ditter die stylischsten Wohnungen, schönsten Menschen und hippsten Jobs zu einem riesigen Stelldichein bittet, doch der erzählerische Fokus bleibt auf einem angenehm realistischen Niveau. «How To Be Single» ist definitiv keine weichgespülte Lovestory – im Gegenteil. Das Skript von Abby Kohn, Marc Silverstein (schrieben beide «Für immer Liebe») und Dana Fox («Love Vegas») nimmt es mit dem Singlesein als titelgebendes Thema ganz genau und beendet Szenen, bevor sich romantisches Feeling aufbauen kann. Das hält «How To Be Single» lange durch, lediglich auf der Zielgeraden leisten sich die Macher kleine Patzer, wenn sie vereinzelte Happy Ends bis zum emotionalen Anschlag ausreizen. Das ist zu verschmerzen, weil sie jenen Schlusssequenzen gegenüber stellen, die sich eben nicht mit der bequemsten Lösung zufrieden geben. Doch für ein rundum gelungenes Filmerlebnis schwankt «How To Be Single» hier und da zu unausgegoren zwischen „so ist es wirklich“ und „so ist es nur im Film“.
Woran viele Komödien der aktuellen Dekade kranken, ist die Konzentration auf allzu viel Fäkalhumor. Im Vergleich zu den Werken der Seth-Rogen-Gang und Konsorten ist «How To Be Single» ein bei aller thematischen Aktualität sehr angenehmer Vertreter seines Genres, der auf eine allzu kreuzbrave Attitüde verzichtet und in seiner Ausführung viel lieber frech-augenzwinkernd daherkommt. Zwar leistet sich gerade Rebel Wilsons Robin hier und da einen derben Spruch, doch Provokation um der Provokation wegen sieht anders aus. Stattdessen entwickeln sich die Gags aus Situationskomik, Interaktion unter den Figuren und kreativen Ideen im Set- und visuellen Design. Lediglich in der Zusammenstellung des Soundtracks meint es Christian Ditter ein wenig zu gut. «How To Be Single» lässt kaum eine Minute vergehen, ohne dass ein neuer x-beliebiger Radiopoptrack im Off zu hören ist. Auch das gehört ja heutzutage irgendwie dazu. Doch sich hier ein wenig in Zurückhaltung zu üben, hätte die Subtilität der simplen Aussage „Lass jeden leben, wie er will!“ noch bestärkt.

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