Der Fantasyhorrorfilm «Horns» basiert auf einem Roman von Stephen-King-Spross Joe Hill. Inszeniert hat das schaurige Stück der Horrorexperte Alexandre Aja und in der Hauptrolle des Teufels sehen wir Daniel Radcliffe. Was für eine obskure Mischung!
Seit sich Daniel Radcliffe mit der Beendigung der «Harry Potter»-Reihe endgültig von seinem Zaubererdasein losgesagt hat, scheint der britische Nachwuchsmime um jeden Preis Rollenangebote anzunehmen, die ihn von einer möglichst facettenreichen Seite zeigen. In «Die Frau in Schwarz» spielte er einen verwitweten Anwalt, für «The F-Word – Von wegen gute Freunde» wagte er sich auf das komplett entgegengesetzte Parkett der Romantic Comedy und in «Kill Your Darlings» gab er die jugendliche Version des melancholischen Dichters Allen Ginsberg zum Besten. Im Grunde ist der auch im Theater ab und an auftretende Schauspieler also wie gemacht für eine solch ambivalente Rolle des Ig in «Horns», dessen undurchsichtige Aura perfekt mit dem nicht weniger durchdringbaren Film verschmilzt. Die Story, die auf dem gleichnamigen Roman des Stephen-King-Sprosses Joe Hill basiert, gibt die Richtung zunächst klar vor. Da ist der Mord an der engelsgleichen Merrin, da ist der Verdächtige Ig und es steht die Frage im Raum, wer die junge Frau denn tatsächlich ermordet hat. In der ersten Hälfte reißt «Horns» Themen wie „Lynchjustiz“, „Vergeltung“ und „Vorurteile“ an, bemüht sich um eine mehrdimensionale Sichtweise des Geschehens und präsentiert Radcliffes Ig als unnahbaren Außenseiter, dem man die Tat zutraut, zeitgleich dann aber auch wieder nicht. Alexandre Aja bemüht sich sichtlich um eine genaue Betrachtung des menschlichen Seelenlebens, kommt jenem aber nie so nah, wie es seinem von ihm beaufsichtigter Kollege Franck Khalfoun etwa in «Maniac» gelang. Dafür schlägt «Horns» schon bald eine vollkommen andere Richtung ein, welche die Verwurzelung in der Realität in Gänze aufgibt, um für einen zwiespältigen Fantasy-Plot platzzumachen.
«Horns» ist ein ständiges Auf und Ab, was sich nicht nur im Fingerspitzengefühl innerhalb der Beichtszenen offenbart. Solange das Drehbuch den Fokus ob Igs sukzessiver Verwandlung verfolgt, gestaltet Aja seinen Film kurzweilig, spannend und streut genügend Hinweise darauf, welche Umstände mit den Ereignissen tatsächlich verbunden sind. Wann immer sich der Regisseur hingegen zu stark vom Hauptplot abwendet, wird es haarig; dann verliert Aja nicht nur die stringente Erzählweise aus den Augen, sondern verliert sich obendrein in einer teils haarsträubenden, technischen Ausführung. Insbesondere das Finale sticht mit seiner heroisch-märchenhaften Machart so negativ hervor, dass es nicht nur im scharfen Kontrast zur ansonsten so angenehm unverblümten Inszenierung abhebt, sondern anmutet, als stammen die mit Weichzeichner und schmalziger Stimmungsmusik ummantelten Szenen aus einem komplett anderen Film. Dass derlei Probleme nicht auf die gesamte handwerkliche Ausstattung zurückzuführen sind, beweisen andere Szenen; wenn Ig sich mithilfe einer Halluzination an einem der Mitverantwortlichen des Todesfalls rächt, beweist Aja einmal mehr, was für ein genaues Auge für bedrohliche Szenerien er hat.
Trotzdem ist «Horns» durchgehend ein Film, der Spaß macht. Das liegt zum einen an einer sehr dynamischen Erzählung, bei der sich selbst in den schwächeren Momenten nie ein Gefühl des Zähflusses einstellt, zum anderen aber auch an der sehenswerten Performance von Daniel Radcliffe, der immer mehr dem Wahnsinn verfällt und seiner unheimlichen Rolle durch die korrekten Moralvorstellungen komplexe Züge einverleibt. Das Handeln von Ig, sein Schicksal und die Aufklärung des Mordfalles bleiben durchgehend kompakt verpackt und geraten trotz der Zuhilfenahme von eingebauten Rückblenden nachvollziehbar. Jene Zeitsprünge verhelfen «Horns» noch einmal zusätzlich zu Substanz, denn durch die Blicke auf Igs Kindheit entfaltet sich sein Charakter um ein vielfaches intensiver, als würde man sich darauf beschränken, seine Figur lediglich anhand eines solchen Ausnahmezustands zu definieren. Gleichsam schaffen es nicht viele Darsteller, neben Radcliffes Performance zu bestehen. Juno Temple («Maleficent – Die dunkle Fee») steht mit ihrer einseitigen Darbietung des schönen Objekts der Begierde stellvertretend dafür, dass lediglich Radcliffes Charakter mehrere Facetten zustehen. Alle anderen wurden allenfalls mit der Schablone skizziert.

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