An Netflix kommt man nicht mehr vorbei: Mit «Bloodline» wirft der Streaming-Dienst eine neue spannende Serie auf den Markt, die sich der brüchigen Familienidylle der Rayburns widmet.
Diese beiden Figuren stehen vorerst im Zentrum der Handlung. Auf der einen Seite Danny, das schwarze Schaf der Familie, gespielt von Ben Mendelsohn, unter anderem bekannt aus Filmen wie «The Place Beyond the Pines» oder «The Dark Knight Rises». Der Zuschauer bemerkt sofort, dass Danny von dunklen Geheimnissen und krummen Geschäften umgeben ist. Welche Ziele verfolgt dieser Mensch, irgendwo zwischen den zwielichtigen Machenschaften, dem Einfluss der Familie und dem Versprechen, sämtliche Schulden zurückzubezahlen? Und was hat es mit den wirren Wahnvorstellungen auf sich, unter denen Danny offenbar leidet? Auf der anderen Seite steht John Rayburn, der auch das Voice-Over der Serie übernimmt. Hinter der Fassade als glücklicher Familienvater scheint es mächtig zu brodeln. Kyle Chandler, der unter anderem bei der Emmy-gekrönten Serie «Friday Night Lights» oder in den Filmen «Super 8» und «The Wolf of Wall Street» mit von der Partie war, spielt diese zwiegespaltene Rolle überzeugend. Die Geschwister werden komplettiert von Meg (Linda Cardellini), einer erfolgreichen Anwältin, und Kevin (Norbert Leo Butz), die ebenfalls die ein oder andere Leiche im Keller verstecken. Über der Familie stehen die gutmütige Mutter Sally Rayburn (Sissy Spacek) und der scheinbar kühle Vater Robert (Sam Shepard).
Ungewöhnlich waren dabei die Umstände der Produktion. In der Regel bestellt ein Sender zuerst einen Piloten und entscheidet dann, ob er weiter produziert werden soll. Netflix verfährt laut Programmchef Ted Sarandos jedoch anders: Ganz oder gar nicht. «Bloodline» scheint die Verantwortlichen sofort überzeugt zu haben, da unmittelbar eine vollständige Staffel bestellt wurde. Die Autoren haben sich redlich Mühe gegeben, in der Story möglichst viele Fragen offen zu lassen, um die Zuschauer an den Bildschirmen zu fesseln. Hierfür verantwortlich sind die beiden Brüder Todd und Glenn Kessler sowie Daniel Zelman, die unter anderem gemeinsam die preisgekrönte Anwaltsserie «Damages» produzierten. Insbesondere Todd Kessler konnte sich mit der Mitarbeit an «The Sopranos» einen Namen machen.
Mit «Bloodline» hat Netflix einen stimmigen Thriller auf den Markt geworfen, der bereits in der ersten Folge mit einer ruhigen Spannung überzeugen kann. Die Voice-Overs und Vorblenden schaffen Momente der Klarheit, die gleichzeitig etliche neue Fragen aufwerfen. Mit einem Cast, der sich durchaus sehen lassen kann, schaffen die Produzenten Todd und Glenn Kessler sowie Daniel Zelman einen dramatischen Thriller, der das Bild einer vermeintlichen Vorzeige-Familie systematisch zerstört. Allein das abschließende Voice-Over von John Rayburn in der ersten Folge lädt zum Weitersehen ein: „Ich werde euch alles erzählen. Das ist nicht sehr angenehm, aber es ist die Wahrheit. Was wir unserem Bruder angetan haben, mussten wir tun. Bitte verurteilt uns nicht. Wir sind keine schlechten Menschen, aber wir haben etwas Schlimmes getan“.


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