In Scott Franks Romanverfilmung «Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones» ist Liam Neeson einmal mehr in der Hauptrolle eines knallharten Thrillers zu sehen. Dem Charaktermimen steht die bleihaltige One-Man-Show gut zu Gesicht. Doch der Streifen ist kein konventioneller Actionthriller.
Ob als griechischer Gott Zeus in «Zorn der Titanen», hassgetriebener Geheimagent in der «96 Hours»-Reihe oder zuletzt als abgewrackter Air Marshal im explosiven Flugzeugthriller «Non-Stop»: Oscar-Gewinner Liam Neeson scheint nach seiner Zeit als Charaktermime eine zweite Karriere als Actionheld begonnen zu haben. Dass ihm diese Rolle gut bekommt, steht angesichts berauschender Besucherzahlen außer Frage. Neeson begeistert Massen an Zuschauern wie es auch Denzel Washington oder Bruce Willis in den Rollen diverser One-Man-Weltenretter getan haben. Wie es schon das simple und doch kraftvolle Plakat zu «Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones» andeutet, steht Liam Neeson auch in dieser Romanverfilmung im Mittelpunkt eines bleihaltigen Infernos. Doch anders als er es zuletzt unter Beweis stellte, verlässt sich die Formung seiner neuesten Heldenfigur nicht bloß auf eine ausgeprägte Physis. Scott Frank, der für seinen Film eines der vielen Abenteuer von Lawrence Blocks Serienhelden Matthew Scudder adaptiert, kreiert an dieser Stelle kein weiteres Actionheldenfranchise. Dazu würde die schon zu Beginn von «Ruhet in Frieden» angedeutete Hintergrundgeschichte von Detective Scudder wohl auch nur dann einladen, wenn man aus dem lizenzlosen Privatermittler einen richtigen Superhelden der Marke «Batman» formen wollen würde. Doch nichts dergleichen geschieht.
Vollständig humorreduziert legt der Regisseur und Autor das Hauptaugenmerk weniger auf die Gestaltung eines Sympathieträgers. Stattdessen konstruiert er auf Basis der Buchvorlage einen Fall, der nicht umsonst mit einer gewissen gesellschaftspolitischen Brisanz daherkommt. Was zunächst fast wie ein stereotyp gezeichneter Entführungsthriller anmutet, gewinnt mit fortschreitender Laufzeit immer mehr an Tiefe und Durchschlagkraft. Auch deshalb, weil der Verfasser des Drehbuchs viel Wert darauf legt, das Milieu und all jene Umstände zu beleuchten, welche die Antagonisten – in diesem Fall also die Kidnapper – zu dem gemacht haben, was sie heute sind. Dabei trifft Frank keine moralisch allgemeingültige Aussage über die Entstehung des Bösen. Vielmehr gelingt es ihm in seiner langsamen Erzählweise, das Szenario aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und daraus zusätzliche Spannung zu generieren. Eine Szene, in der ein junges Mädchen die Aufmerksamkeit ihrer potenziellen Entführer auf sich zieht, wird nicht umsonst so von einem Balladen-Evergreen untermalt, als stamme diese Szene direkt aus einer Hollywoodromanze. Das sind durchaus kontroverse Mittel, um die Sichtweisen der nihilistischen Triebtäter zu unterstreichen. Doch nur so schafft es «Ruhet in Frieden», die Dramatik der Story so zu gestalten, dass der Streifen nicht zu einem weiteren, x-beliebigen Thriller wird.
Diesen Status des realistischen, harten Suspensestückes, das seine Unterhaltungsqualitäten nicht aus gängigen Blockbuster-Versatzstücken sondern einer durchgehend äußerst bedrohlichen Atmosphäre zieht, untermauert auch die technische Gestaltung. Als Kulisse dient nicht etwa die bekannte Hochglanzfassade der Weltmetropole New York City. Stattdessen wählte Regisseur Scott Frank Orte der US-amerikanischen Stadt aus, die nicht einmal mehr genaue Rückschlüsse auf den Drehort schließen lassen. Kameramann Mihai Malaimare Jr. («The Master») fängt so unbeteiligt und minimalistisch wie möglich all jene Orte ein, die man so in der Form wohl nur ungern allein aufsuchen möchte. Schmutzige Hinterhöfe und verwinkelte Gassen, die in einen kontrastarmen, farbreduzierten Look daherkommen, unterstreichen die Desillusionierung der Hauptfiguren. Zu denen gehört neben Liam Neeson insbesondere der heranwachsende Jungschauspieler Brian Bradley («Leben und Sterben in L.A.»), dessen Figur eines orientierungslosen Straßenjungen so ziemlich das einzige Zugeständnis an die gängigen Sehgewohnheiten des Publikums ist. Dank Bradleys Kodderschnauze fügt sich der Schauspielnachwuchs angenehm in das Gesamtbild, auch wenn es den Charakter per se nicht gebraucht hätte.

• 96 Hours • A Walk Among the Tombstones • Batman • Die Regeln der Gewalt • Gangster Squad • Leben und Sterben in L.A. • Marley und ich • Non-Stop • Ruhet in Frieden • The Equalizer • The Master • Weg des Kriegers • Wolverine • Wolverine – Weg des Kriegers • Z • Zorn der Titanen
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)