Die Kino-Kritiker

«300: Rise of an Empire»

von

Weiß das blutige Comic-Gemetzel vor historischem Hintergrund in Runde Zwei noch genauso zu beeindrucken?

Filmfacts «300: Rise of an Empire»

  • Kinostart: 6. März
  • Genre: Action
  • Laufzeit: 102 Min.
  • FSK: 18
  • Regie: Noam Murro
  • Drehbuch: Zack Snyder, Kurt Johnstad
  • Darsteller: Sullivan Stapleton, Eva Green, Hans Matheson, Rodrigo Santoro, David Wenham, Lena Headey
  • OT: 300: Rise of an Empire (USA 2014)
Fortsetzungen zu Filmen, die auf Graphic Novels von Comic-Legende Frank Miller beruhen, scheinen nur schwer in Gang zu kommen. So mussten die Fans von Robert Rodriguez’ kongenialer «Sin City»-Adaption geschlagene neun Jahre warten, bis im August dieses Jahres (bzw. im September für deutsche Kinozuschauer) mit «Sin City: A Dame To Kill For» endlich ein Sequel des Streifens ins Haus steht. Und auch eine Weiterführung von Zack Snyders atemberaubender «300»-Verfilmung erwies sich als schwere Geburt. Nachdem Snyder («Watchmen») mit «300» nach seinem «Dawn of the Dead»-Remake endgültig der große Durchbruch gelungen war und er damit zugleich auch seinen Ruf als Meister des hochstilisierten Action-Kinos begründete, bestärkte der Erfolg des Films aus dem Jahr 2007 Frank Miller wiederum darin, mit «Xerxes», seiner Fortsetzung des Stoffes in Comic-Form, voranzuschreiten, an der Snyder sogleich auch sein filmisches Interesse bekundete.

Nun, rund sieben Jahre später, ist «Xerxes» noch immer nicht veröffentlicht worden. Dennoch sind die Arbeiten an der zugehörigen Film-Version langsam, aber sicher vorangeschritten, sodass diese unter dem Titel «300: Rise of an Empire» jetzt sogar vor der Graphic Novel erscheint, die ihr eigentlich zu Grunde liegt. Zack Snyder ist dabei jedoch nicht mehr als Regisseur an Bord, hatte und hat er doch mit seiner Superman-Neu-Interpretation in «Man of Steel» und dem kommenden Blockbuster «Batman vs. Superman» alle Hände voll zu tun. Dennoch blieb er «300: Rise of an Empire» als Autor und Produzent erhalten. Der im Kinobereich noch recht unerfahrene neue Regisseur Noam Murro («Smart People») hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, Snyders visionäre Herangehensweise an das von historischen Ereignissen inspirierte blutige Schlachtengetümmel zu imitieren. Obwohl ihm dies über weite Strecken durchaus gut gelingt, macht «300: Rise of an Empire» letztlich doch einiges schlechter als sein Vorgänger.

Während sich der spartanische König Leonidas mit seinen 300 Kriegern bei den Thermopylen hartnäckig gegen die zahlenmäßig weit überlegene Streitmacht des Perserkönigs Xerxes (Rodrigo Santoro, «Tatsächlich… Liebe») zur Wehr setzt, tobt der Krieg zwischen Griechenland und dem Persischen Reich auch an anderen Fronten. Als bekannt wird, dass die Perser eine riesige Seeflotte unter der Führung der erbarmungslosen Artemisia (Eva Green, «Casino Royale») entsandt haben, macht sich der kampferprobte Feldherr Themistokles (Sullivan Stapleton, «Der Fluch von Darkness Falls») auf, um mit seiner Armee die griechische Küste zu verteidigen. Angestachelt von ihrem Verlangen nach Rache an den Griechen und Themistokles im Speziellen, der einst ihren geliebten König Dareios (Yigal Naor), Xerxes’ Vater, getötet hat, scheint Artemisia jedoch schon bald die Oberhand zu gewinnen. Themistokles wird klar, dass er auf die Hilfe der verbitterten spartanischen Königin Gorgo (Lena Headey, «Game of Thrones») angewiesen ist, da er nur mit der vereinten Kraft der griechischen Stadtstaaten die drohende Vernichtung seines Landes abwenden kann.

Nach dem langen Hin und Her bei der Realisierung eines weiteren Filmes im recht frei um historische Fakten kreisenden Comic-Universum von Frank Millers Graphic Novel «300», ist aus dem Endprodukt «300: Rise of an Empire» nun keine klassische Fortsetzung von Zack Snyders Adaption aus dem Jahr 2007 geworden. Zusammengehalten durch die Erzählung von Leonidas’ Frau Gorgo, widmet sich das actionreiche Kriegsgemetzel zunächst der Schlacht von Marathon im Jahr 490 v. Chr., um dann die zehn Jahre später und in etwa gleichzeitig zu den Geschehnissen von «300» stattfindende Schlacht bei Artemision und schließlich die sich wenig später daran anschließende Seeschlacht von Salamis zu zeigen.

Mit diesem interessanten Ansatz wird «300: Rise of an Empire» als Prequel, parallel erzählte Handlung und Fortsetzung in einem durchaus gekonnt mit dem Vorgänger verknüpft, auch wenn es sehr bedauerlich ist, dass Gerard Butler («Olympus Has Fallen»), abgesehen von kurz eingestreuten Schnipseln aus «300», nicht einmal für einen kleinen Gastauftritt mit von der Partie ist. Sein Fehlen führt auch direkt zu einer der größten Schwächen von «300: Rise of an Empire»: dem neuen Hauptdarsteller. So ist der bislang international weitgehend unbekannte Sullivan Stapleton ein mehr als dürftiger Ersatz für Gerard Butler. Als Themistokles bleibt der Australier äußerst blass und kann nicht einmal annähernd die Präsenz und den Charme versprühen, mit denen Butler seinen Leonidas einst einnehmend zum Leben erweckt hat.

Zum Teil mag dies aber auch dem generellen Ton des Films geschuldet zu sein, der sich trotz vieler Gemeinsamkeiten in einigen Punkten doch maßgeblich von dem des Vorgängers unterscheidet. Die fast schon trashige und überaus unterhaltsame Leichtigkeit, die «300» in seinen maßlos überspitzten Dialogen und einprägsamen One-Linern der Marke «This Is Sparta!» innewohnte, bleibt bei «Rise of an Empire» leider auf der Strecke. Auch Themistokles setzt auf martialische Kampfesreden, doch kommen diese wesentlich einfallsloser, verbissener und ernster daher und lassen dabei das Fünkchen Selbstironie, das in dem übertrieben testosteron-getränkten Gebaren von Leonidas und seinen kriegslüsternen Spartanern oftmals dezent mitschwang, vermissen. Dies ist hier auch der in «300» noch gut eingefangenen Gruppendynamik zwischen den agierenden Kriegern nicht allzu dienlich. «Rise of an Empire» kann das Gemeinschaftsgefühl weit weniger eindringlich vermitteln, wofür auch die abseits von Hauptdarsteller Stapleton weitestgehend farblos bleibenden Schauspieler der griechischen Soldaten die Verantwortung tragen. Etwas anders sieht es da schon auf persischer Seite aus, kann jene doch mit der talentierten Eva Green aufwarten, die sichtlich Spaß an ihrer diabolischen Rolle hat und diese mit boshafter Spielfreude ausfüllt.

Vor allem aber auf der visuellen Seite weiß auch der mit seinen teilweise imposanten CGI-Sets insgesamt etwas größer wirkende «300: Rise of an Empire» seine Vorzüge auszuspielen, orientiert sich der eigenwillige Look des Films erwartungsgemäß sehr stark am ersten «300». Doch obwohl dieser nun mit durchaus sehenswerten 3D-Effekten ausstaffiert und die Brutalität dabei sogar noch einmal konsequent ein Stück angezogen wird, hat auch hier Zack Snyders Vorgänger schließlich die Nase vorn. Gerade auch aufgrund jener visuellen Nachahmung, geht der ohnehin nicht mehr neuartigen Optik das originäre Moment völlig verloren. Wirklich beeindruckende frische Ideen und ähnlich meisterhaft komponierte, direkt einem Comic-Panel entsprungene Bilder abseits des bloßen Kriegsgetümmels sucht man größtenteils vergeblich.

«300» verwies mit einer noch künstlicher anmutenden Aufmachung gekonnter und deutlicher auf seine Comic-Herkunft, was einen wesentlichen Teil des Reizes und Sehvergnügens ausmachte. Dazu trugen auch die immer wieder eingestreuten Fantasy-Elemente ihren Teil bei, die sich erstaunlich homogen in das entworfene Szenario einfügten und dessen surrealen Charakter noch einmal unterstrichen. Noam Murros Action-Spektakel wirft auch diese Komponente nun fast vollständig über Bord und hat dadurch nur noch mehr mit einem Mangel an Abwechslungsreichtum zu kämpfen. Auch die Chance, dem Ganzen zumindest am Ende noch einen wirklich glorreichen Abschluss zu verschaffen, verpasst Murro. Dass wie schon «300» auch «Rise of an Empire» inmitten des Kriegsgetümmels einfach endet, grenzt diesmal schon an Frechheit. Während im Vorgänger die eigentliche Haupthandlung der im Fokus stehenden 300 Spartaner immerhin abgeschlossen war und die Erzählung im Vorfeld der schließlich nur noch angedeuteten neuen Schlacht als Rahmen gut funktionierte, ist das Ende bei «Rise of an Empire», ohne zu viel zu verraten, noch in den laufenden und zum eigentlichen Plot gehörenden Kampfhandlungen gesetzt und damit mehr als ärgerlich.

«300: Rise of an Empire» bietet mehr vom Gleichen, ohne allerdings dieselbe Durchschlagskraft des visuell revolutionären «300» zu haben, der obendrein allein schon über das interessantere Ausgangsszenario verfügte. Mit fast durchweg ernstem Ton, dem nahezu gänzlichen Verzicht auf verspielte Fantasy-Elemente und einer weitestgehend blassen Darstellerriege geht der Charme des Vorgängers größtenteils verloren. Die Schlachtpalette bietet zwar ebenfalls sehr sehenswerte, da eindrucksvoll choreografierte, spektakulär inszenierte und erfreulich kompromisslose Actionszenen, bei denen auch Fans des ersten Teils auf ihre Kosten kommen dürften. Doch der geringe Abwechslungsreichtum und die Ideenlosigkeit angesichts des naturgemäß nicht mehr vorhandenen Neuheitswerts sorgen bisweilen für Ermüdung. Eine erneute Heimkinosichtung von Zack Snyders «300» ist demnach zweifellos die bessere Alternative zu einer Sichtung von Noam Murros «300: Rise of an Empire» auf der großen Leinwand.

«300: Rise of an Empire» ist ab dem 6. März in den deutschen Kinos zu sehen.

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