Wie schlägt sich das neue Ermittlerduo Christian Ulmen und Nora Tschirner in seinem ersten Fall? Können sie mit Ironie und Witz tatsächlich eine Verjüngung herbeiführen, ohne alte «Tatort»-Fans zu verschrecken?
„Es ist ein «Tatort»! Keine Parodie“, warnte Nora Tschirner jüngst noch bei «TV Total» vor. Damit hatte sie zwar recht, denn tatsächlich gibt es einen Mordfall, Zeugenvernehmungen, Verfolgungsjagden und ständig wechselnde Verdächtigungen, doch es sind gerade nicht diese Elemente, die den Reiz der Folge ausmachen. Wer letztlich der Mörder oder die Mörderin der Wurstkönigin und aus welchem Grund ist, bleibt zweitrangig. Obwohl sich die Autoren durch zahlreiche Wendungen und Sackgassen nicht ungeschickt bemühen, Spannung aufzubauen, wirkt die eigentliche Krimihandlung nur als notwendiges Beiwerk, denn der wahre Unterhaltungswert basiert auf der Wirkung der neuen Ermittler Christian Ulmen und Nora Tschirner.
Kommissar Lessing - Ulmens Figur – wird zunächst als äußerst tough, professionell, geradlinig und unlustig eingeführt, wodurch anfangs Nora Tschirner als Kira Dorn das Geschehen dominiert und fast ausschließlich für die schlagfertigen Sprüche zuständig ist. Ihre freche Schnauze wirkt dabei allerdings nie nervig oder übertrieben und macht schlichtweg nur Spaß. Erst langsam taut Lessing in seinem neuen Umfeld auf und offenbart sein witziges Potential, erinnert jedoch niemals zu sehr an frühere Ulmen-Charaktere wie etwa aus «Dr. Psycho». Ebenso lobenswert ist es, dass die Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger merklich versucht haben, gängige Krimi-Klischees zu vermeiden. Auch wenn das nicht immer gelingt – es sollte schließlich ein «Tatort» bleiben – ist es vor allem erfrischend, dass auf Streitigkeiten mit Vorgesetzten und Staatsanwälten vollständig verzichtet wurde. Im Gegenteil, der obligatorische Chef Kriminalhauptkommissar Stich vertraut ebenfalls blind auf das Team Lessing/Dorn und lässt ihnen erfrischend viel Raum.
«Die fette Hoppe» ist damit nicht nur unterhaltsam, sondern zugleich kurzweilig und dürfte vor allem denjenigen Menschen gefallen, denen die bisherigen Episoden zu ernst und behäbig waren. Insofern geht die Rechnung der angestrebten Verjüngung vollends auf. Doch auch angestammte «Tatort»-Fans dürfte das Ergebnis nicht allzu sehr vor den Kopf stoßen, denn den Autoren gelingt es durchweg, ein angemessenes Maß an Ironie und Komik beizubehalten, sodass kein Klamauk entsteht. Am Ende des ersten Einsatzes von Tschirner und Ulmen wünscht man sich direkt eine baldige Fortsetzung. Glücklicherweise hat der MDR bereits angekündigt, diese im kommenden Jahr umsetzen zu wollen.• Alles Klara • Angriff ist die beste Verteidigung • Circus Halligalli • Die fette Hoppe • Dr. Psycho • FC Venus • Got To Dance • Halbe Treppe • Halt auf halber Strecke • Heiter bis tödlich • Heiter bis tödlich: Alles Klara • Herr Lehmann • Keinohrhasen • Liebe und andere Turbu
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