Popcorn & Rollenwechsel

Geständnisse eines Anti-Autonarren

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Überall wird «Fast & Furious 6» gefeiert. Was ist bitte los in der Filmwelt?!

Ich verstehe die Filmwelt nicht mehr. 2007 konnte ich noch wie selbstverständlich verkünden, dass mich die «Fast and Furious»-Filmreihe einen feuchten Kehricht interessiert. Nun schreiben wir das Jahr 2013 und «Fast & Furious 6» erhält stabile 72 Prozent bei Rottentomatoes, satte 7,8 Punkte bei IMDb, Kollegen erzählen von Pressevorführungen, in denen vor Vergnügen (nicht vor Qualen!) gegröhlt wird und zum Start nimmt der Streifen weltweit 275,5 Millionen Dollar ein. Das ist mehr als die ersten drei Filme jeweils während ihrer gesamten Kinoauswertung generierten! Völlig von der Rolle war ich allerdings, als Justin Lin, Regisseur des dritten bis sechsten Teils dieses Franchises, in einem Interview davon schwärmt, mit welcher Mühe und Ambition er eine Mythologie geschaffen hat.

Nun, würden wir noch das Jahr 2007 schreiben, wäre ich mir sicher, dass Lin dafür ausgelacht wird. Doch wir sind im Jahre 2013 angelangt. Das «Fast & Furious»-Universum wird als das aufregendste aller Filmuniversen beschrieben. Kritiken stimmen frohgemut ein, dass «Fast & Furious 6» den Mythos der Filmreihe fortführt, das Universum erweitert und nebenher auch persifliert. Und so hat sich die Zeit geändert: Einst war ich ein Teil der Mehrheit, wenn ich mit der «Fast & Furious»-Filmreihe nichts anfangen konnte. Nun fühle ich mich so, als wäre ich Teil einer ignoranten Minderheit, die ihre Meinung nur in Form einer selbstkritischen Beichte abgeben sollte. Was zum Kolbenfresser ist bitte geschehen?

Es ist wirklich erschreckend, wie ahnungslos und blind ich mir mittlerweile vorkomme, weil ich verzweifelt in die Welt hinein stammle: „Diese Filme sind … doof. Nichtmal unterhaltsam doof, einfach nur doof.“ Kaum sind diese zwei Sätze gesagt, heißt es direkt: „Ach, komm, du erwartest von Actionfilmen also hoch komplexe Plots und hyperrealistische Action? Hallo, du magst «The Avengers»!“ Und schon muss ich mich verteidigen: Nein, mein Problem ist nicht, dass die Stunts in der «Fast & Furious»-Reihe ohne Filmmagie nicht nachgestellt werden können. Und dass ich nach den Filmen keine neue Gedanken zur Lage der Weltpolitik habe, ist auch in Ordnung. Aber die Streifen dieser Autoaction-Reihe ergeben auch für sich betrachtet keinen Sinn. Sie verfolgen keine innere Plausibilität, was physikalisch machbar ist. Die Figuren sind flach, austauschbar, haben keine Seele. Es geht nur um die Schauwerte, jedoch nicht auf die überdrehte, ultrahochkonzentrierte und saukomische Weise eines «Transporter 2» oder «Crank», sondern auf die seelenlose, spannungsarme „und nun fliegen Dinge durch die Gegend“-Art eines «Stirb langsam 5» oder «Transformers 3».

Nur werden es immer weniger Kinogänger, die das genauso sehen. Irgendwann wurde «Fast & Furious» vom unbedeutenden Action-Franchise zum Not-So-Guilty Pleasure. Und ich muss in der Sekunde geschlafen haben. Meinetwegen. Genießt die offenbar ausgetüftelte Mythologie dieser Filmreihe über autogestützte Raubzüge und illegale Straßenrennen. Ich bleibe bei Sternenkriegen, Superhelden und fluchgeplagten Piraten. So arm an Mythologie deren Filme auch sein mögen ...

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