Fernsehfriedhof

Der Fernsehfriedhof: «Bravo TV» für Arme

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Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 225: Das gnadenlos gefloppte Vorabendmagazin von RTL II.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir eines der kurzlebigsten TV-Formate der deutschen Geschichte.

«Afterwork TV» wurde am 31. März 2003 bei RTL II geboren und entstand zu einer Zeit, als der Vorabend des Senders durch endlose Wiederholungen der Sitcom «King Of Queens» stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Für eine Rettung sollte nach zweijähriger Pause nicht nur der Relaunch von «Big Brother» als „Battle-Version“, sondern auch ein neues Vorabendmagazin sorgen. Weil dieses ebenfalls aus dem Hause Endemol stammte, hoffte man in ihm die perfekte Ergänzung zur Real-Life-Show gefunden zu haben. Nicht umsonst erinnerte sein Logo in Form und Farbe an das neue «Big Brother»-Zeichen, sodass beide Produktionen sowohl vom Ablauf, als auch optisch eine Einheit bildeten. Endemol-Chef Borris Brandt beschrieb das neue Line-Up damals als den „attraktivsten Abend im deutschen Fernsehen für die jungen Zuschauer“.

Inhaltlich versuchte man in der Sendung alle gängigen Themen von Szene, Entertainment, Dating, Service über Musik, Film, Technik, Sport bis zu Lifestyle und Fun unterzubringen. So gab es in den einstündigen Ausgaben neben Promi-News, Style-Beratungen, Konzertberichten, Reiseerlebnissen und einer Single-Börse auch noch Zuschaueraktionen und Studiogäste wie Yvonne Catterfeld, In-Grid oder Scooter. Anders gesagt, was RTL II als innovatives Infotainment-Format bewarb, war im Grunde eine tägliche Version von «Bravo TV» für eine etwas ältere Zielgruppe.

Konsequenterweise verpflichtete man dann mit Sebastian Höffner ein ehemaliges «Bravo TV»-Gesicht für die Moderation. Unterstützt wurde er vom KI.KA-Mann Mirko Klos und Radiomoderator Andreas Bursche. Zusammen sollte das Trio werktäglich zwischen 18.00 und 19.00 Uhr nicht nur weibliche Fans anlocken, sondern laut Pressetext mit „individuellem Temperament, Witz und Charme“ zeigen, dass „auch Jungs Lust auf Klatsch und Tratsch“ haben.

Gelungen ist ihnen diese Aufgabe trotz einer umfangreichen Werbekampagne nicht. Das Ergebnis wirkte chaotisch und durcheinander, das weiße Studio steril und die Moderatoren deplaziert. Verständlicherweise erreichte daher schon die Premiere mit einer Sehbeteiligung von 280.000 Zuschauern und einem Zielgruppenmarktanteil von 3,3 Prozent nur katastrophale Einschaltquoten. Als die Werte im Laufe der ersten Sendetage sogar noch weiter fielen und drohten dem neuen «Big Brother» zu schaden, zog der Sender nach nur einer Woche die Notbremse und setzte das Magazin endgültig ab. Seinen Platz nahmen erneute Wiederholungen von «King of Queens» ein.

«Afterwork TV» wurde am 04. April 2003 im Alter von fünf Folgen beerdigt. Die Show hinterließ den Moderator Sebastian Höffner, der nach dem Ende des Magazins zunächst die Bastelsendung «Fun Factory» übernahm und ab Juni 2006 die letzten Ausgaben des Infotainment-Formats «Bizz» präsentierte. Im Jahr 2009 erlebte er zudem ein kurzes Gastspiel als neues Gesicht der RTL-Frühmagazine. Zuletzt war er häufig als „Tech Checker“ bei «Galileo» zu sehen. Mirko Klos war später hingegen hauptsächlich mit Messe-Engagements beschäftigt, während Andreas Bursche ab dem Jahr 2004 erst durch die Reihe «TOGGO United - Die Fußballshow» bei SuperRTL führte, bevor er seine Haupttätigkeit dann wieder ins Radio verlagerte.

Möge die Show in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs widmet sich einer Reality-Reihe, welche die Wirklichkeit zeigte, wie sie wirklich war.

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