Fernsehfriedhof

Der Fernsehfriedhof: Wer hat die Sphinx geklaut?

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Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 221: Eine Gameshow für Kinder, die an den Erfolg des «Disney Clubs» anknüpfen wollte.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir der Fernsehversion eines bekannten Computerspiels.

«Jagd um die Welt - Schnappt Carmen Sandiego!» wurde am 05. Januar 1994 im Ersten geboren und entstand zu einer Zeit, als der Kanal mit dem «Disney Club» die Herzen von Millionen von jungen Zuschauern erfreute, weswegen sich die damit verbundene Kooperation mit dem Disney-Konzern als äußerst erfolgreich erwies. Was lag daher näher als mit dem Unternehmen eine weitere Zusammenarbeit fürs Kinderfernsehen einzugehen?

Diesmal erwarb man die Rechte des amerikanischen Formats «Where In The World Is Carmen Sandiego?», das auf dem dortigen nicht-kommerziellen Kanal PBS beheimatet war und vom verantwortlichen Mitteldeutschen Rundfunk 1:1 adaptiert wurde. Bei der Sendung, die wiederum auf einem beliebten Konsolenspiel basierte, handelte es sich um eine Gameshow, mit der jugendlichen Zuschauern geografisches Wissen spielerisch vermittelt werden sollte, denn in den einzelnen Runden galt es stets Fragen rund um Besonderheiten, Hauptstädte und Sehenswürdigkeiten fremder Länder zu lösen.

Eingebettet wurden die Aufgaben in die Ausbildung von Nachwuchsdetektiven der sogenannten „Top-Job-Detektei“, die wiederum Jagd nach der Meisterdiebin Carmen Sandiego machte. Dabei begann die Handlung stets damit, dass einer ihrer Handlanger eine bekannte Sehenswürdigkeit wie etwa die Sphinx oder den Eiffelturm gestohlen und in ein fremdes Land verschleppt hatte. Es galt nun für die drei Kandidaten, die meist zwischen 10 und 14 Jahre alt waren, nicht nur ihren Komplizen, sondern auch die Meisterdiebin selbst zu fangen. Erreicht werden konnte dies mithilfe verschiedener Hinweise, die mal aus abgehörten Telefongesprächen, mal von brüllenden Nachbarn oder aus geheimen Botschaften stammen konnten und in Multiple-Choice-Fragen mündeten.

Am Ende der ersten Runde schied der Kandidat mit den wenigsten Punkten aus, während die restlichen beiden in eines der erratenen Länder „reisten“, indem sie eine Art „Memory“ mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten spielten. Zuvor erhielten sie allerdings noch ein Briefing mit den wichtigsten Fakten zur betreffenden Nation. Der Mitspieler, der den Auftrag erfolgreich lösen konnte, zog nicht nur ins Finale ein, sondern fing gleichzeitig auch den Gehilfen von Carmen Sandiego. Um dann abschließend auch die Meisterdiebin zu erwischen, musste der verbliebene Kandidat eine Reihe von Staaten auf einer überdimensionalen Karte mithilfe von kleinen Laternen korrekt zuordnen. Gelang dies, war nicht nur Carmen gefasst, sondern auch eine Reise als Belohnung gewonnen. Gelang dies nicht, wurden das der Show zugrundeliegende Game mit zugehöriger Konsole und diverse Merchandise-Artikel als Trostpreise verschenkt.

Optisch erinnerte die Produktion stark an klassische Detektivfilme, denn sie fand in einer Büro-Deko statt und alle Mitwirkenden inklusive Moderator, Kandidaten und Statisten trugen Trenchcoats, Krawatten oder Agenten-Hüte, während eine A-cappella-Gruppe die komplette musikalische Untermalung übernahm. Carmen Sandiego und ihre Spießgesellen tauchten hingegen nur als mäßig animierte Zeichnungen im Studio auf. Neben einem klassischen Moderator führte auch die weibliche Agenturchefin durch die Sendung, mit der das Team aber nur durch einen Bildschirm verbunden war. Sie wurde in der deutschen Version von Brigitte Böttrich dargestellt.

Die Ausbildung des Detektiv-Nachwuchses und damit die Rolle des eigentlichen Moderators übernahm mit Stefan Pinnow konsequenterweise eines der drei Gesichter aus dem «Disney Club», wodurch man sich offenbar einen ähnlichen Zuspruch erhoffte. Mit einem Sendeplatz um 16.00 Uhr war dann sogar die Anfangszeit beider Programme gleich. Am Ende konnte die werktägliche Jagd nach Carmen Sandiego jedoch nicht mit den Disney-Cartoons am Wochenende mithalten und erreichte selbst bei den jungen Zuschauern oft nur Marktanteile um fünf Prozent. Während die Vorlage in den USA mit knapp 300 Episoden zu einer der 50 beliebtesten Gameshows aller Zeiten wurde und zwei Nachfolgeformate, eine Zeichentrickserie sowie weitere Ableger in Spanien und Kanada erhielt, verschwand die deutsche Version nach wenigen Monaten wieder vom Schirm.

«Jagd um die Welt - Schnappt Carmen Sandiego!» wurde am 24. April 1994 beerdigt und erreichte ein Alter von 39 Folgen. Die Show hinterließ den Moderator Stefan Pinnow, der noch bis Ende 1995 durch den «Disney Club» und anschließend auch durch dessen Nachfolger «Tigerenten Club» führte. Von 2001 bis 2002 war er zudem das Gesicht des ProSieben-Magazins «taff». Seit 2006 präsentiert er im WDR das Magazin «daheim & unterwegs».

Möge die Show in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann den eigenproduzierten Spielfilmen von RTL II.

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