Am 06. Juni 2011 wurde das ZDF 50 Jahre alt. Zwar startete das „Zweite Deutsche Fernsehen“ erst im April 1963 seinen Regelbetrieb, doch am Stichtag vor genau fünfzig Jahren wurde der Staatsvertrag über „eine gemeinnützige Anstalt des öffentlichen Rechts mit dem Namen: Zweites Deutsches Fernsehen“ unterschrieben, der am 1. Januar folgenden Jahres in Kraft trat. Der Vertrag regelte die Aufschaltung dieses im Gegensatz zu den ARD-Sendern zentral organisierten zwölften Rundfunkprogramms; als Sitz des ZDF wurde Mainz auserkoren.
Nicht ohne Grund sahen die Länder, denen bis heute die grundgesetzliche Kulturhoheit zugesprochen wird, im Alleingang Adenauers sowie dessen dubioser Einflussnahme auf das Fernsehgeschäft die Meinungs- und Pressefreiheit in Gefahr: Die SPD-geführten Bundesländer klagten vor dem Verfassungsgericht gegen das später so bezeichnete „Adenauer-Fernsehen“ und bekamen Recht. Gustav Heinemann, damaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und später dritter Präsident der Republik, sagte damals: "Die Deutsche Fernseh GmbH, dieses komische Gebilde, ein totales Instrument in der Hand des Kanzlers, verehrte Damen und Herren, das ist in der Sicht des Karlsruher Gerichtsurteils ein Staatsfunk, schlimmer als wir ihn im Dritten Reich hatten!"
Kanzler Adenauer gab sich nach der Rechtsentscheidung geschlagen: "Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss den Gesetzen entsprechend beachtet werden. Das Kabinett hat infolgedessen beschlossen, ebenfalls einstimmig, sich an keinen weiteren Fernsehangelegenheiten mehr zu beteiligen." Obwohl bereits Programm eingekauft und Mitarbeiter eingestellt waren, nahm das von Adenauer gewollte Zweite nie seinen Betrieb auf – letztlich scheiterte man an zu viel Staat und gleichzeitig zu eindeutigen ökonomischen Interessen. Daher beschlossen die Ministerpräsidenten nach dem 1. Rundfunk-Urteil zwar ein öffentlich-rechtlich organisiertes, aber eher staatsfernes und wirtschaftlich gebührenfinanziertes Programm: Die Idee des ZDF war geboren.
50 Jahre nach der initiativen Gründung muss das ZDF gegen einen anhaltenden Zuschauerschwund ankämpfen: Mit 12,2 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum holte man das schlechteste Ergebnis der vergangenen Jahre. Trotz des leichten Relevanzverlusts, der insbesondere bei den jüngeren Zuschauern zu erkennen ist, leistet das ZDF nicht nur durch das eigene Programm, sondern auch durch seine modernen Digitalsender wie ZDFneo einen wichtigen Beitrag zu qualitativ hochwertiger Unterhaltung und Information. Auch das umfangreiche Online-Angebot sowie die Ausstrahlung des ZDF in HD zeigen, dass der Sender sich nie vor technischen Entwicklungen verschlossen hat – und dies auch weiterhin nicht tut. Noch heute lebt im Programm die Grundidee des ZDF weiter, die einige Ministerpräsidenten vor 50 Jahren dazu bewogen hatte, dieses Programm zu gründen: ein Programm für unabhängige Berichterstattung und Presse- sowie Meinungsfreiheit. Die Gründung des ZDF ist somit bestes Beispiel für den Siegeszug der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland.• ZDF
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