Kino-Check

Neu im Kino: Kalenderwoche 46

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Harry Potter, ein charmanter Samenspender, der Nahostkonflikt und ein japanisches Familiendrama. Quotenmeter.de stellt die wichtigsten Kinoneustarts der Woche vor.

«Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1»


Der erste Teil des Finales startet am Donnerstag in den deutschen Kinos. Quotenmeter.de-Kinoredakteur Markus Trutt hat den Film schon vorab gesehen. Hier geht es zu seiner ausführlichen Kritik.

OT: «Harry Potter and the Deathly Hallows - Part 1» von David Yates; mit Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Ralph Fiennes und Helena Bonham Carter.



«The Kids Are All Right»


Zahlreiche kleinere amerikanische Filme können oft selbst durch hervorragende Kritiken und eine recht prominente Besetzung nicht vor einem mehrere Monate verspäteten deutschen Kinostart bewahrt werden. So auch im Fall der Indie-Tragikomödie «The Kids Are All Right», die bereits im Januar dieses Jahres auf dem renommierten Sundance Film Festival in Utah uraufgeführt wurde. Dabei machte die Produktion hierzulande sogar schon im Februar auf der Berlinale auf sich aufmerksam, bei der sie außer Konkurrenz lief und mit dem Teddy Award, einem Preis für Filme mit homosexuellem Hintergrund, ausgezeichnet wurde. Erzählt wird die Geschichte eines lesbischen Paares (Julianne Moore, Annette Bening), das seit vielen Jahren glücklich verheiratet ist und zwei, aus künstlicher Befruchtung hervorgegangene Kinder (Mia Wasikowska, Josh Hutcherson) großgezogen hat. Inzwischen im Teenageralter möchten die beiden aber plötzlich in Erfahrung bringen, von wem denn eigentlich die Samenspende stammte, der sie ihr Dasein zu verdanken haben. Als sie in dem sympathischen Gärtner Paul (Mark Ruffalo) schließlich fündig werden, sind die Turbulenzen vorprogrammiert.

Schon während der Berlinale war das Lob für das neueste Werk von Lisa Cholodenko («Laurel Canyon») unheimlich groß. Mit ihrer leichtfüßigen Regie habe sie ein warmherziges, kluges und witziges Porträt einer modernen Familie geschaffen, das vor allem auch vom unglaublich unterhaltsamen Zusammenspiel seiner charmanten Besetzung profitiere. Demnach können die deutschen Kinozuschauer wohl froh sein, dass es «The Kids Are All Right» überhaupt noch in die hiesigen Lichtspielhäuser schafft, hätte man sonst allem Anschein nach auf ein Feel-Good-Movie der besonderen Art verzichten müssen.

OT: «The Kids Are All Right» von Lisa Cholodenko; mit Julianne Moore, Annette Bening, Mark Ruffalo, Mia Wasikowska und Josh Hutcherson.



«Miral»


Julian Schnabel ist unter den US-amerikanischen Regisseuren schon ein gewisser Sonderfall. Der 1951 geborene Sohn jüdischer Eltern fühlte sich bereits Ende der 60er Jahre zur Malerei hingezogen, der er sich in den folgenden Jahrzehnten mehr und mehr widmete. Heute gilt er unter anderem mit seinen zahlreichen auf unebenen und gebrochenen Glas- und Porzellanoberflächen gemalten Werken gar als einer der bedeutendsten Vertreter des Neoexpressionismus bzw. des New Image Paintings. In den 90er Jahren entdeckte er im Filmemachen schließlich eine zweite Leidenschaft und verband diese auch prompt mit seiner ersten. Schon sein starbesetztes Spielfilmdebüt «Basquiat» (1996) über den gleichnamigen, 1988 verstorbenen neoexpressionistischen Künstler stieß auf überwiegend wohlwollende Kritiken. Wie seinem Erstlingswerk lag auch seinen kommenden Produktionen stets biografisches Material zu Grunde. Nach dem gemächlich erzählten Biopic «Before Night Falls» (2000) feierte er seinen bislang größten internationalen Erfolg mit seinem erst sieben Jahre später folgenden dritten Spielfilm «Schmetterling und Taucherglocke». Schnabels Regie wurde unter anderem bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2007 sowie bei der Golden-Globe-Verleihung des darauffolgenden Jahres mit Preisen ausgezeichnet.

Die Erwartungen an seinen neuesten Ausflug in die Welt des Films sind dementsprechend recht hoch. Auch für «Miral» hat sich der exzentrische Maler und Regisseur einem biografischen Stoff angenommen. So basiert sein aktuelles Werk auf dem autobiografisch geprägten Roman «La strada dei fiori di Miral», den seine gegenwärtige Lebensgefährtin Rula Jebreal im Jahr 2004 verfasst und nun selbst zu einem Drehbuch verarbeitet hat. Darin erzählt die palästinensisch-italienische Journalistin und Schriftstellerin vom Leben der jungen Miral (Freida Pinto, «Slumdog Millionär»), die nach dem Selbstmord ihrer Mutter im Dar-Al-Tifl-Institut in Jerusalem landet. Die Einrichtung wurde im Jahr 1948, zur Zeit der Teilung Palästinas und der parallelen Gründung Israels, von der wohlhabenden Palästinenserin Hind Husseini (Hiam Abbass) gegründet, unter dessen Obhut Miral nun friedlich heranwächst und studiert. Als junge Erwachsene fühlt sie sich jedoch bald zu dem politischen Aktivisten Hani (Omar Metwally) hingezogen, der sie entgegen ihrer Erziehung mit dem teils aggressiv vorgehenden palästinensischen Widerstand in Kontakt bringt. Ob Julian Schnabel mit dieser Sicht auf den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen Israel und Palästina an die Klasse seines letzten Films anknüpfen kann, zeigt sich ab Donnerstag in den deutschen Kinos.

OT: «Miral» von Julian Schnabel; mit Freida Pinto, Hiam Abbass, Yasmine Al Massri, Alexander Siddig und Willem Dafoe.

«Still Walking»


«Still Walking» komplettiert das Bild der kulturell und geografisch sehr vielfältigen Kinostarts in dieser Woche. In seinem Heimatland lief der Film des preisgekrönten japanischen Regisseurs Hirokazu Koreeda («Nobody Knows») bereits vor über zwei Jahren in den Kinos. Nun, nachdem er bereits beim argentinischen Festival Internacional de Cine de Mar del Plata mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde, hat er es auch endlich nach Deutschland geschafft. Im Mittelpunkt seiner Handlung steht die Familie Yokoyama, deren inzwischen erwachsene Kinder ihren Eltern mit ihren jeweiligen Familien einen Besuch abstatten. Anlass ist der Todestag des seit mehreren Jahren verstorbenen dritten Kindes der Yokoyamas. Die eher unerfreuliche Begegnung fördert dabei die seit Jahren angespannten Verhältnisse innerhalb der Familie wieder zu Tage. Zu seinem Film motiviert wurde Regisseur Koreeda durch das nachträgliche Bedauern, seinen vor wenigen Jahren verstorbenen Eltern nicht genügend Zeit gewidmet zu haben. Sein Projekt nahm er demnach auch sehr persönlich und zeichnete daher neben Drehbuch und Regie außerdem noch für den Schnitt verantwortlich. Kritiker lobten an erster Stelle Koreedas Einfühlungsvermögen und die ungeheure Authentizität seines sehr ruhig erzählten Dramas. Ab dieser Woche zeigt sich nun, inwieweit er damit auch zu den deutschen Kinobesuchern durchdringen kann.

OT: «Aruitemo aruitemo» von Hirokazu Koreeda; mit Hiroshi Abe, Yui Natsukawa, You, Kazuya Takahashi und Shohei Tanaka.


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