Und so ging es zu später Stunde ins Kino, wo uns sofort ein unerwarteter Anblick überraschte: Verflixt voll, dafür dass es Werktag ist. Geschweige denn, dass jetzt «Toy Story 3» läuft. Doch unsere Augen trügten nicht: Der recht große Kinosaal füllte sich zu drei Vierteln mit aus Vorfreude sichtlich zitternden Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es war für mich als Liebhaber des Animationsfilms ein Bild für die Götter: Mitten in der Nacht sehen sich erwachsene Leute ohne die alten, ätzenden Vorteile für dieses Medium «Toy Story 3» an und sie lachen nicht nur über die zahlreichen Gags, sie fiebern auch hörbar mit den Figuren mit. Während des Abspanns träumte ich schon von einer besseren Kinowelt, in der Animationsfilme endlich ebenfalls Mitternachts-Previews erhalten, statt diese elendigen Sonntag-Morgen-Vorpremieren. Vor allem aber: Wenn der Film in der Spätschiene schon so gut läuft, dann muss er ja ein großer Erfolg in Deutschland werden. Oder?
Meine einzig verbleibende Vermutung: Der Starttermin. In Deutschland startete «Toy Story 3» parallel zu «Inception», der Garaus für die Spielzeugtrupe! Jetzt werden natürlich einige aufschreien: „Ja, klar, als wenn sich diese Filme um das gleiche Publikum streiten!“ Meine wagemutige Antwort darauf: „Durchaus.“ Dazu muss man lediglich für einen Moment das Vorurteil vergessen, dass Animationsfilme nur für Kinder seien. Das trifft generell nicht zu, und so langsam dringt es auch wieder ins Bewusstsein der Allgemeinheit ein. Wie auch die eingangs erzählte Geschichte über meinen «Toy Story 3»-Kinobesuch zeigt. Was dem Film fehlt um mit «Ice Age 3» und Konsorten zu konkurrieren (oder den internationalen Zahlen), sind nicht die Familien, sondern die älteren Kinogänger. Und die rannten vergangene Woche in «Inception». Die Zwickmühle, in der sich «Toy Story 3» und die Kinobesitzer jetzt befinden: Die Spätschienen für «Toy Story 3» werden mangels Erfolg langsam abgebaut, bis in wenigen Wochen erfahrungsgemäß nur noch die Mittagsvorführungen bleiben. Und welcher Erwachsene setzt sich freiwillig mit dem „Kindergarten Sonnenseite” in einen Animationsfilm? Noch dazu einem derart aufregenden wie «Toy Story 3»? Da platzen einem ja die Trommelfelle, während die Zahnfüllungen fröhlich schmelzen. Schwupps - schon fehlen die 500.000 jugendliche Pärchen, nostalgische Erwachsenen und groß gewordenen Gelegenheitskinogänger, die zur goldenen Leinwand geführt hätten, für die Filme mit drei Millionen Zuschauern prämiert werden.
Samstag Nacht hatte ich Lust erneut «Inception» zu gucken. Ich wollte einige meiner Theorien über den Thriller bestätigen. «Inception» lief um 22.45 Uhr ganz solide im größten Saal des Kinos. Der Saal nebenan war komplett ausverkauft. Was lief? Adam Sandlers «Kindsköpfe». Ein moderater Erfolg in den USA, in vielen anderen Ländern läuft die witzlose Komödie sehr schwach… und in Deutschland? Wenn das Startwochenende auf irgendeine Weise repräsentativ ist, wird «Kindsköpfe» Adam Sandlers erfolgreichster Film bei uns. Und somit greift er «Toy Story 3» weitere erwachsene Besucher ab. Während der Parallelstart zu «Inception» Disney Deutschland ganz klar vorzuwerfen ist (weshalb nicht eine Woche früher?), kann man niemanden beschuldigen, eine Woche vor «Kindsköpfe» zu starten. Wer konnte bitte mit diesem Erfolg rechnen? Vielleicht ist es ein unerwarteter «Inception»-Effekt: Nachdem sich Kinodeutschland vergangene Woche verausgabte, sollen die grauen Zellen nun ruhen. Dazu ist «Kindsköpfe» perfekt. Andere Filme wären es genauso, leider ist es aber «Kindsköpfe», der gerade frisch in die Kinos kam.• Popcorn. Toy Story 3. Inception. Kindsköpfe. Besucherzahlen
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