Die Kritiker

«Ihr Auftrag, Pater Castell: Die Jesustafel»

von
Story
Die INRI-Tafel, eine der wohl kostbarsten Reliquien der katholischen Kirche, ist verschwunden - und das vier Tage, bevor der Vatikan sie öffentlich ausstellen möchte. Kurz darauf wird der Dieb, der renommierte deutsche Materialwissenschaftler Dr. Guido Böll, der die 2000 Jahre alte Kreuzschrift im Auftrag des Vatikans auf ihre Echtheit untersuchen sollte, tot auf Malta gefunden. Ein kleiner maltesischer Junge entpuppt sich als wichtiger Zeuge - und wird von seinem Arzt, Dr. Camillieri, nach Rom entführt. Marie Blank und Pater Castell ermitteln zunächst auf Malta - doch ihre Spurensuche führt sie immer tiefer hinein in den Vatikan.

In Rom befindet sich Kardinal Scarpia in einem Wettlauf gegen die Zeit: Gelingt es ihm nicht, die INRI-Tafel vor dem Beginn der Ausstellung sicher in den Schoß der Kirche zurückzuführen, ist es um sein Ansehen geschehen - zumal er versucht, das Verschwinden des Heiligtums selbst vor seinem engsten Stab geheim zu halten. Doch manch einer der Kardinäle und Gardisten um Scarpia herum scheint besser informiert zu sein als dieser glaubt - und möchte eine öffentliche Ausstellung der Kreuzschrift vor den "Ungläubigen" dieser Welt um jeden Preis vermeiden. Ein Gardist wird ermordet, Kardinal Scarpia selbst schwebt in höchster Gefahr.

Darsteller
Francis Fulton-Smith («Familie Dr. Kleist») ist Pater Simon Castell
Christine Döring («SOKO 5113») ist Marie Blank
Hans Peter Hallwachs («Liebe und andere Delikatessen») ist Kardinal Scarpia
Maja Celine Probst («Rosamunde Pilcher - Herzenssehnsucht») ist Lisa Blank
Ercan Durmaz («Heute keine Entlassung») ist Jens Deißmann
Reiner Schöne («Fünf Sterne») ist Kardinal Sanchez
Florian Martens («Ein starkes Team») ist Major Daniel Waller
Frank Giering («Der Kriminalist») ist Oberst Sprüngli
Aidan Aquilina («Largo Winch») ist Leonardo
Martin Feifel («Der Bergdoktor») ist Dr. Camillieri

Kritik
Schon die ersten beiden Staffeln der leichten Krimiserie «Ihr Auftrag, Pater Castell» waren alles andere als ein Hit. Umso erstaunlicher war es dann, als das ZDF mitten in der zweiten und zugleich noch schwächeren Staffel die Verlängerung um eine dritte bekanntgab. Nun ist es also soweit und Sender und Verantwortliche schenken Pater Castell alias Francis Fulton-Smith gleich zum Auftakt eine Ausgabe in der Größe XL. 90 Minuten lang verschlägt es den Pater mit der Spürnase unter anderem nach Malta. Dort ist er auf der Suche nach der verschwundenen Jesustafel, die angeblich heilende Kräfte besitzen soll.

Klingt spannender als es letztlich ist. Denn bei aller Dan Brown Mystik und Vatikan-Thriller-Liebe, das was Autor Lorenz Stassen («Alarm für Cobra 11») und Regisseur Florian Kern («Abschnitt 40») hier ihren Zuschauern präsentieren ist Einfallslosigkeit erster Güte. Spannung kommt kaum auf, die Motive und Handlungsweisen der Figuren sind stereotyp und meilenweit vorhersehbar. Und auch Teile der Handlung wurden von der Bildsprache bis zu einigen Abläufen von Brown-Romanen dreist abgekupfert. Das alles geht natürlich zu Lasten der Dramatik und Neugier des Zuschauers. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass hier eine Sendezeit von 90 Minuten gewählt wurde. Schon in früheren Staffeln wurde in „normalen“, 40-minütigen Episoden, bemängelt, dass es kaum für mehr reichen würde. Dass diese Kritik berechtigt war, zeigt sich nun allzu deutlich. Die Luft ist nach nicht einmal der Hälfte der Sendezeit vollkommen raus, man sehnt sich sogar ein wesentlich früheres Ende herbei. Stattdessen wird die Handlung aufs ärgste strapaziert und gestreckt.

Negativ zu Buche schlägt auch die Tatsache, dass neben Castell eigentlich kaum Platz für weitere Figuren ist. LKA-Ermittlerin Marie Blank ist zwar wieder mit an Bord, wirkliche Präsenz beweist sie aber dadurch noch lange nicht – die Umstände und die Daseinsberechtigung für ihre Figur auf Malta sind mal ganz außer Acht gestellt. Und auch die restlichen Figuren sind von ihrem Charakterprofil nicht gerade clever konstruiert. Jeder erhält sofort den Stempel „gut“ oder „böse“ und dementsprechend vorhersehbar geht es dann auch weiter.

Als einzige positive Konstante der Serie verbleibt dann also nur die gute und optisch sehr ansprechende Ausstattung. Die Sets sind aufwendig in Szene gesetzt, schöne Kamerafahrten bei den Außendrehs lassen ebenso wenig Grund zum Bemängeln. Ein wenig mehr in diesem Bereich zu sparen und das Geld in anständige Drehbuchautoren und -ideen zu investieren wäre für etwaige weitere Folgen sicherlich nicht die schlechteste Idee. So verbleibt nach 90 Minuten überdauerter, dröger Mystik nur ein schaler Nachgeschmack.

Das ZDF zeigt «Ihr Auftrag, Pater Castell: Die Jesustafel» am Donnerstag, den 13. Mai 2010, um 21:00 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/41914
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