Ein grauer, regnerischer Tag Anfang Mai. Es ist viel zu kalt für die Jahreszeit. Nicht einmal die üblichen Jugendlichen warten bei diesem Wetter vor dem rot-weißen Gebäude auf dem Gelände des Studio Babelsbergs in Potsdam. Hinter diesen Mauern entsteht unbeeindruckt von den Außentemperaturen Deutschlands erfolgreichste Daily Soap «Gute Zeiten, Schlechte Zeiten».
Sozialer Dreh- und Angelpunkt der Produktion ist der gemütliche Catering-Bereich im Erdgeschoss. Hier treffen sich die rund 120 Mitarbeiter. Sie frühstücken gemeinsam, plaudern über Gott und die Welt und warten auf ihren nächsten Einsatz. Auch die Darsteller verbringen hier gern ihre Pausen - nicht nur wegen des guten Essens. In einer Ecke lernt Lena Ehlers (Dascha) still ihren Text, während Björn Harras (Patrick Graf Jr.) noch einmal kräftig in sein Brötchen beißt, bevor er zur nächsten Szene muss. Auf einem großen Bildschirm an der Wand sind Livebilder aus den benachbarten Studios zu sehen, wo gerade Isabell Horn als Pia Koch in einer großen Wanne voll Schaum verschwindet.
Eine Etage über dem „Dinner“ befindet sich das Reich von Maskenbildnerin Iris Graeser. Sie sorgt bereits seit 15 Jahren für die richtigen Frisuren und das passende Make-Up aller Hauptdarsteller. An den Spiegeln kleben Polaroid-Fotos von aufwendigen Frisuren einzelner Rollen. Diese sind wichtig, damit eine Frisur noch einmal exakt wiederholt werden kann, um Anschlussfehler zu vermeiden. Oft bleiben für einen vollständigen Kostümwechsel nur wenige Minuten Zeit. Neben anderer Kleidung muss dann auch die Frisur verändert oder das Make-Up erneuert werden. Trotz dieser Anspannung ist die Stimmung im Team sehr familiär. Emily-Darstellerin Anne Menden kommt herein und bringt Iris und ihrer Kollegin einen Kaffee aus dem Dinner.
Nicht weit entfernt wacht Roberto Barac über den Kostümfundus. Er gehört mit rund 40.000 Teilen zu den umfangreichsten in Deutschland. Die Wände des Raumes sind wegen der Hunderten Pullovern und Schuhen kaum noch zu erkennen. Dabei handelt es sich nur um die Sommerkollektion. Die Wintersachen lagern derzeit im Keller und werden erst gegen Ende des Jahres nach oben geräumt. An einem Ständer hängen zwischen unzähligen Sakkos, T-Shirts, Tops und Krawatten auch die Kleider von Serien-Designerin Jasmin, die extra für sie angefertigt werden und auf alten Entwürfen aus früheren Jahrzehnten basieren. Die spezifischen Kostüme der Hauptfiguren hängen jedoch nicht in dem großen Raum, sondern in der Garderobe der jeweiligen Darsteller.
Anne Menden präsentiert stolz die Kleider und Schuhe ihrer Figur Emily. Privat trägt sie zwar auch gern High-Heels, mag es jedoch etwas bequemer als ihre Rolle. Sie kann sich nicht vorstellen so gestylt wie Emily ins Bett zu gehen. Ihre Garderobe teilt sie sich mit ihrer Kollegin Lisa Riecken, die seit der allerersten Folge Elisabeth Meinhart spielt. Das Dekorieren der gemeinsamen Garderobe hat jedoch hauptsächlich Anne übernommen. An den Wänden hängen phantasievolle Fotos von ihr, die sie zusammen mit ihrer Freundin Aylin Geerke gemacht hat. In einer kleinen Ecke steht ein schwarzgerahmtes Foto des kürzlich verstorbenen Serienhunds Bolle.
Erstmals errichteten die Szenenbildner rund um Thomas Brauninger für die Serie auch zweistöckige Studiodekorationen, die es möglich machen, dass die Treppe in der Wohnung der Gerners tatsächlich in die Redaktion reicht. Auch die Wendeltreppe der Cösters führt tatsächlich vom Wohnzimmer zu den Räumen von Lenny und Lucy. Das Highlight der Aufbauten ist jedoch das Set des Nachtclubs „Mauerwerk“, der an diesem Tag jedoch menschenleer bleibt. Um den Club bei Aufnahmen mit Leben zu füllen, werden bis zu 50 Statisten für den Dreh eingesetzt.
In der Regel finden die Außenaufnahmen allerdings in der eigenen Außenkulisse statt, die im August 2006 auf dem Gelände direkt neben den Studios errichtet wurde. Hier entstand für rund 800.000 Euro in 90 Arbeitstagen der gesamte Kiez rund um den fiktiven Kolleplatz. Der Name erinnert zwar an den bekannten Berliner Kollwitzplatz, leitet sich jedoch von einer ehemaligen Mitarbeiterin ab. Rund ein Dutzend Hausfassaden sollen das Flair der Großstadt Berlin simulieren. Unter ihnen ist das Townhouse der Gerners, der U-Bahnhof Klosterstraße, der Spätkauf, der türkische Imbiss, das Viktoria-Luise-Gymnasium, der Eingang zum Mauerwerk und der Modeladen „Prinzesskleid“. Um den Kulissen größtmögliche Authentizität zu verleihen, wurden die Häuser mit typischen Grafitti-Schmiererein verziert.
Die Straßenschilder sind deutlich kürzer als im Original, um den Platz durch die Kameraobjektive größer erscheinen zu lassen. Wer sich genau die Fassade der Schule anschaut, erkennt auf der Nase einer der Steinköpfe eine Sonnenbrille. Abgesehen vom türkischen Imbiss sind sämtliche Kulissen reine Fassaden. Statt Räumen gibt es hinter den Türen nur Stahl- und Holzgestelle, welche die Fassaden halten. Für die Aufnahmen zur Serie wird der Kiez wie auch das Mauerwerk mit zahlreichen Statisten belebt.Am 11. Mai 2010 feiert die Soap «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» ihren 18. Geburtstag.
• GZSZ
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