Wenn Tausende Fußballfans gleichzeitig ihre Smartphones nutzen, kann das Mobilfunknetz rund um ein Stadion schnell an seine Grenzen geraten. Für Fernsehsender, die auf stabile Bild- und Tonverbindungen angewiesen sind, ist das eine besondere Herausforderung. Ausgerechnet ein DFB-Pokalspiel diente RTL Deutschland deshalb als Versuchsfeld für eine neue Form der Live-Produktion. Gemeinsam mit Vodafone, Telefónica und der Deutschen Telekom erprobte der Sender, wie sich wichtige Produktionssignale mithilfe moderner 5G-Technologien über öffentliche Mobilfunknetze übertragen lassen.
Als Testumgebung diente die Erstrundenpartie zwischen HEBC Hamburg und Borussia Dortmund am 1. September 2026 im Hamburger Volksparkstadion. RTL übertrug das Spiel, das Dortmund mit 5:0 gewann, live. Während der Begegnung untersuchten die beteiligten Unternehmen unter realen Produktionsbedingungen, ob sich die erforderliche Netzqualität für unterschiedliche Aufgaben gezielt bereitstellen lässt. Im Mittelpunkt standen dabei die Technologien Quality on Demand und Network Slicing.
Die Anforderungen an eine solche Übertragung sind hoch. Neben den eigentlichen Kamerabildern müssen auch die Kommunikation zwischen Regie und Kamerateams, die Kommentatorenanbindung sowie zusätzliche Videoaufnahmen zuverlässig funktionieren. Hinzu kommt der sogenannte Return-Feed, über den Reporter und Produktionsmitarbeiter das laufende Fernsehprogramm empfangen können. Gerade bei einem Live-Sportereignis müssen diese Verbindungen möglichst ohne störende Verzögerungen oder Unterbrechungen arbeiten.
Vodafone und Telefónica setzten bei dem Versuch auf sogenannte Quality-on-Demand-Schnittstellen. Über diese können Anwendungen zeitlich begrenzt bestimmte Qualitätsmerkmale des Mobilfunknetzes anfordern. Beim DFB-Pokalspiel kam die Technik unter anderem für die Sprachverbindungen innerhalb des Produktionsteams, mobile Interviews, Aufnahmen aus dem Stadionumfeld und die Einbindung der Kommentatoren zum Einsatz. Auch der Empfang des laufenden Programms durch die Mitarbeiter vor Ort wurde auf diese Weise unterstützt.
Die Deutsche Telekom verfolgte mit Network Slicing einen anderen Ansatz. Dabei stellt der Netzbetreiber eine eigens konfigurierte Netzwerkumgebung bereit, deren Eigenschaften auf einen bestimmten Anwendungsfall abgestimmt sind. Im Praxistest sollte diese Technik insbesondere die Übertragung von Kamerabildern mit ausreichender Bandbreite und möglichst konstanter Datenrate gewährleisten. Anders als bei Quality on Demand wird die entsprechende Netzwerkumgebung vom Mobilfunkanbieter selbst eingerichtet und verwaltet.
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen zeigte der Versuch, dass beide Technologien grundsätzlich geeignet sind, ausgewählte Abläufe einer Live-TV-Produktion über öffentliche Mobilfunknetze abzuwickeln. Zugleich wurden weitere technische Herausforderungen sichtbar, etwa beim Zusammenspiel von Netzfunktionen, Endgeräten und Produktionsanwendungen. Besonders bei videobasierten Abläufen sollen die gewonnenen Erkenntnisse in die weitere Entwicklung einfließen. Von einer vollständigen Umstellung der Fernsehproduktion auf Mobilfunk ist damit noch nicht die Rede.
Langfristig könnten solche Lösungen allerdings die Arbeit von Fernsehteams verändern. Wenn sich die erforderliche Übertragungsqualität direkt aus einer Produktionsanwendung heraus anfordern lässt, könnten bestimmte Einsätze flexibler und mit weniger speziell eingerichteter Übertragungstechnik umgesetzt werden. Denkbar wäre dies beispielsweise bei mobilen Kameras, Interviews außerhalb des Stadions oder kurzfristig benötigten Live-Schalten.







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