Wetterportale gehören im Sommer zu den großen Gewinnern. Sobald die Temperaturen steigen, Gewitter drohen oder Hitzerekorde fallen, wird auf dem Smartphone häufiger nachgesehen, wie heiß es noch wird, wann der Regen kommt und ob die Nacht wenigstens etwas Abkühlung bringt. Aber lässt sich dieser Effekt auch im linearen Fernsehen beobachten? Holen «Wetter vor acht» (Das Erste), das «ZDF Wetter» (ZDF) und «RTL Aktuell – Das Wetter» (RTL) bei extremer Hitze plötzlich mehr Menschen vor den Fernseher oder ist die Wetterstrecke vor beziehungsweise nach den Nachrichten am Ende vor allem ein nettes Ritual?Die Zahlen aus insgesamt 2.460 Wetter-Ausgaben zwischen Januar 2024 und Anfang Oktober 2026 geben darauf eine ziemlich eindeutige Antwort: Eine Hitzewelle macht aus dem Wetter im Fernsehen keinen Reichweiten-Blockbuster. Im Sommer sitzen insgesamt deutlich weniger Menschen vor dem Fernseher, und dieser Effekt trifft auch die Wetterstrecken. Interessanter ist deshalb der Marktanteil. Denn während die absoluten Reichweiten im Sommer kräftig sinken, halten sich die Wetterformate relativ stabil oder werden im Verhältnis zum kleineren Gesamtpublikum sogar stärker.
Das zeigt das Jahr 2026 besonders deutlich. Der Sommer war extrem: rund 22 heiße Tage mit mindestens 30 Grad, etwa fünf Tage mit mindestens 35 Grad, 41,8 Grad als neuer deutscher Höchstwert am 27. Juni und ein Temperaturmittel von 19,6 Grad. Bis Mitte August schätzte das Robert Koch-Institut rund 15.800 hitzebedingte Todesfälle. Mit anderen Worten: Wenn Wetter im Fernsehen jemals zum großen Sommerthema werden müsste, dann in einem solchen Jahr.
Beim Ersten ist davon in der absoluten Reichweite zunächst wenig zu sehen. «Wetter vor acht» erreichte im Januar und Februar 2026 durchschnittlich 1,981 Millionen Menschen. Zwischen Juni und August waren es nur noch 1,490 Millionen. Das ist ein Rückgang um knapp 25 Prozent. Der Marktanteil blieb dagegen nahezu identisch: Aus 9,12 Prozent zu Jahresbeginn wurden 9,10 Prozent im Sommer. Das ist der vielleicht sauberste Beleg dafür, dass nicht das Interesse am Wetter verschwindet, sondern schlicht weniger Menschen fernsehen. Die Wetterstrecke verliert fast eine halbe Million Zuschauer, hält aber ihren Anteil am gerade eingeschalteten Publikum.
Noch deutlicher wird das bei den 14- bis 49-Jährigen. Hier sank «Wetter vor acht» von durchschnittlich 215.000 Zuschauern im Januar und Februar auf nur noch 119.000 im Sommer. Das entspricht einem Minus von fast 45 Prozent. Auch der Marktanteil gab von 6,25 auf 5,35 Prozent nach. Die jüngeren Zuschauer wandern im Sommer also noch stärker aus dem linearen Fernsehen ab als das Gesamtpublikum. Gerade für diese Gruppe dürfte der schnelle Blick aufs Smartphone die naheliegendere Wetterabfrage sein.
Trotzdem war der Sommer 2026 für «Wetter vor acht» im Langzeitvergleich kein schlechter. 2024 hatte die Sendung zwischen Juni und August im Schnitt nur 1,332 Millionen Zuschauer und 7,07 Prozent Marktanteil erreicht. 2025 waren es 1,428 Millionen und 8,18 Prozent. 2026 stehen nun 1,490 Millionen und 9,10 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren legte die Wetterstrecke im Sommer damit um rund 158.000 Zuschauer zu, während der Marktanteil um gut zwei Prozentpunkte wuchs. Hitze allein kann das nicht erklären – sonst müssten ZDF und RTL ähnlich profitieren. Aber es zeigt, wie robust das Format inzwischen innerhalb des ARD-Vorabends dasteht.
Das ZDF spielt ohnehin in einer anderen Reichweitenklasse. Das «ZDF Wetter» kam im Januar und Februar 2026 durchschnittlich auf 3,268 Millionen Zuschauer und 16,41 Prozent Marktanteil. Im Sommer waren es 2,515 Millionen. Auch hier verschwanden also rund 753.000 Zuschauer beziehungsweise 23 Prozent. Der Marktanteil stieg gleichzeitig leicht auf 16,75 Prozent. Genau das ist das Muster, das man bei einem saisonal stabilen Format erwarten würde: weniger Menschen insgesamt, aber kein Bedeutungsverlust innerhalb des verbliebenen Fernsehpublikums.Im Vergleich mit den Vorjahren zeigt sich beim ZDF allerdings ebenfalls kein Hitzebonus. Im Sommer 2024 waren durchschnittlich 2,714 Millionen dabei, 2025 noch 2,599 Millionen und 2026 nun 2,515 Millionen. Die Reichweite ging also trotz des außergewöhnlichen Wetters zurück. Der Marktanteil entwickelte sich dagegen von 15,99 über 16,66 auf 16,75 Prozent nach oben. Das «ZDF Wetter» wird relativ gesehen stärker, obwohl absolut weniger Menschen zuschauen.
Bei den Jüngeren fällt die Entwicklung härter aus. Im Sommer 2026 sahen im Schnitt 139.000 Menschen zwischen 14 und 49 Jahren zu. Im Januar und Februar waren es noch 261.000. Die Reichweite halbierte sich damit beinahe. Der Marktanteil sank von 8,91 auf 7,46 Prozent. Das ZDF bleibt beim Gesamtpublikum also sehr wetterfest, während die jüngere Zielgruppe im Sommer deutlich schwerer zu erreichen ist.
RTL liefert das Gegenmodell. «RTL Aktuell – Das Wetter» hatte im Januar und Februar 2026 im Schnitt 2,253 Millionen Zuschauer. Im Sommer blieben 1,791 Millionen übrig, ein Minus von gut 20 Prozent. Gleichzeitig stieg der Marktanteil aber von 11,26 auf 12,04 Prozent. Noch auffälliger ist die Entwicklung bei den 14- bis 49-Jährigen: Die Reichweite sank zwar von 429.000 auf 304.000, der Marktanteil legte jedoch von 14,66 auf 16,01 Prozent zu. RTL verliert also im Sommer ebenfalls Köpfe, gewinnt innerhalb des kleineren Marktes aber deutlich an Stärke.
Das ist für die Frage nach der Relevanz des Wetterfernsehens entscheidend. Die Wetterstrecke erzeugt offenbar nicht massenhaft zusätzliche Fernsehnutzung. Aber wer ohnehin rund um «RTL Aktuell» vor dem Fernseher sitzt, bleibt im Sommer besonders zuverlässig auch fürs Wetter dran. Gerade in der klassischen Werbezielgruppe ist RTL damit klar die stärkste der drei Wettermarken. Während ARD und ZDF bei den Jüngeren im Sommer Marktanteil verlieren, legt RTL um rund 1,35 Prozentpunkte gegenüber Januar und Februar zu.
Und was passiert an den wirklich extremen Tagen? Auch hier ist das Bild differenziert. Am 27. Juni 2026 wurden in Möckern-Drewitz 41,8 Grad gemessen – deutscher Allzeitrekord. «Wetter vor acht» erreichte an diesem Abend 1,746 Millionen Menschen und 11,47 Prozent Marktanteil. Das lag klar über dem Juni-Schnitt von 1,524 Millionen und 9,00 Prozent. Beim ZDF kamen 2,593 Millionen Zuschauer zusammen, der Marktanteil lag bei starken 18,62 Prozent. Der Juni-Schnitt hatte bei 2,529 Millionen und 16,22 Prozent gelegen.
Bei RTL zeigt sich besonders schön, warum Reichweite und Marktanteil getrennt betrachtet werden müssen. Am Rekordtag sahen 1,794 Millionen Menschen «RTL Aktuell – Das Wetter». Das war sogar minimal weniger als der Juni-Schnitt von 1,819 Millionen. Der Marktanteil stieg aber von durchschnittlich 11,76 auf 13,47 Prozent. Die extreme Hitze sorgte also nicht dafür, dass plötzlich hunderttausende zusätzliche Menschen den Fernseher einschalteten. Unter denen, die fernsahen, war die Wetterstrecke aber deutlich stärker als an einem normalen Juni-Abend.
Auch die zweite große Hitzephase des Sommers bestätigt dieses Muster. Zwischen Ende Juli und Mitte August, als die hohen Temperaturen erneut für enorme Belastungen sorgten, erreichte «Wetter vor acht» durchschnittlich rund 1,413 Millionen Zuschauer – sogar fünf Prozent weniger als im gesamten Sommer. Der Marktanteil blieb mit 9,12 Prozent praktisch unverändert. RTL kam in diesem Zeitraum auf etwa 1,728 Millionen Zuschauer und lag damit ebenfalls unter seinem Sommermittel, steigerte den Marktanteil aber auf 12,34 Prozent. Nur das ZDF legte in beiden Kategorien zu: rund 2,612 Millionen Zuschauer und 18,29 Prozent Marktanteil gegenüber 2,515 Millionen und 16,75 Prozent im gesamten Sommer.
Gerade diese Unterschiede zeigen, warum man aus einzelnen Hitzetagen keine einfache Kausalität ableiten kann. Die Wetterstrecken hängen stark an ihrem Umfeld. Sie stehen unmittelbar vor oder nach den großen Nachrichtensendungen, profitieren von deren Vorlauf, von aktuellen Nachrichtenlagen, vom jeweiligen Tagesprogramm und natürlich auch von der generellen Fernsehnutzung. Ein hoher Wetter-Marktanteil bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Zuschauer ausschließlich wegen der Temperatur eingeschaltet haben.
Das erklärt auch den Unterschied zu Wetter-Websites. Wer wetter.de, WetterOnline oder wetter.com aufruft, tut das aktiv und oft mehrfach am Tag: morgens wegen der Temperatur, mittags wegen eines Gewitters, nachmittags wegen des Grillabends und abends wegen der Nachtwerte. Ein TV-Wetterbericht ist dagegen ein kurzer Programmpunkt, der in einen bestehenden Nachrichtenablauf eingebettet ist. Das Bedürfnis nach Wetterinformationen kann im Sommer massiv steigen, ohne dass deshalb die lineare Fernsehnutzung steigen muss.
Das Quotengericht fällt deshalb ziemlich klar aus: Wetter ist im Fernsehen keineswegs nur „nett“, aber Hitze macht daraus auch keinen Reichweitenmagneten. Im Sommer 2026 verloren alle drei Wetterstrecken gegenüber Januar und Februar etwa ein Fünftel bis ein Viertel ihres Gesamtpublikums. Das Erste fiel um knapp 25 Prozent, das ZDF um gut 23 Prozent, RTL um rund 21 Prozent. Von einem sommerlichen Zuschauerboom kann keine Rede sein.
Die eigentliche Stärke zeigt sich beim Marktanteil. «Wetter vor acht» hielt seine gut neun Prozent praktisch vollständig. Das ZDF verbesserte sich leicht auf knapp 17 Prozent. RTL steigerte sich auf gut zwölf Prozent und war bei den 14- bis 49-Jährigen mit rund 16 Prozent besonders stark. Extreme Wetterlagen können diese Werte kurzfristig noch einmal anschieben – vor allem relativ zum gerade vorhandenen Fernsehpublikum.
Der Fernsehzuschauer braucht das Wetter also weiterhin. Er schaltet dafür nur nicht unbedingt extra ein. Im Sommer ist der Wetterbericht weniger ein Ziel als ein äußerst stabiler Begleiter der Nachrichten. Und genau darin liegt seine Stärke: Während draußen die Temperaturen explodieren und die absolute Fernsehnutzung zusammenschmilzt, bleibt der Anteil derjenigen, die auch noch wissen wollen, wie es morgen weitergeht, erstaunlich konstant.







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