Vermischtes

Hollywood-Gewerkschaften drängen auf schnelle Entscheidung über Paramount-Warner-Fusion

von

DGA und IATSE sehen den geplanten Zusammenschluss von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery weiterhin kritisch.

Zwei der wichtigsten Gewerkschaften der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie schalten sich in den Streit um die geplante Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery ein. Die Directors Guild of America (DGA) und die International Alliance of Theatrical Stage Employees (IATSE) haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an den kalifornischen Generalstaatsanwalt Rob Bonta sowie Paramount-Skydance-Chef David Ellison gewandt. Darin fordern sie beide Seiten auf, möglichst schnell eine Lösung für die wettbewerbsrechtlichen Probleme des Zusammenschlusses auszuhandeln.

Grundsätzlich bleiben die Gewerkschaften skeptisch. Zusammenschlüsse dieser Größenordnung hätten in der Vergangenheit nur wenige Vorteile für Arbeitnehmer gebracht, heißt es in dem Schreiben vom 12. August. DGA und IATSE vertreten zusammen fast 200.000 Beschäftigte aus Regie, Technik und weiteren kreativen Bereichen. Zugleich warnen sie jedoch davor, dass ein langwieriges Gerichtsverfahren die ohnehin angeschlagene Film- und Fernsehindustrie zusätzlich belasten könnte.

Nach Angaben der Gewerkschaften ist die weltweite Film- und Fernsehproduktion derzeit um 35 bis 40 Prozent zurückgegangen, in Kalifornien sogar noch stärker. Gleichzeitig werde ein größerer Anteil der verbliebenen Produktionen außerhalb der Vereinigten Staaten hergestellt. Die Unsicherheit über die Zukunft von Warner Bros. Discovery verschärfe die Situation zusätzlich. DGA und IATSE berichten von Produktionen, die wegen der ungeklärten Lage bereits auf Eis gelegt oder vollständig gestrichen worden seien.

Besonders problematisch sei deshalb der gegenwärtige Zeitplan für das Gerichtsverfahren. Dieser würde die Unsicherheit mindestens bis ins Frühjahr 2027 verlängern. Die Gewerkschaften schlagen stattdessen vor, dass Bonta und Ellison unmittelbar über eine verbindliche Vereinbarung verhandeln. Sollte eine solche Verständigung nicht möglich sein, solle zumindest versucht werden, den Beginn des Prozesses vorzuziehen.

Bemerkenswert ist, wie detailliert DGA und IATSE ihre Bedingungen für eine mögliche Zustimmung formulieren. Paramount und Warner Bros. sollen auch nach einer Fusion als getrennte Filmstudios weitergeführt werden. Beide müssten jeweils eigene Produktions-, Vertriebs-, Marketing- und Kinoauswertungsstrukturen behalten. Ein Zusammenlegen der beiden Hollywood-Studios wäre nach Vorstellung der Gewerkschaften damit weitgehend ausgeschlossen.

Noch weiter geht die Forderung nach einer garantierten Produktionsmenge. Sowohl Paramount als auch Warner Bros. sollen jährlich mindestens 15 Kinofilme produzieren und vertreiben. Diese müssten wenigstens 45 Tage exklusiv im Kino laufen, wobei die Gewerkschaften sogar mindestens 60 Tage bevorzugen würden. Eine Veröffentlichung als Premium-Video-on-Demand soll erst anschließend möglich sein, für die Aufnahme in einen Streaming-Abodienst fordern DGA und IATSE sogar eine Sperrfrist von 120 Tagen.

Auch im Fernsehgeschäft sollen Paramount und Warner Bros. organisatorisch voneinander getrennt bleiben. Darüber hinaus verlangen die Gewerkschaften ausdrücklich den Erhalt von HBO als linearem Pay-TV-Sender. HBO müsse weiterhin über externe Plattformen und Distributoren verfügbar sein. Damit wollen DGA und IATSE verhindern, dass ein fusionierter Konzern Inhalte zunehmend ausschließlich über seine eigenen Vertriebswege vermarktet.

Ähnliche Vorgaben schlagen sie für den Einkauf fremder Produktionen vor. Paramount und Warner Bros. sollen weiterhin Kinofilme unabhängiger Anbieter lizenzieren. Auch die linearen Sender und Streamingdienste des fusionierten Unternehmens müssten einen bestimmten Anteil an Produktionen von Drittanbietern beziehen. Als Grundlage soll jeweils der durchschnittliche Anteil der vergangenen fünf Jahre dienen, wobei die von außergewöhnlichen Produktionsbedingungen geprägten Jahre 2020 und 2023 ausgeklammert werden sollen.

Ein weiterer Punkt betrifft den Produktionsstandort USA. Der fusionierte Konzern soll sich verpflichten, mindestens den durchschnittlichen Anteil seiner Filme und Serien innerhalb der Vereinigten Staaten herzustellen, den die Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren erreicht haben. Auch hier sollen 2020 und 2023 nicht in die Berechnung einfließen. Zudem verlangen die Gewerkschaften eine verbindliche Zusage, dass Paramount seinen Unternehmenssitz in Los Angeles behält.

Kurz-URL: qmde.de/174491
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelBen Affleck gerät in «Animals» zwischen Macht und Moralnächster ArtikelDeutscher Radiopreis 2026: Die Nominierungen
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel
Weitere Neuigkeiten

Letzte Meldungen


Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung