Das ZDF strahlt das Sportdrama «Tatami» erstmals in der Nacht auf Dienstag, den 15. September, um 2.30 Uhr im Free-TV aus. Der Film steht ab dem 15. September auch im Streaming-Angebot des Senders zur Verfügung. Dass die öffentlich-rechtliche Anstalt den vielfach ausgezeichneten Kinofilm erst weit nach Mitternacht programmiert, dürfte angesichts seiner internationalen Bedeutung für Verwunderung sorgen.Im Mittelpunkt steht die iranische Judoka Leila Hosseini (Arienne Mandi), die bei den Weltmeisterschaften kurz vor der Chance auf die Goldmedaille steht. Als sich jedoch ein mögliches Finale gegen eine israelische Gegnerin abzeichnet, fordert das iranische Regime sie auf, das Turnier unter einem Vorwand abzubrechen. Leila widersetzt sich den Anweisungen und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familie in Gefahr. Gleichzeitig gerät ihre Trainerin Maryam (Zar Amir) in einen schweren Gewissenskonflikt, weil sie Jahre zuvor selbst eine ähnliche Entscheidung treffen musste.
Inszeniert wurde «Tatami» gemeinsam von der iranischen Schauspielerin und Aktivistin Zar Amir Ebrahimi sowie dem israelischen Regisseur Guy Nattiv. Das Sportdrama orientiert sich unter anderem an den Erlebnissen des iranischen Judoka Saeid Mollaei, der sich 2019 den politischen Vorgaben seines Heimatlandes widersetzte. Entstanden ist der Film zudem während der Protestbewegung gegen das iranische Regime in den Jahren 2022 und 2023 und greift damit Themen auf, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Trotz dieser politischen Brisanz, der internationalen Anerkennung und der Free-TV-Premiere verbannt das ZDF den Film auf einen Sendeplatz, den nur die wenigsten Zuschauer erreichen dürften. Gerade bei einem öffentlich-rechtlich mitfinanzierten und gesellschaftlich relevanten Werk wirft diese Programmierung die Frage auf, ob der Auftrag, kulturell bedeutsame Filme einem breiten Publikum zugänglich zu machen, damit tatsächlich erfüllt wird.







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