Netflix hebt einen alten Fernsehklassiker in die Moderne, der schon bei seiner Erstausstrahlung vor 50 Jahren altbacken wirkte. Kann das gutgehen?
Der Wind streicht durch das hohe Präriegras, irgendwo spielt eine Geige, und ein kleines Mädchen blickt mit einer Mischung aus Neugier und Entschlossenheit auf eine Landschaft, die ebenso verheißungsvoll wie unbarmherzig wirkt. Es sind Bilder, die sofort Erinnerungen wecken – selbst bei Menschen, die Laura Ingalls Wilder eher aus Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern kennen als aus eigener Fernseherfahrung. Ein Reboot von «Unsere kleine Farm» war deshalb ein riskantes Unterfangen. Zu groß ist der nostalgische Ballast der legendären Fernsehserie aus den siebziger Jahren, zu eng ist sie mit dem Charisma von Michael Landon verbunden. Umso erfreulicher ist, dass Netflix gar nicht erst versucht, diesen Klassiker zu kopieren. Stattdessen wagt die neue Serie etwas Klügeres: Sie kehrt zu den Büchern zurück und erzählt die Geschichte mit einem heutigen Blick, ohne ihren ursprünglichen Zauber zu verlieren.
Gerade diese Bodenständigkeit gehört zu den größten Stärken der Serie. Die Familie Ingalls wird nicht verklärt. Charles Ingalls, gespielt von Luke Bracey, ist ein liebevoller Vater, aber keineswegs unfehlbar. Er zweifelt, trifft falsche Entscheidungen und trägt die Last seiner Verantwortung sichtbar mit sich herum. Caroline Ingalls erhält deutlich mehr Eigenständigkeit, als viele Zuschauer es aus der älteren Serie gewohnt sein dürften. Crosby Fitzgerald spielt sie nicht bloß als geduldige Ehefrau, sondern als Frau mit eigenen Ängsten, Hoffnungen und Wünschen. Dadurch gewinnen selbst alltägliche Szenen eine emotionale Tiefe, die man in diesem Genre nicht immer erwartet.
Besonders positiv fällt auf, wie selbstverständlich historische Zusammenhänge in die Handlung integriert werden. Die Serie verschweigt nicht, dass die Besiedlung des amerikanischen Westens auf Kosten der indigenen Bevölkerung stattfand. Figuren aus der Osage-Gemeinschaft erhalten eigene Perspektiven und werden nicht bloß als Randfiguren der Geschichte behandelt. Diese Erweiterung wirkt erfreulich organisch und nie wie eine nachträglich aufgesetzte Pflichtübung. Statt historische Konflikte zu vereinfachen, versucht die Serie, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen. Das macht sie nicht nur zeitgemäßer, sondern auch interessanter. 

Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel