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KI-Fake im «Heute Journal»: Autorin hat Video nicht ordnungsgemäß geprüft

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Auf Quotenmeter-Anfrage äußerte sich das ZDF, wie es zu dem fatalen Fehler kommen konnte. Demnach lagen Versäumnisse nicht nur in der Recherche der Autorin des Beitrags, sondern auch bei der Redaktion.

Wie inzwischen diverse Medien berichteten, wurde am Sonntag im «heute journal» ein Bericht über die umstrittenen Einsätze von ICE in den USA ausgestrahlt - eine Frau mit ihren zwei Kindern wurden dort abgeführt. Der Haken an der Sache: Es waren Bilder, die mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt worden waren (nicht vom ZDF selbst). Zunächst erklärte man beim ZDF, ein technischer Fehler habe dazu geführt, dass die Kennzeichnung des KI-generierten Materials verschwunden sei.

Eine weitere, sich unterscheidende Argumentation lieferten die Mainzer "Welt" und "Übermedien": Man habe zeigen wollen, "dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt wird". Dies sorgte nicht nur für Irritationen aufgrund argumentativer Widersprüchlichkeit, sondern darüber hinaus auch deshalb, weil weil dieser Faktor moderativ nicht eingeleitet wurde und auch gar nicht den Kern der Aufmachung des Nachrichten-Beitrags traf, in dem es ja eben um echte Einsätze von ICE ging.

Diese Irreführung räumte später auch das ZDF und die «Heute Journal»-Redaktion ein und benannte endlich den springenden Punkt: Selbst "Eine Kenntlichmachung hätte nicht gereicht". Der eigentliche Fehler: Man habe für Bilder und Videos aus sozialen Medien ein Prüf- und Verifikationsverfahren. Dies sei in diesem Fall jedoch zu spät angewandt worden.

Am Dienstag moderierte die verantwortliche Leiterin und Moderatorin Anne Gellinek eine weitere Stellungnahme an. Gemäß der selbst gesetzten ZDF-Statuten sei "Der Einsatz KI-generierter Bilder und Videos von Menschen, Ereignissen und politischen Zusammenhängen sind im Nachrichtenbereich nicht möglich" heißt es darin. Der unechte KI-Beitrag hätte in dieser Form also "nicht gesendet werden dürfen". Im Anschluss an die Ausführungen des Korrektur-Beitrags stellte Gellinek eine Aufarbeitung in Aussicht.

Quotenmeter fragte am Mittwoch (18. Februar) beim ZDF nach, was denn nun zu dem Fehler geführt habe und erhielt folgende Auskunft: "Die Autorin hat Videomaterial zur Bebilderung ihres Beitrags ausgewählt, ohne es vorher gewissenhaft und vollständig auf Herkunft und Authentizität überprüft zu haben. Auch von der «Heute Journal»-Redaktion wurden die Prüf- und Verifikationsverfahren nicht wie vorgesehen angewendet. Die Moderatorin Dunja Hayali wusste nichts von den handwerklichen Fehlern im Beitrag." Weiter wird vom Sender nochmal betont: "Das ZDF arbeitet den Vorfall konsequent auf und erstellt einen Maßnahmenkatalog, um Abläufe bei der Verifikation von Bewegtbildmaterial noch strenger zu regeln. Dazu gehören auch zusätzliche, verpflichtende Schulungen für Mitarbeitende. Ziel ist es, die hohen journalistischen Standards des ZDF zu sichern".

Zwar geht man von Senderseite damit schon etwas plastischer auf den Sachverhalt ein, Fragezeichen bleiben aber freilich weiter bestehen. Warum wendet eine Autorin ein Verfahren nicht an, das angeblich als journalistischer Standard beim ZDF zur Selbstverständlichkeit zählen soll? Und was hat dazu geführt, dass die «Heute Journal»-Redaktion die Nachlässigkeit nicht mit dem etablierten Verifikationsverfahren überprüfte? Mit der Aufarbeitung gilt es, diese Fehlerkette klar zu identifizieren und sie dann auch als Antwort nach außen zu geben, um Vertrauen zu sichern. Ob dies passiert, werden wir natürlich weiter beobachten.

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