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„Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie“

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Ein True-Crime-Thriller zwischen realer Fallanalyse und literarischer Spannung. Geschrieben von Axel Petermann und Petra Mattfeldt.

Mit „Im Kopf des Bösen - Ken und Barbie“ setzen die SPIEGEL-Bestsellerautoren Axel Petermann und Petra Mattfeldt ihre erfolgreiche Thriller-Reihe fort. Band 2 verbindet reale kriminalpsychologische Methoden mit einer fiktiven Ermittlungsstory – inspiriert vom berüchtigten kanadischen Serienkillerpaar, das in den Medien als „Ken und Barbie“ bekannt wurde. Herausgekommen ist ein Kriminalroman, der nicht nur schockiert, sondern auch einen tiefen Blick in die Mechanismen moderner Fallanalyse gewährt.

Die Geschichte beginnt im Juni 2023 in Köln. Ein ungewöhnlich heißer Sommer, niedrige Pegelstände im Rhein – und dann der grausige Fund: eine einbetonierte, zerstückelte Frauenleiche. Die Atmosphäre ist von Beginn an dicht, bedrückend, fast klaustrophobisch. Der Fundort wirkt wie ein Symbol für das, was im Verlauf des Romans sichtbar wird: Unter der Oberfläche lauert das Grauen.

Die Ermittlungen übernimmt Sophie Kaiser, Profilerin des BKA. Sie ist eine Figur, die dem Roman eine besondere Tiefe verleiht. Durch ihr Asperger-Syndrom nimmt sie Muster, Zusammenhänge und Details anders wahr als ihre Kolleginnen und Kollegen. Was für andere nebensächlich erscheint, fügt sich für sie zu einem klaren Profil. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Leonhard Michels beginnt sie, das Puzzle eines möglichen Serienverbrechens zusammenzusetzen.

Bald deutet alles darauf hin, dass es sich nicht um eine Einzeltat handelt. Als eine weitere Frau verschwindet, erhärtet sich der Verdacht: Es könnte ein Täterduo am Werk sein – ein junges, frisch verheiratetes Paar. Diese Konstellation verleiht dem Thriller eine zusätzliche Unheimlichkeit. Während Serienmörder in der öffentlichen Wahrnehmung oft als isolierte Einzeltäter gelten, zeigt das Motiv des Täterpaares eine andere Dynamik: gegenseitige Bestärkung, emotionale Abhängigkeit, Machtspiele innerhalb der Beziehung.

Gerade hier entfaltet der Roman seine psychologische Stärke. Axel Petermann, einer der bekanntesten deutschen Profiler, bringt seine jahrzehntelange Erfahrung in die Geschichte ein. Die Darstellung der Fallanalyse wirkt authentisch, präzise und fachlich fundiert. Der Leser bekommt Einblick in reale Methoden des Profilings: Tätertypologien, Tatortanalyse, Verhaltensmuster, Eskalationslogiken. Das macht „Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie“ zu mehr als einem klassischen Krimi – es ist auch eine Einführung in die Denkweise moderner Kriminalpsychologie.

Gleichzeitig bleibt der Roman spannend konstruiert. Petra Mattfeldt sorgt für Tempo, Dialogstärke und dramaturgische Wendungen. Die Frage „Wer ist Täter und wer Opfer?“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Die Autoren spielen geschickt mit Perspektiven und Wahrnehmungen. Verdächtigungen verschieben sich, Motive werden neu bewertet, und immer wieder stellt sich die Frage, ob das scheinbar Offensichtliche wirklich die Wahrheit ist.

Ein besonderer Reiz liegt in der Mischung aus Fiktion und realer Inspiration. Das berüchtigte kanadische Killerpaar dient als Hintergrundfolie, doch die Handlung ist in die Gegenwart und nach Deutschland verlegt. Dadurch entsteht eine Nähe, die verstört: Solche Verbrechen sind kein fernes, exotisches Phänomen, sondern könnten auch hier geschehen. Diese Unmittelbarkeit macht den Roman so eindringlich.

Sophie Kaiser als Hauptfigur ist dabei mehr als nur Ermittlerin. Ihre besondere Wahrnehmung, ihre analytische Strenge und ihre soziale Direktheit machen sie zu einer interessanten Protagonistin, die sich von gängigen Krimihelden abhebt. Ihre Andersartigkeit ist keine bloße Charaktereigenschaft, sondern ein entscheidender Vorteil in der Täteranalyse. Gleichzeitig zeigt der Roman auch ihre persönlichen Herausforderungen – und verleiht der Geschichte dadurch emotionale Tiefe.

„Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie“ lebt von seiner atmosphärischen Dichte. Die Hitze des Sommers, das Niedrigwasser des Rheins, die beklemmende Stille von Tatorten – all das verstärkt das Gefühl, dass das Böse nicht spektakulär, sondern leise und systematisch agiert. Es geht weniger um blutige Details als um die psychologische Dimension: Wie entsteht Gewalt? Wie funktioniert Manipulation in einer Partnerschaft? Und wie erkennt man ein Monster, das sich als normales Paar tarnt?

Der Roman ist damit ideal für Leserinnen und Leser, die Thriller mögen, aber auch Wert auf psychologische Tiefe und kriminalistische Authentizität legen. Er bietet Spannung, ohne in reine Effekthascherei abzurutschen. Stattdessen setzt er auf Analyse, Charakterzeichnung und das beklemmende Wissen, dass hinter scheinbar normalen Fassaden Abgründe lauern können.

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