Als Schauspielerin interessiert mich an einem Sujet in Hinblick auf die Entwicklung meiner Figur, dass es eine Ausgangslage gibt, die sich überraschend ändert. So komme ich in meinem Spiel dazu, innere Widersprüche zu erzählen, die, wie ich finde, den Menschen und das Leben ausmachen. Und das macht mir Freude.
Nina galt bisher als spröde, streng und kontrolliert. Wie haben Sie den Moment definiert, in dem ihre Fassade zu bröckeln beginnt?
Für mich ist Nina ein im besten Sinne unverbindlicher Mensch. Sie unternimmt keine Anstrengung, Menschen mit Freundlichkeit zu begegnen, wenn ihr nicht danach ist. Sie ist dadurch sehr gerade und direkt. Es gibt ihrerseits keine Transferleistungen, um anderen Menschen entgegenzukommen, zum Beispiel um unangenehme Situationen harmonisch zu gestalten. Sie übernimmt ausschließlich für ihr eigenes Handeln die Verantwortung und mutet anderen zu, dass sie dasselbe tun. Dadurch wirkt sie möglicherweise etwas spröde, wobei sie eigentlich nur sehr bei sich bleibt. Ich finde, sie hat keine „Fassade“, die „bröckeln“ könnte. In "Jagd in die Vergangenheit" gerät Nina allerdings sehr rasch aus dem Gleichgewicht. Ihre innere Stärke, die sich aus einer gewissen Stoik speist, beginnt zu wanken. Das kann man schon im ersten Drittel unseres zweiten Films an ihr beobachten.
Die Figur gerät in eine Identitätskrise – zwischen Loyalität, alten Familiengeheimnissen und ihrer Rolle als Polizistin. Wo haben Sie für diese innere Zerrissenheit persönlich angedockt?
Ich kenne keinen Menschen, der nicht wenigstens zeitweise durch innere Krisen schreiten muss, wahrscheinlich um zu wachsen. Innere Zerrissenheit und Widersprüche machen uns oft zu schaffen, lassen uns straucheln und lehren uns viel, bereichern aber auch unser emotionales Spektrum. Wie wir Spielerinnen und Spieler diese inneren Vorgänge ans Tageslicht befördern und in das Handeln, Denken und Fühlen unserer Figuren übersetzen, das ist für mich immer wieder ein magischer Moment. Wenn ich mehr darüber wüsste, würde ich es sagen.
Sie erzählen, dass die Regisseurin Aelrun Goette nun Nina mehr Sinnlichkeit und Zartheit geben wollte. Was hat diese neue Tonlage für Ihre Interpretation verändert?
Einerseits zeigt sich Nina nun verletzlicher und dadurch möglicherweise nahbarer. Andererseits kommt dadurch jedoch eine Facette der Figur möglicherweise in unserem zweiten Film etwas zu kurz, die ich mir persönlich für sie in Zukunft zurückwünsche: Ninas trockener Humor.
Parallel läuft die viel diskutierte Ménage-à-trois zwischen Nina, Tim und Felix weiter. Was glauben Sie: Wie bewusst spielt Nina mit der Situation – und wie viel entsteht eher aus emotionalen Bedürfnissen?
Ich denke, Nina nimmt die Dinge, wie sie kommen. Sie steuert und manipuliert nicht. Sie kontrolliert die Situation nicht, sondern lässt die Beziehungen entstehen und laufen. Solange sich niemand daran stört... Was sollte sie ändern und warum?
Zwischen Ihnen und André Hennicke entstehen extrem dichte, fast intime Szenen. Was macht sein Spiel für Sie als Partnerin so besonders?
André habe ich als einen wachen Geist erlebt, der voller Ideen für die zu spielenden Situationen steckt. Er arbeitet hochproduktiv und lösungsorientiert. Das macht natürlich viel Spaß am Set: viel Lust am Ausprobieren, Verwerfen, Neu-Erfinden.
Sie haben erneut eigene Actionszenen gedreht – diesmal sogar einen Tandemsprung aus 4000 Metern. Was zieht Sie zu diesen körperlichen Herausforderungen hin?
Seit 30 Jahren will ich einen Fallschirmsprung machen! Als Studentin konnte ich ihn mir allerdings schlicht nicht leisten, dann hatte ich viele Jahre zu wenig Zeit übrig, habe viel gearbeitet, und als schließlich unsere Kinder zur Welt kamen, schwand für lange Zeit mein Interesse an solchen Aktivitäten. Es war also im Frühling 2025 eine willkommene Gelegenheit, endlich einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Der freie Fall war unbeschreiblich schön. Eine gute neue Erfahrung. Grundsätzlich finde ich es aufregend, während der Arbeit an meine körperlichen Grenzen zu gehen, wann tut man das schon im Alltag?
Tolle Geschichte! Die Mecklenburgische Seenplatte spielt atmosphärisch fast eine eigene Rolle. Wie sehr hat dieser Sehnsuchts-Ort Ihr Spiel und das Gefühl für die Figur geprägt?
Da ich selbst aus meinem Fenster über weite Wiesen schaue, ist mir Ninas Blick über den See sehr nah. Man ist mittendrin in der Ruhe, im Paradies, im „Sehnsuchtsort". Und doch schaut man gern in die Ferne. In die Zukunft? In die Vergangenheit? Oder vielleicht nach innen?
Vielen Dank für Ihre Zeit!
«Nord bei Nordost» mit „Jagd in die Vergangenheit“ ist Donnerstag, den 8. Januar 2026, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Bereits seit Silvester 2025 ist der Film in der ARD Mediathek abrufbar.






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Praktikant im Bereich Redaktion in unserem Format "Shopping Queen" (m/w/d)
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