Die Kino-Kritiker

«Blues Brothers»

von   |  1 Kommentar

Seit 40 Jahren lassen sie es rocken!

Damals war das eine Rekordleistung, 103 Autos für einen einzigen Film zu Schrott zu fahren. Zwar wurden die «Blues Brothers» nur zwei Jahre später vom Podest gestoßen, aber während «Firebird Tornado» heute keine Sau mehr kennt, sind die beiden Brüder mit Sonnenbrille und schwarzem Anzug in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen. Und nicht nur das, sie sind Kult sie können auch heutige Zuschauergenerationen mit einem Fingerschnips in ihren Bann ziehen. Das hätte sich Dan Aykroyd («Ghostbusters») und John Belushi (†33, «1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood») sicherlich nicht träumen lassen, als sie die «Blues Brothers» einst aus der Taufe holten.

Als die Brüder Elwood und Jake Blues traten sie 1977 bereits in der TV-Show «Saturday Night Live» auf und verschafften sich damit eine so große Beliebtheit, dass sie mit ihrer Band immer öfters Konzerte gaben und schließlich ihr erstes Album veröffentlichten. Ein eigener Film war der nächste konsequente Schritt, und Regisseur John Landis («American Werewolf») durfte dann auch gleich 27 Mio. Dollar kosten – auch das war für das Jahr 1980 eine Rekordsumme, wenn man zum Vergleich «Das Imperium schlägt zurück» heranzieht. Das zweite «Star Wars»-Spektakel kam im gleichen Jahr in die Kinos und kostete ‚nur‘ 18 Mio. Dollar. Durch den frühen Drogentod von John Belushi kam es erst 1998 zur Fortsetzung «Blues Brothers 2000», die mit dem Original aber kaum mithalten konnte. Zur Freude aller Fans gibt es ersten Teil mittlerweile auch in einer um neun Minuten längeren ‚Director’s Cut‘-Version. Die Handlung wurde dadurch jedoch nicht bereichert.

Im Auftrag des Herrn
Als Jake Blues (John Belushi) aus dem Staatsgefängnis entlassen wird, wartet bereits sein Bruder Elwood (Dan Aykroyd) in einem ausgemusterten Polizeiwagen, Marke Dodge Monaco, auf ihn. Die beiden wollen dem Waisenhaus einen Besuch abstatten, in dem sie groß geworden sind. Dort müssen sie jedoch erfahren, dass diese kirchliche Anstalt geschlossen werden soll, weil 5000 Dollar für die Steuer fehlen. Die Blues Brothers wollen das Geld auftreiben, aber wie, wenn es aus legalem Wege passieren soll. In der Kirche kommt Jake die Erleuchtung: Sie wollen ihre alte Band reaktivieren und die erforderliche Summe mit einem großen Konzert einspielen.

So machen sie sich ‚im Auftrag des Herrn‘ auf die Suche nach den früheren Mitgliedern. Unterwegs legen sie sich mit Neo-Nazis an, liefern sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd durch ein Einkaufszentrum, und dann ist da noch Jakes Ex-Verlobte (Carrie Fisher, †60, «Star Wars»), die sich an ihm rächen will und etliche Anschläge verübt, die aber nicht von Erfolg gekrönt sind. Schließlich steht sie den Brüdern mit einem Sturmgewehr gegenüber, aber Jake versteht es, sie mit einem einzigen Blick wieder um den Finger zu wickeln.

Es gibt viel zu sehen, schauen wir es uns an!
Übrigens ist dies die einzige Szene, in der John Belushi für einen kurzen Moment die Sonnenbrille abnimmt. Zuvor wurde der Schauspieler sechs Tage auf Drogenentzug gesetzt, damit man ihm in der Szene keine Suchtanzeichen ansieht. Die der längeren Fassung ist auch Dan Aykroyd mal ohne Brille zu sehen. Doch wenn sie ihre Auftritte absolvieren, sind sie stets mit Augengläsern zu sehen. Ihre schmetternden Musiknummern tragen sicherlich dazu bei, dass der Film auch heute noch so viele Zuschauer aus den Sitzen reißt, und die ‚Blues Brothers‘ sind wahrlich nicht die einzigen, die es rocken lassen.

Legendäre Größen aus der Soul- und Rhythm & Blues-Musikszene unterbrechen die Handlung immer wieder mit gekonnten Gastauftritten, darunter James Brown (†73), Aretha Franklin (†76), Ray Charles (†73) und John Lee Hooker (†83), die alle nicht mehr unter uns weilen. Damit nicht genug, ließen sich auch John Landis Kollegen wie Steven Spielberg («E.T.») als Finanzbeamter oder Frank Oz («Die Muppets Show») als Gefängniswärter zu Kurzauftritten überreden. Es gibt in diesem Film also wirklich viel zu sehen, nicht zuletzt, weil die Story im Grunde genommen sehr simpel und eigentlich auch vorhersehbar ist.

Wie eine große Party
Aber darauf kommt es letztlich gar nicht an. Das Erfolgsrezept hinter «Blues Brothers» ist gewiss, dass einem der Film wie eine große Party vorkommt, auf der alles erlaubt zu sein scheint, was Spaß macht, manchmal aber am Rande der Illegalität abläuft. Dazu passt es dann auch, die Polizei immer wieder an der Nase herumzuführen. Das führt wiederum zu mehreren spektakulären Verfolgungsjagden und Autocrashs, die sich auch 40 Jahre danach wirklich noch sehen lassen können und uns Staune lassen.

Denn damals wurde alles noch echt gedreht, ohne Computertricks im Nachgang, was heutigen Actionkrachern wie «Fast & Furious» nicht mehr gelingen kann. Über allem steht aber die Komödie, denn die anarchischen Humor der «Blues Brothers» ist ansteckend und sollte auch den letzten Griesgram in gute Laune versetzen.

Fazit: 40 Jahre «Blues Brothers» – das muss gefeiert werden! Denn der Mix aus Musik, Action, Coolness und Komik ist immer wieder sehenswert. Also Sonnenbrillen auf!

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Torsten.Schaub
13.12.2020 11:16 Uhr 1
Nur ein Wort: Kult!

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