Die britische Feelgood-Komödie «Blinded by the Light» steht ganz im Zeichen des legendären Musikers Bruce Springsteen. Doch viele der kreativ inszenierten Einzelszenen sind besser als der Film im Gesamten.
«Blinded by the Light» hat einige herausragend-mitreißende (Musik-)Sequenzen zu bieten und lässt sich auch sonst stark von dem eingängigen Ohrwurm-Soundtrack mitreißen, der mit den Pet Shop Boys beginnt und von da an einen Bruce-Springsteen-Song nach dem anderen abfeuert. Die Szenen, in denen sich die Gedanken des von Viveik Kalra («Next of Kin») zwischen verträumt und aufbegehrend verkörperten Protagonisten Javed mit dem Inhalt der Lieder synchronisieren, muss man sich etwa so vorstellen: In einem emotional angespannten Moment – ganz gleich ob positiver oder negativer Natur – lauscht der junge Mann den Klängen des „Boss“ und plötzlich erwacht seine Umgebung wie von magischer Hand zum Leben. Da tanzen dann plötzlich die eben noch durchs offene Fenster geflogenen Seiten mit Javeds Gedichten im Licht der Straßenlaternen durch die Dunkelheit ("Dancing in the Dark“) oder eine Bildmontage von Javeds Reise in Bruce Springsteens Geburtsstadt Long Branch, New Yersey wird vom titelgebenden «Blinded by the Light» unterlegt, während das gleißende Sonnenlicht Javed und seinem besten Kumpel Roops ins Gesicht strahlt.
Die Szene auf dem Markt wird zugleich zum Höhepunkt von «Blinded by the Light» und erinnert, wie auch der Film im Gesamten, stark an einen musikalisch etwas beschränkteren «Sing Street», da hier ja eben vor allem auf die Stücke von Bruce Springsteen zurückgegriffen wird. In solchen Kniffen wie der Idee, besonders wichtige Lyrics schriftlich auf der Leinwand abzubilden, wie diese wortwörtlich um die Gedanken des Protagonisten kreisen, wären auch in John Carneys Ode an die Achtzigerjahre gut aufgehoben gewesen. Doch während der «Once»-Regisseur sich bei der Inszenierung von «Sing Street» zeitweise einfach treiben ließ und seine Hauptfiguren hin und wieder auch mal über die Strenge schlagen durften, wählt Gurinder Chadha für «Blinded by the Light» den Weg des geringsten Widerstandes. Ihrer Hauptfigur setzt sie das Klischeebild des um die (pakistanische) Tradition besorgten, äußerst strengen Vaters vor, gegen die sich Javed in den knapp zwei Stunden immer wieder zur Wehr setzen muss. Dass ihm das letztlich natürlich gelingt, steht außer Frage. Und das wäre im Kontext eines klassischen Feelgood-Films auch überhaupt nicht schlimm, würde Chadha das Finale nicht auch noch mit einem bemüht-rührseligen Monolog ihres Protagonisten füllen und den Vater zu allem Überfluss noch selbst zu einem angehenden Springsteen-Fan machen. 
Die Musik dagegen erfüllt ihren Zweck dann auch in Perfektion. Egal ob «Dancing in the Dark», «Badlands», «Cover Me» oder «Thunder Road», Gurinder Chadha gelingt es mit Leichtigkeit, all diese Evergreens in ihrem Film unterzubringen, sodass sich die Begeisterung für den „Boss“ von Javed direkt aufs Publikum überträgt. Damit hat «Blinded by the Light» vor allem der nur mäßig begeisternden Beatles-Fantasie «Yesterday» viel voraus, der sich vermutlich auch mit jeder anderen Band ebenso gut hätte umsetzen lassen. Javed und seine Freunde saugen die Springsteen-Songs dagegen mit jeder Körperfaser auf und lassen zu keinem Moment Zweifel daran aufkommen, dass es einzig und allein der zwölffache Emmy-Gewinner ist, der die Sorgen und Nöte seiner jungen Fans versteht. Doch genauso wie ein Film über Bruce Springsteen ist «Blinded by the Light» auch ein Film über das England in den späten Achtzigerjahren. Warme verwaschene Herbstfarben dominieren die Bilder von Kameramann Ben Smithard («Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand»), die den Eindruck erwecken, hier sei tatsächlich auf Film gedreht worden. 

• Bohemian Rhapsody • Kick it Like Backham • Rocketman • Yesterday • Blinded by the Light • Der Stern von Indien • The Dark Side of Porn • Next of Kin • Sing Street • Once • Dancing in the Dark • Badlands • Cover Me • Thunder Road
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