Sie sind wohl bis heuteste das berühmteste Komiker-Duo der Welt, nun setzt ihnen Regisseur Jon S. Baird mit «Stan & Ollie» ein berührendes Denkmal, das weniger noch als ihr Comedy-Talent vor allem die innige Freundschaft der beiden Hollywoodstars in den Mittelpunkt rückt.
In der aller ersten Szene von «Stan & Ollie» bewegen sich Stan Laurel und Oliver Hardy, über den Status Quo ihrer Karriere und das Hollywoodbusiness schwadronierend, durch ein Filmset. Es ist zwar fast ein wenig bedauerlich, dass ein solch starker Moment den Film eröffnet, denn so eröffnet Jon S. Baird Tür und Tor für Erwartungen, die der Film aller Qualitäten zum Trotz nie mehr ganz erreicht (kurzum: Beginnt ein Film mit der stärksten Sequenz überhaupt und bleibt anschließend nicht kontinuierlich auf ein und demselben Level, entlässt er einen zwangsläufig mit dem Gefühl, zum Ende hin abgebaut zu haben). Das bedeutet jedoch nicht, dass der inszenatorische Aufwand hinter dieser mehrere Minuten andauernden Szene mitsamt ihres Einfallsreichtums und ihrer Detailverliebtheit nicht trotzdem begeistert. Vielmehr wirft Jon S. Baird das Publikum direkt hinein in die Dekade der frühen Fünfzigerjahre und verhilft ihm zu dem Gefühl, mittendrin, statt nur dabei zu sein. Immer einen notwendigen Abstand zu den beiden Protagonisten haltend, sodass man von der liebevoll authentisch ausgestatteten Kulisse möglichst viel mitbekommt, kreiert Kameramann Laurie Rose («Friedhof der Kuscheltiere») ohne viel Aufwand Bilder, die ihn direkt in seine Dekade verfrachten.
Fast wie ein Fremdkörper wirken neben den Szenen möglichst kleiner Gesten und Bemerkungen die kurzen Einblicke in Laurels und Hardys Bühnenprogramm und Filmdreharbeiten. Für wenige Szenen sehen wir Dick und Doof, Stan und Ollie oder wie auch immer sie genannt wurden in Aktion; und da sich die beiden Hauptdarsteller Steve Coogan («The Dinner») und John C. Reilly («The Sisters Brothers») die Manierismen und Artikulation der großen Vorbilder perfekt angeeignet haben, muss man schon zweimal hinschauen, ob die Macher hier nicht einfach auf Archivmaterial des echten Komiker-Duos zurückgegriffen haben. Die beiden Hollywood-Großkaliber erweisen sich in ihren Hauptrollen als optimale Wahl – John C. Reilly wurde für seine Performance sogar für den Golden Globe als Bester Hauptdarsteller in einer Komödie nominiert. Wenngleich diese Wahl definitiv verdient ist, wundert sie doch zugleich aus zwei Gründen: Zum einen erschließt sich einem nicht ganz, weshalb Steve Coogan wiederum nicht berücksichtigt wurde (während sie beide in ihren Einzelszenen gleichermaßen stark sind, blühen sie doch gerade im Zusammenspiel erst so richtig auf).
Indem Drehbuchautor Jeff Pope («Philomena») die Geschichte basierend auf A.J. Marriots Buch «Laurel & Hardy – The British Tours» nach der glanzvollen Zeit der beiden Protagonisten als „Könige der Hollywoodkomödie“ ansetzt, ist «Stan & Ollie» zwar nicht direkt ein Film übers Scheitern. Dafür waren Stan Laurel und Oliver Hardy in ihrer Zeit als tourende Bühnenkomiker einfach noch viel zu erfolgreich. Gleichzeitig konzentriert sich das Biopic ganz klar darauf, was die Berühmtheit und der Erfolg mit den Charakteren gemacht hat und nicht, wie das Duo ebenjenen Erfolg überhaupt erreicht hat. Dies hat viele tragische Momente zur Folge. Vor allem der Einbezug der beiden Ehefrauen Lucille Hardy (Shirley Henderson) und Ida Laurel (Nina Arianda), die ihren Gatten die Zeit auf der Bühne nicht nehmen wollen, diese jedoch um nichts in der Welt an die Unterhaltungsmaschinerie verlieren wollen, verhilft der Geschichte noch einmal zu ganz neuer Tiefe – selbst wenn Henderson («Okja») und Arianda («Florence Foster Jenkins») ihre Rollen bisweilen ein wenig bevormundend anlegen. 

• Stan & Ollie • Drecksau • Friedhof der Kuscheltiere • The Dinner • The Sisters Brothers • Philomena • Laurel & Hardy – The British Tours • Okja • Florence Foster Jenkins
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