Lust auf intellektuellen Elendstourismus mit vielen jungen, gut aussehenden und aufmerksamkeitshungrigen Menschen? Dann war man am Mittwochabend exzellent bei der neuen RTL-Show aufgehoben. Und bei Lichte betrachtet dürfte der Rest ohnehin einen großen Bogen um dieses Trash-Feuerwerk der besonders aufdringlichen Art und Weise gemacht haben.
Und ansonsten bekommt man halt das geboten, was man erwarten kann, wenn man eine Auswahl der "bekanntesten" Kandidaten in ein thailändisches Resort verfrachtet und sie in freier Wildbahn filmt: Sehr, sehr zahlreiche Verbalimpulse mit sehr, sehr überschaubarem Gehalt und sehr, sehr emsiges Streben nach Aufmerksamkeit. Denn natürlich geht es wie immer nicht darum, irgendwas mit Liebe zu finden, sondern einzig und alleine um Publicity und vielleicht noch um einen von RTL gestellten Urlaub an einem Ort, an dem man sonst vermutlich nur Zaungast wäre. Das ist rein rational für die Fraktion "mit dem Können hab ichs nicht so, aber ich bin sehr gerne" nachvollziehbar, aber für einen Großteil der potenziellen Zuschauer eben auch reichlich anstrengend, wenn man einem weitgehend gleichgeschalteten Haufen junger Profilneurotiker dabei zuzusehen hat, wie sie einander anzicken und anflirten, um am Ende bloß nicht allzu häufig dem gnadenlosen Cutter von Warner Bros. zum Opfer zu fallen.
Die Frage ist bei all dem aber eher, ob man davon nach «Bachelor(ette)», «Adam sucht Eva», «Love Island» und Konsorten wirklich noch eine Show braucht, die nach diesem erwartbaren Strickmuster verläuft und eher die Persiflage auf eine Dating-Show als eine eben solche ist. Fernab aller qualitativen Aspekte, über die man hier ohnehin nicht wirklich diskutieren muss, da die Sendung trashiges Voyeuristen-Fernsehen mit Dummfug-Garantie sein möchte und es eine (oft gar nicht mal so intellektuell schlichte) Fan-Gemeinde gibt, die so etwas wohldosiert sehr gerne genießt. Muss man nicht nachempfinden können, der Autor dieses Artikels kann es fernab des allerdings auch "intelligenteren Trash" darstellenden Dschungelcamps auch nicht wirklich, aber die Nachfrage ist da. Und gerade für Werbefinanzierte ist es legitim, sie zu stillen.
Was dem «Bachelor in Paradise» aber abgeht, ist ein wirklicher USP in seinem Segment. Die Protagonisten sind bekannt und bereits ein Stück weit "verbraucht" als Trash-Protagonisten, der Ablauf der Show ähnelt dem Original in vielen Aspekten doch sehr und die die ritualisierte Rosengewächs-Übergabe am Ende der Show besitzt eher den Thrill eines dreistündigen Aufenthalts im Wartezimmer beim Zahnarzt. Man wird schon wieder neue Fame-geile Machos und Luder dargeboten bekommen, die das ausgeschiedene Menschen-Imitat gleichwertig ersetzen, da kann man sich nach all den Jahren sicher sein. Wo «Team Ninja Warrior Germany» aktuell zeigt, dass zu viel des Guten nicht zwangsläufig wunderbar sein muss, hat dieses Format das Potenzial, unter Beweis zu stellen, dass eine Anhäufung von Trash auch nicht zwingend zu einer numerischen Blumenwiese bei der Quotenmessung geraten muss.
Und für Menschen - falls existent -, die nach einer «Bachelor(ette)»-Staffel tatsächlich wehmütig auf die unterhaltsamsten Gestalten zurückblicken, die in den Wochen zuvor ihre Nichtgedanken mit Fernsehdeutschland geteilt haben, kann die Show auch tatsächlich so eine Art Traum erfüllen. Unerschütterliche Ritter des Trashs, die nie zu viel bekommen können von den Abgründen des TVs, dürften sich hier also gut aufgehoben fühlen. Wer hingegen eher mal so unverbindlich zwischendurch nach einem harten Tag in diese Unterhaltungsformen reinschaut, um den Frontalcortex zu entlasten, dürfte in den kommenden Wochen noch unverbindlicher und sporadischer reinschauen, denn im Grunde gibt es hier wenig bis gar nichts zu sehen. Zumindest nichts, was man nicht schon das eine oder andere Mal an anderer Stelle gesehen hat.• Adam sucht Eva • Bachelor in Paradise • Bachelor(ette • Bachelor(ette) • Der Bachelor • Die Bachelorette • Jenke macht Mut • Love Island • Team Ninja Warrior Germany
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel