Die Kino-Kritiker

«Der gestiefelte Kater»

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Erfahren Sie in unserer Kino-Kritik, wie sich «Der gestiefelte Kater» in seinem Solo-Abenteuer schlägt, und ob sich der 3D-Aufpreis lohnt.

Die Filme rund um den Oger Shrek mögen zwar auch in der vierten Runde enorme Kassenschlager gewesen sein, glaubt man den Bewertungen auf Filmportalen wie IMDb, verlor das grüne Ungetüm jedoch nach der zweiten Runde enorm an Publikumsgunst. Bei den Kritikern kamen «Shrek der Dritte» und «Für immer Shrek» kaum noch auf einen grünen Zweig. Deswegen war es kein großer Verlust, als DreamWorks Animation im Sommer 2009 bekannt gab, die Kinoreihe bereits mit Teil 4 zu beenden, statt wie zuvor vermeldet mit einem fünften Film.

Am längst angekündigten Spin-Off rund um den gestiefelten Kater hielt man hingegen fest. Jetzt tigert also Antonio Banderas' kleiner Degenheld ohne rülpsenden Anhang in die Kinos, weshalb es folgende Frage zu beantworten gilt: Kann der als Nebenfigur konzipierte Publikumsliebling auf eigenen Pfoten stehen? Oder verliert der schnurrende Streuner auf Dauer an Witz?

Von der Märchenparodie zur Märchenaction


Nun aber genug mit den Katzen-Wortspielereien. Diese werden der jüngsten DreamWorks-Produktion nämlich nicht gerecht. Üblicherweise enden Spin-Offs rund um Nebenfiguren in reine Gagparaden, wie etwa «Abenteuer mit Timon & Pumbaa» oder «Die Pinguine aus Madagascar» zeigen. «Der gestiefelte Kater» hingegen versucht sich als amüsantes Trickfilmabenteuer und verzichtet darauf, alberner, verrückter und flotter als die «Shrek»-Reihe sein zu wollen. Und dass weniger mehr sein kann, bewahrheitet sich auch in diesem Falle. Davon befreit, eine frechere oder überdrehtere Märchenparodie als «Shrek» schaffen zu müssen, schufen die Macher von «Der gestiefelte Kater» eine überaus kurzweilige Märchen-Abenteuerkomödie.

Lange, bevor der gestiefelte Kater auf Shrek traf, streunte er durch die Welt, verführte Katzen und raubte sich durchs Leben. Eigentlich war er ein artiges Kätzchen, aber ein folgenschweres Jugenderlebnis drängte ihn in die Kriminalität. Sein neustes Ziel sind die magischen Bohnen des Verbrecherpaars Jack und Jill. Diese sollen ins Reich der goldenen Gans führen. Bei diesem Abenteuer muss sich der Kater mit der galanten Diebin Kitty Samtpfote und seinem Jugendfreund Humpty Dumpty zusammentun. Während der Kater für Kitty eine Schwäche entwickelt, sind die Bande zu Humpty Dumpty seit Jahren belastet. Aber die gemeinsame Mission kann keinen Streit erdulden ...

Diese Geschichte spielt zwar im «Shrek»-Universum, entfaltet sich stilistisch aber viel eher zu einer kinderfreundlicheren und mit Märchenelementen versetzten Variante solcher moderner Abenteuerfilme wie «Fluch der Karibik» oder den «Zorro»-Filmen mit Antonio Banderas. Auf den maskierten Rächer, den Banderas nunmehr zweimal häufiger parodierte als verkörperte, gibt es für das etwas ältere Publikum auch zahlreiche Anspielungen. Ebenso, wie auf Robert Rodriguez' Tex-Mex-Actioner «Desperado» und dessen Fortsetzung «Irgendwann in Mexiko», in denen ebenfalls Kater-Sprecher Banderas und Kitty-Sprecherin Salma Hayek zusammen auftraten. Märchen werden, anders als in «Shrek», kaum parodiert, sondern bieten vornehmlich in abgewandelter Form den mythologischen Nährboden des Films. Die so gewonnene Geschichte gewinnt zwar keinesfalls Originalitätspreise, ist aber ein grundsolider Hintergrund, vor dem die charismatischen (Anti-)Helden durch gut inszenierte Action sausen und sowohl mit liebenswürdigem, als auch ab und an feistem Humor amüsieren.

Wie in «Shrek 2 – 4» gewinnt «Der gestiefelte Kater» sehr viel seines Humors daraus, wie ernst der tierische Held präsentiert wird, und wie diese Aura des kernigen Degenhelden durch immer wieder aufglimmerndes, katzenhaftes Verhalten untergraben wird. Wenn der gestiefelte Kater etwa einer Lichtreflexion nachjagt, ist dies dank der großartigen Animation und dem treffenden Timing trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit urkomisch.

Der inhaltlich größte Fauxpas ist, dass Regisseur Chris Miller das action- und witzreiche Abenteuer für eine ausführliche Rückblende unterbricht. Diese vertieft zwar die Beziehung zwischen Humpty Dumpty und dem Kater, wird jedoch länger als dazu nötig ausgewalzt, so dass die Dringlichkeit des Abenteuers in Vergessenheit und der ansonsten energiereiche Film vorübergehend aus dem Takt gerät.

Ein Kater in 3D


Bei vielen 3D-Filmen lässt sich die Bewertung des räumlichen Effekts mittlerweile auf ein simples „Wer 3D mag, wird zufrieden sein, wer es nicht mag, versäumt nichts in der 2D-Vorstellung“ reduzieren. Ausnahme bilden gelegentlich einige schlecht konvertierte 2D-Filme und die rar gesäten, absoluten 3D-Highlights wie «Drachenzähmen leicht gemacht». «Der gestiefelte Kater» zählt zu eben jenen Höhepunkten der 3D-Technologie, die wohl auch so manche Zweifler überzeugen könnten.

Das 3D in dieser sehr gut animierten CGI-Produktion ist gestochen scharf und bietet obendrein ein farbenfrohes Bild, wie es einige andere 3D-Filme vermissen lassen. Was vor allem für die 3D-Fassung spricht, sind die beeindruckenden Licht- und Schatteneffekte sowie die engagierte Detailarbeit in «Der gestiefelte Kater»: In Settings wie Untergrundspelunken oder abgehalfterten Spelunken wirbeln Staubpartikel durchs Bild, Landschaftsaufnahmen ragen weit in Leinwand hinein – technisch ist «Der gestiefelte Kater» auf äußerst hohem Niveau und erhält durch das gelungene 3D einen unerwarteten Grad an Realismus. Und natürlich werden bei Gelegenheit in Actionszenen auch Pop-Up-Effekte genutzt, welche allerdings zu keinem Zeitpunkt penetrant werden und aus der Geschichte herausreißen.

Musikalisch wird das gelungene Latinosetting des Kater-Abenteuers durch einen mitreißenden Score von Henry Jackman («Kick-Ass») unterstrichen. Jackman erschafft zwar keine Ohrwurm-Melodien, dennoch verleihen seine Kompositionen dem Film zusätzliche Würze; nicht zuletzt aufgrund eingestreuter Gitarreneinlagen des Duos Rodrigo y Gabriela, die auch an der Musik von «Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten» beteiligt waren.

Fazit: «Der gestiefelte Kater» bemüht sich weniger verzweifelt um Schenkelklopfer, als die letzten «Shrek»-Filme, wodurch der Humor dieses Spin-Offs wesentlich treffsicher ist. Die Abenteuergeschichte birgt nichts neues, wird aber engagiert erzählt und kann dank ihres Witzes, dem liebenswürdigen Titelhelden und gelungener Optik trotz so mancher Vorhersagbarkeiten gut unterhalten.

«Der gestiefelte Kater» ist seit dem 8. Dezember in vielen deutschen Kinos in 2D und 3D zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/53711
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