Mich beeindrucken die Menschen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Verbrechen zu klären. Die Ermittler und Ermittlerinnen, die ich bei «XY Gelöst» treffe, arbeiten mit Gespür, Durchhaltevermögen und Leidenschaft daran, die Täter zu fassen. Oft sind die Ansätze so spärlich, dass es Jahre dauert, bis es bei den Ermittlungen zum Durchbruch kommt. Die Fälle anhand dieser Arbeit zu begleiten ist mich für faszinierend.
Die neuen Folgen machen deutlich, dass Beharrlichkeit, moderne Kriminaltechnik und manchmal auch ein einzelner Hinweis den entscheidenden Unterschied machen können. Welche dieser Komponenten beeindruckt Sie immer wieder aufs Neue?
Dass sich die Technik Kriminalwissenschaft verändert hat und ständig ändert, ist ja bekannt. Aber wir können anders als im Krimi hinter die Kulissen schauen und zeigen, dass eine Funkzellenabfrage alleine noch keinen Fall löst. Es sind die Menschen, die die Technik steuern müssen. Im Fall der unbekannten Leiche in Jena war es das Gebiss, das der Frau eine Identität gab. Über die Person fanden die Ermittler dann auch den Mörder.
Ich finde aber auch immer wieder spannend, wie Hinweise und Zeugenaussagen einzuschätzen sind und manchmal nach vielen Jahren anders betrachtet werden. Ich finde, wir sollten wieder lernen, unser Umfeld aufmerksamen zu verfolgen und zu beobachten. Wenn wir uns wieder mehr für einander Interessieren und aufeinander aufpassen, können viele Verbrechen verhindert oder auch gelöst werden...
Die Reihe erreicht regelmäßig außergewöhnlich starke Quoten, gerade im Sommer, wenn viele Formate traditionell schwächer laufen. Worin liegt aus Ihrer Sicht die besondere Faszination von «XY gelöst»?
Ich bin auch immer wieder überrascht, dass die Realität für viele Zuschauerinnen und Zuschauer mindestens genauso spannend ist, wie ein Krimi. Wir geben den Menschen mit «XY gelöst» einen Blick durchs Schlüsselloch und zeigen, wie es wirklich passiert ist. Sogar in gewissem Sinne mit einer Art "Happy End". Auch wenn ein aufgeklärtes Verbrechen niemanden mehr lebendig macht, aber es zeigt, dass am Ende das Gute siegt. Und das ist ein Gefühl, das uns allen Halt geben kann. Ich glaube aber auch, dass der Wunsch nach Sicherheit uns alle umtreibt. Das ist ein starkes Motiv und zu schauen.
Anders als klassische True-Crime-Formate erzählt «XY gelöst» ausschließlich Fälle, die tatsächlich aufgeklärt wurden. Wie wichtig ist dieser Aspekt für das Vertrauen der Zuschauer?
Mein Mutter sagt immer: "Ich schau mir lieber gelöst an, da weiß ich, dass die Täter gefasst wurden.“ Das kann ich verstehen. Ich finde, dass «XY gelöst» die perfekte Ergänzung zu «Aktenzeichen XY… ungelöst» ist. Wie zeigen, was aus den Fällen wurde und auch, dass die Mithilfe der Zuschauerinnen und Zuschauer nie vergebens ist. Im Gegenteil, über eine Fernsehsendung auf die Mithilfe von Millionen Menschen zu Vertrauen ist das Klügste, was man bei der Verbrechensbekämpfung machen kann.
In den neuen Folgen sprechen Sie wieder mit Ermittlern, Sachverständigen und Beteiligten. Gab es ein Gespräch, das Sie persönlich besonders bewegt hat?
Oft haben wir die Gelegenheit, mit Angehörigen zu sprechen, das ist immer besonders ergreifend, weil man sich dann zumindest im Ansatz in die Situation versetzen kann, wie es ist, einen Menschen durch ein brutales Verbrechen zu verlieren.
Mindestens genauso stark beeindrucken mich die Gespräche mit den Ermittlern. Zu spüren, dass sie auch nach Jahren kein Detail vergessen haben und der Fall sie immer noch bewegt, lässt mich oft ganz schwer schlucken.
Die Fälle reichen von jahrzehntealten Cold Cases bis zu Serienverbrechen. Wie gelingt es, die Spannung aufrechtzuerhalten, obwohl das Ende – die Aufklärung – bereits feststeht?
Keine Frage, die Realität ist brutal genug. Wir halten uns an die Fakten, aber auch die Emotionen, die bei solchen Verbrechen eine Rolle spielen, kommen bei uns nicht zu kurz. Am Ende machen wir aber Fernsehen und da gehört eine spannende Erzählweise dazu. Wir haben gerade in dieser Staffel viel Wert auf die sogenannten Re-Enactment gelegt, also die Spielszenen. Wir haben super Schauspieler gefunden und eine exzellente Regie! Ich finde, das spürt man.
Besonders eindrucksvoll ist, wie moderne DNA-Analysen oder neue kriminalistische Methoden alte Ermittlungen plötzlich wieder in Bewegung bringen. Hat sich Ihr Blick auf Polizeiarbeit durch «XY gelöst» verändert?
Wir geben der oft abstrakten Polizeiarbeit ein Gesicht. Für «XY gelöst» schaue ich hinter die Kulissen der Verbrechensbekämpfung. Da nehme ich schon auch viel mit für meinen Alltag. Wenn ich die Folgen mit meinen Kindern schauen, ergeben sich viele Fragen. Da wird mir klar, dass es wichtig ist, mit unseren Sendungen den Zusammenhang zu unserem Leben herzustellen. Aufmerksam sein, ohne Angst zu haben, ist eine wichtige Botschaft.
Viele der Ermittler begleiten ungelöste Fälle über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Was haben Sie über die emotionale Belastung gelernt, die solche Verfahren für Polizistinnen und Polizisten bedeuten?
Im Krimi wird das oft überzogen. Polizisten, die mit dem Fall nicht klar kommen und selber Schwierigkeiten haben. Auch die Ermittlerinnen und Ermittler sind Menschen. Empathie und Erfahrung sind wichtig, aber im richtigen Moment die Fakten zu betrachten und die richtigen Schlüsse zu ziehen, macht eine erfolgreiche Ermittlung aus. Mich beeindrucken die Momente, in denen das Bauchgefühl eine Rolle spielt.
In mehreren Folgen geht es auch um die Folgen von Gewalt für Opfer und Angehörige. Warum ist es Ihnen wichtig, dass diese Perspektive ebenso viel Raum erhält wie die eigentlichen Ermittlungen?
Wir informieren die Angehörigen über unser Vorhaben, die Fall nochmal aufleben zu lassen. Meistens finden sie das gut, weil sie die Hoffnung haben, andere Menschen vor Verbrechen zu schützen. Die Perspektive der Opfer ist also sehr wichtig. Immer wieder hören wir, wie entscheidend es ist für das "Weiterleben", dass Angehörige einen Abschluss finden und eine Antwort auf das "Warum".
Sie moderieren seit vielen Jahren das «aktuelle sportstudio» und stehen inzwischen auch für True-Crime-Formate vor der Kamera. Was unterscheidet diese beiden Welten und gibt es dennoch Gemeinsamkeiten?
Es geht auch im Sport und Gerechtigkeit. Der Bessere soll gewinnen. Das ist für mich bei «XY» genauso entscheiden. Kein Verbrechen darf ungeklärt bleiben. Die Guten müssen am Ende gewinnen. Gerechtigkeit siegen.
Mit «XY gelöst» und «XY history» haben Sie sich zu einem der prägenden Gesichter der Marke «Aktenzeichen XY» entwickelt. Welche Verantwortung empfinden Sie dabei gegenüber den Betroffenen und dem Publikum?
Die Verantwortung besteht vor allem darin, dass wir die Fälle so darstellen, wie sie waren. Da geht es um Glaubwürdigkeit. Wir zeigen keine Gewalt, um Gewalt zu zeigen. Und wir sind auch nicht dafür da, um das Image der Polizei aufzupolieren. Aber wenn Ermittlerinnen und Ermittler erst dann zufrieden sind, wenn sie das Verbrechen aufgeklärt haben, dann ist das ein starkes Signal und stärkt das Vertrauen in unsere Sicherheit. Und das sollen unsere Zuschauer auch mitbekommen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Jeweils zwei neue Folgen von «XY gelöst» sind am 16. September und 25. November im ZDF zu sehen.







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