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Ben und Melanie Amann streiten über Höcke: ‚Du gibst dem Höcke das Mikro‘

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Bei «Ungeskriptet» lieferten sich YouTuber Ben und Melanie Amann eine hitzige Grundsatzdebatte darüber, ob Gespräche mit Björn Höcke offen und unkommentiert geführt oder journalistisch stärker eingeordnet werden müssen.

Im Podcast «Ungeskriptet» traf YouTuber Ben auf die frühere „Spiegel“-Vizechefredakteurin Melanie Amann – und heraus kam eine fast zweistündige Debatte über Journalismus, Verantwortung und den Umgang mit Björn Höcke. Dabei gerieten beide immer wieder fundamental aneinander. Bereits zu Beginn schilderte Ben, wie massiv vor dem Gespräch mit Amann gewarnt worden sei. „Die stellt dir eine Falle“, habe es aus seinem Umfeld geheißen. Die Journalistin reagierte darauf gelassen und erklärte ihre Arbeitsweise: „Ich bin vielleicht vom Jurastudium ein eher systematischer, strukturierter Typ und für mich gibt das auch Sicherheit, alles aufgeschrieben zu haben.“

Im Zentrum der Diskussion stand anschließend Bens Gespräch mit Höcke, das millionenfach geklickt wurde. Amann kritisierte scharf, dass zentrale Aussagen des AfD-Politikers unwidersprochen geblieben seien. Besonders störte sie eine Passage, in der Höcke von einem „Mordkomplott gegen die Deutschen“ sprach. Wörtlich sagte sie zu Ben: „Du stehst in der Arena und du gibst dem Höcke das Mikro und sagst erzähl doch mal.“ Anschließend fragte sie: „Warum fragst du in dem Moment nicht nach? Mordkomplott? Really?“

Ben verteidigte seinen Stil dagegen vehement. Er sehe sich nicht als klassischer Journalist, sondern eher als Gastgeber. „Ich fühle mich eher als Gastgeber. Du bist Gast in meinem Haus“, erklärte er. Kritische Unterbrechungen würden aus seiner Sicht den gesamten Gesprächsfluss zerstören. „Der Punkt, wo ich erkennbar eine Kritik übe, geht das ganze Gespräch in eine Rechtfertigungshaltung. Und das möchte ich nicht“, führte er weiter aus.

Amann widersprach dieser Sichtweise deutlich. Für sie bestehe die Aufgabe von Journalisten gerade darin, Aussagen einzuordnen. „Du sollst nicht den Leuten sagen, was sie denken sollen. Du sollst aber auch nicht sie alleine lassen mit der Story und dem Frame der anderen“, erklärte sie. Später ergänzte sie: „Dann hast du den Journalismus nur zur Hälfte gemacht.“

Ben wiederum kritisierte den heutigen Medienbetrieb grundsätzlich. Viele Journalisten würden sich aus seiner Sicht „berufen fühlen in eine Position über das Volk“. Außerdem sagte er: „Die Leute haben gesagt: ‚Ey Junge, du machst das ja besser als die.‘“ Gerade deshalb hätten sich immer mehr Zuschauer seinem Format zugewandt.

Amann zeigte sich darüber durchaus nachdenklich. „Mich macht’s traurig, dass wir offensichtlich die Aufgabe, die wir haben, nicht so erfüllen, dass die Leute sich davon abgeholt fühlen“, räumte sie ein. Gleichzeitig verteidigte sie die Arbeit klassischer Medienhäuser ausdrücklich: „Die allermeisten Leute gehen raus und versuchen das, was sie wahrnehmen, so wahrheitsgemäß wie möglich zu verbreiten.“

Auch über ihre eigene Zeit als AfD-Reporterin sprach die heutige Funke-Journalistin offen. Sie sei damals „super vernetzt“ gewesen und habe regelmäßig mit führenden Parteimitgliedern gesprochen. Über Alexander Gauland sagte sie sogar: „Ich war regelmäßig mit Alexander Gauland Mittagessen in seinem italienischen Lieblingslokal in Potsdam.“ Gleichzeitig betonte sie aber, dass Nähe nie bedeutet habe, unkritisch zu berichten. Immer wieder wurde deutlich, dass beide völlig unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie politische Gespräche geführt werden sollten. Während Ben möglichst offene Gespräche ohne Unterbrechungen bevorzugt, sieht Amann genau darin eine Gefahr. „Die Leute da draußen sehen dich ja als eine Informationsquelle, die besser ist als der Spiegel, die besser ist als ARD und ZDF“, hielt sie ihm entgegen. Deshalb könne er sich der Verantwortung nicht entziehen.



Nach dem gemeinsamen Gespräch auf Bens Kanal setzte Melanie Amann die Debatte im eigenen Podcast «Aman Unframed» fort – und verteidigte dort erneut ihre Kritik am Umgang des YouTubers mit Björn Höcke. Gleichzeitig zeigte sie aber auch Verständnis für die enorme Reichweite von «Ungeskriptet».

Schon zu Beginn machte Amann deutlich, wie kontrovers sie Bens Rolle wahrnimmt. Sie fragte erneut, wie er mit seiner Verantwortung umgehe, wenn Millionen Menschen seine Gespräche als Informationsquelle nutzten. Gleichzeitig stellte sie offen die wirtschaftliche Dimension des Formats infrage: „Hier in deinen Gesprächen bist du irgendwie so der Sunny Boy, der einfach mal reden will. Aber du bist ja auch ein knallharter Geschäftsmann. In erster Linie steht doch erstmal die Frage, mit welchem Gast kann ich wie viel Geld verdienen, oder?“

Ben verteidigte sich erneut gegen den Vorwurf, Rechtsextremismus zu normalisieren. Er erklärte, dass weder er noch klassische Medien versuchen sollten, sich gegenseitig zu kopieren: „Wenn ich so tue, als wäre ich Journalist, wäre ich das schlecht und wenn ihr so tut, als wärt ihr der Ben, seid ihr auch schlecht.“ Besonders ausführlich diskutierten beide über die mediale Darstellung Höckes. Amann kritisierte, dass Ben zwar die menschliche Seite des Politikers zeige, gleichzeitig aber problematische Inhalte ausblende. „Aber das dann gar nicht zu thematisieren und sozusagen nur diese weichgespülte Seite zu zeigen, dass er gerne Fahrrad fährt und Holzhackt oder so, das ist halt echt Verharmlosung“, sagte sie.

Ben hielt dagegen und verwies auf die enorme Resonanz des Podcasts. Das eigentlich Überraschende an dem Gespräch sei gewesen, „dass der unspektakulär war“. Viele Zuschauer hätten nach Jahren der Warnungen plötzlich einen Politiker gesehen, der ruhig und kontrolliert auftrete. „Die Leute haben gesagt: ‘Junge, der kann ja einen ganzen Satz bilden, der fällt nicht um. Der ist charismatisch.’“ Amann versuchte daraufhin zu erklären, warum viele Journalisten auf das Gespräch so empfindlich reagiert hätten. Sie verglich Höcke mit einem erfolgreichen Kampfsportler, von dem alle Insider wüssten, „dass der dirty fightet“. Genau deshalb entstehe bei Journalisten Frust, wenn ein Gespräch fast ausschließlich die sympathische Seite eines Politikers zeige.

Interessant wurde das Gespräch auch, als beide über konkrete Medienberichte sprachen. Ben warf dem "Spiegel" und anderen Redaktionen vor, ihn bewusst negativ dargestellt zu haben. So kritisierte er unter anderem ein Porträt, das alte Aussagen aus seiner Vergangenheit aufgegriffen habe. „Es ging darum, das ganze Ding so negativ wie möglich zu machen“, erklärte er. Amann zeigte dafür teilweise Verständnis und berichtete von eigenen Erfahrungen mit Medienberichterstattung. Besonders ein Artikel der "taz" habe sie nachhaltig geprägt. „Ich dachte echt so: ‘Sag mal, habt ihr sie noch alle?’“, sagte sie rückblickend über eine Geschichte, in der ihre private Wohnungssituation problematisiert worden sei. Diese Erfahrungen hätten sie sensibler dafür gemacht, wie sich Berichterstattung für Betroffene anfühle.


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