Als wäre ich nie weg gewesen. Die Begrüßung war so herzlich - von den alten wie von den neuen Kolleginnen und Kollegen. Das hat mich wirklich berührt. Die Geschichte, dass beim «Sturm» alle wie eine Familie sind, die stimmt.
Gerry hat sich in der Türkei ein neues Leben aufgebaut, ist verheiratet und selbstständiger geworden. Wie sind Sie schauspielerisch an eine Entwicklung herangegangen, die weder das Publikum noch Sie selbst miterlebt haben?
Die Anfrage kam sehr kurzfristig. Ich war gerade auf Theatertournee, viel Vorbereitungszeit hatte ich daher nicht. Deshalb habe ich mir vor allem Fragen gestellt. Die Drehbücher und die Gespräche mit Dramaturgie und Regie haben dabei sehr geholfen. Mir wurde klar: Gerry ist in der Türkei angekommen. Die Ehe mit Shirin hat ihm Stabilität und eine gewisse Reife gegeben.
Sie haben gesagt, die Frage „Wer ist Gerry jetzt?" habe Sie besonders beschäftigt. Was ist für Sie der Kern dieser Figur geblieben – trotz aller Veränderungen?
Seine Direktheit. Manche würden das vielleicht als Naivität abtun, aber ihm und seinem Umfeld eröffnet das ungewöhnliche Perspektiven. Er geht sehr offen durch die Welt, hat aber auch einen festen moralischen Kompass. Das macht ihn besonders pur und einen großen Teil seines Kerns aus.
Gerry war 2021 eine der ersten Figuren im deutschen Serienfernsehen, die neurodivergent erzählt wurden und beim Publikum große Resonanz ausgelöst haben. Spüren Sie bis heute eine besondere Verantwortung im Umgang mit dieser Rolle?
Absolut. Als Schauspieler will ich natürlich meinem Anspruch gerecht bleiben und vor allem eine Figur wie Gerry differenziert und respektvoll darstellen - als Mensch, nicht als Stereotyp. Anfangs hab ich mich diesbezüglich sehr unter Druck gesetzt, weil damit eine sehr große Verantwortung einhergeht. Umso berührender war die positive Resonanz. Vor allem von Menschen, die sich durch Gerry gesehen fühlen. Das bedeutet mir sehr viel.
Ihr Gastauftritt ist zunächst als kurzer Besuch angelegt, verlängert sich aber – typisch für «Sturm der Liebe». Was hat Sie persönlich gereizt, noch einmal in diese Serienwelt einzutauchen?
Ganz ehrlich: Die Umstände waren zunächst alles andere als schön. Meine liebe Kollegin und Freundin Tanja Lanäus hatte einen ziemlich heftigen Unfall und fiel auf unbestimmte Zeit aus. Die Produktion brauchte innerhalb einer Woche eine Lösung. Da Gerry mit Yvonnes Mann Erik befreundet ist, lag es nahe, ihn zurückzuholen. Ich fand die Idee großartig, spontan zurückzukehren. Nicht nur um der Produktion zu helfen, sondern auch mal wieder in eine Figur zu schlüpfen, die ich lange nicht gespielt hatte.
Neben emotionalen Momenten bringt Gerry auch Leichtigkeit und Humor zurück an den Fürstenhof, etwa beim Betriebsfest oder im Café. Wie wichtig ist Ihnen diese Mischung aus Wärme, Witz und Sensibilität?
Sehr wichtig. Als ich die Figur entwickelt habe, musste ich oft an meinen Zivildienst beim Behindertenfahrdienst zurückdenken. Die Menschen, denen ich dort begegnet bin, haben eine ganz eigene Qualität. Sie nennen Dinge beim Namen, weil bestimmte Filter fehlen oder sie die Welt anders wahrnehmen. Wir haben so viel miteinander gelacht. Das gehört für mich zu Inklusion; anzuerkennen, dass wir alle miteinander lachen können, ohne dass Mitleid oder Überheblichkeit eine Begegnung bestimmt.
In Ihrer Vita finden sich viele Theater- und Musiktheaterarbeiten, von „Woyzeck" bis „Next to Normal". Was gibt Ihnen das serielle Erzählen im Fernsehen, das die Bühne nicht leisten kann – und umgekehrt?
Der größte Unterschied ist die Unmittelbarkeit. Im Theater bekommst du direktes Feedback vom Publikum und reagierst darauf in Echtzeit. Im Fernsehen kommt das Feedback erst später. Auch die Arbeit selbst ist anders: Beim Drehen kannst du Szenen wiederholen, verfeinern oder totreiten - das kann Segen oder Fluch sein. Im Theater hast du diese Chance nicht. Da probst du sechs Wochen und am Premierenabend muss es funktionieren. Für mich hat beides seinen eigenen Reiz.
Gerry ist für seine besondere Sprache, sein Tempo und seine Wahrnehmung bekannt. Wie sehr mussten Sie Ihre sprachlichen und körperlichen Mittel neu justieren, um ihm treu zu bleiben und ihn zugleich weiterzuentwickeln?
Am Anfang dachte ich: „Hoffentlich kann ich Gerry überhaupt noch spielen.“ Aber als ich in Eriks Wohnung stand, hat sich mein Körper sofort erinnert. Muscle Memory. Bewusst justiert habe ich eigentlich nichts - aber weil ich mich als Johannes in den letzten Jahren ja auch ein bisschen verändert habe, färbt das natürlich ab. Manche am Set meinten, Gerry sei ein bisschen erwachsener, selbstbewusster und trockener geworden.
«Sturm der Liebe» wird seit einigen Jahren nach ökologischen Standards produziert. Spielt Nachhaltigkeit am Set für Sie als Schauspieler eine spürbare Rolle – oder bleibt das eher im Hintergrund?
Ja, durchaus. Vor allem beim Catering - es gibt Mehrweggeschirr und deutlich mehr vegetarische Optionen, was mich besonders freut. Bei einer Daily, wo alles schnell gehen muss, ist das nicht trivial. Ich finde es stark, dass gerade ein Format unter Hochdruck neue Standards setzt. Das kann Vorbild für andere Produktionen sein.
Abschließend gefragt: Was wünschen Sie sich, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer nach Gerrys Rückkehr über ihn denken oder neu entdecken?
Ich wünsche mir vor allem, dass sie sich mit ihm freuen, mit ihm lachen, vielleicht auch mal ein bisschen mit ihm (und Erik) leiden. Dass sie ihn wiedererkennen, aber auch merken, dass er gewachsen ist, ohne sich zu verlieren. Und ganz ehrlich? Ich hoffe, dass ein paar Menschen nach den Folgen sagen: „Schön, dass er wieder am Fürstenhof war. Er darf gerne wiederkommen.“
Vielen Dank für Ihre Zeit!
Seit 15. Januar ist Johannes Hut wieder an Bord. «Sturm der Liebe» läuft werktags um 15.15 Uhr im Ersten.







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