Die Kino-Kritiker

«Criminal Squad»: Eine uninspirierte Actionsoße

von   |  1 Kommentar

Einen Film wie «Criminal Squad» bis zum Schluss durchzuhalten, ist nicht leicht. Lange Zeit sah man nicht mehr eine solch große Anzahl unausstehlicher Figuren zusammen auf der großen Leinwand.

Filmfacts: «Criminal Squad»

  • Kinostart: 1. Februar 2018
  • Genre: Action/Thriller
  • FSK: 16
  • Laufzeit: 140 Min.
  • Kamera: Terry Stacey
  • Musik: Cliff Martinez
  • Buch & Regie: Christian Gudegast
  • Schauspieler: Gerard Butler, Pablo Schreiber, O'Shea Jackson Jr., 50 Cent, Maurice Compte
  • OT: Den of Thieves (USA 2018)
Regisseur und Drehbuchautor Christian Gudegast kennt sich aus mit hartem Actionkino. Schauspieler Gerard Butler auch. Die Wege der beiden haben sich vor ihrer ersten gemeinsamen Arbeit «Criminal Squad» sogar schon einmal gekreuzt. Für das hohle Weltrettungsgeballer «London Has Fallen» schrieb Gudegast das Skript, während Butler die Hauptrolle spielte. Als Ein-Mann-Armee funktioniert der 48-jährige Brite immer noch ganz ordentlich, auch wenn sich in seiner Vita zuletzt vornehmlich B-Ware tummelte. Mit Filmen wie «Geostorm», «Gods of Egypt» oder «Kiss the Coach» hat sich der Schauspieler keinen Gefallen getan. Mittlerweile scheint sein Name ein Indiz für allenfalls Mittelklasseproduktionen zu sein. Diesen Eindruck bestätigt auch sein Engagement im Thriller «Criminal Squad» – im Original «Den of Thieves». Obwohl sich die Texttafel zu Beginn des Films noch redlich bemüht, mithilfe von Statistiken zum Thema Bankraub ein wenig Relevanz vorzutäuschen, wird das, was danach kommt, zur echten Geduldsprobe.

Knapp zweieinhalb Stunden lang muss das Publikum einer 0-8-15-Actionthrillerstory folgen, deren Verwicklungen vor allem austauschbar und dadurch banal sind. Das Ganze wäre im ohnehin recht klischeebehafteten Actionkino noch kein Todesurteil, doch in «Criminal Squad» regiert das moderne Machotum. Keine der diversen Charaktere – der Film ist quasi mit Figuren vollgestopft – besitzt auch nur annähernd interessante, geschweige denn sympathische Züge. Mit solchen Typen zweieinhalb Stunden Zeit zu verbringen, möchte man Niemandem empfehlen.

Von Beutezug zu Beutezug


Los Angeles – in kaum einer anderen Stadt werden so viele Banken überfallen und Transporter ausgeräumt wie hier. Auch die routinierte Gangster-Bande des Ex-Sträflings Ray Merrimen (Pablo Schreiber) ist süchtig nach dem schnellen Geld. Doch als einer ihrer Raubzüge zu mehreren Toten führt, geraten die Outlaws ins Visier des skrupellosen Cops Nick O’Brien (Gerard Butler) und seiner Spezialeinheit des Sheriff’s Departments. Selbst bereit die Grenze zwischen Gut und Böse zu überschreiten, beginnen die Ermittler eine provokante Jagd auf die Verbrecher. Denn diese planen nichts Geringeres, als das am besten gesicherte Geldinstitut der Stadt zu knacken: die Federal Reserve Bank in Downtown L.A.

Als der von Gerard Butler verkörperte Officer Nick O’Brien, genannt: Big Nick, nach einer Schießerei in einem Donutladen zum Tatort gerufen wird, genehmigt sich der Cop erst einmal einen großen Bissen aus einem der am Boden liegenden Gebäckringe. Dass um ihn herum das Blut noch nicht ganz getrocknet ist, scheint O’Brien nicht im Geringsten zu interessieren; Und damit wäre die Marschrichtung von «Criminal Squad» dann auch direkt vorgegeben. Bedenkt man, dass Butlers Figur zumindest an der Oberfläche zu den Guten gehört, kann man sich nach diesem kurzen Einstieg vorstellen, mit was für Zeitgenossen man es dann erst auf der Seite der Bösen zu tun bekommt. Doch letztlich geht es Christian Gudegast, für den «Criminal Squad» das Debüt als Regisseur darstellt, nicht um ein klassisches Mörder-Fangspiel. In seiner Geschichte verschwimmen Gut und Böse von Anfang an. Während die Bankräuber stehlend und tötend durch die Straßen ziehen, ist die Polizei korrupt, rassistisch und homophob. Eingebettet in die Unterwelt von LA, die Gudegast treffend als köchelnden Hexenkessel einfängt, in der jeder Coup schon daran scheitern kann, dass eines der Mitglieder zur falschen Zeit am falschen Ort ist, entspinnt sich auf der Leinwand eine Parade wandelnder Klischees aus tumben Muskelmännern, erbarmungslosen Killern und Kerlen, in denen vielleicht doch noch ein Funken Glauben an so etwas wie den „rechten Pfad“ existiert.

Wohlgemerkt Kerlen, denn auch, wenn «Criminal Squad» in einem Milieu spielt, das tatsächlich ausschließlich von Männern belebt wird, so ist der vollständige Verzicht auf relevante Frauenfiguren trotzdem auffällig. Feministinnen und Feministen sollten sich «Criminal Squad» daher gar nicht erst ansehen.

Bleihaltiges Machokino ohne Seele


Als Actionthriller konzipiert, richtet sich «Criminal Squad» aber sowieso eher an die Liebhaber des brachialen Kinos. Die FSK-Freigabe ab 16 lässt erahnen, dass es innerhalb der 140 Minuten ordentlich zur Sache geht. Doch leider besteht die Geschichte vorwiegend aus langweiligen Dialogen. Die Planungen zu einem der größten Coups überhaupt – nämlich einem Überfall auf einer der zwölf bedeutendsten Banken der USA – bieten zwar Potenzial für spannendes Heist-Kino. Leider spielt all das eher eine untergeordnete Rolle. Stattdessen geht es Gudegast vorwiegend darum, die Machtverhältnisse innerhalb der Verbrechergang zu sezieren und diesen ebenjene der Polizei gegenüberzustellen. Dies hat nicht nur zur Folge, dass sich «Criminal Squad» fürchterlich zieht, sondern auch, dass man sich der mageren Schauspielleistungen des Casts permanent bewusst wird. Als waffenschwingender Killercop mögen Gerard Butler und seine Kollegen ja überzeugen.

Doch erst recht Namen wie 50 Cent («Southpaw»), Pablo Schreiber («13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi») oder Maurice Compte («Narcos») überzeugen weder auf der Seite der korrupten Cops, denn auf der Seite der gerissenen Ganoven. Stattdessen vermischen sich sämtliche Performances zu einem großen, emotionslosen Brei, der für das Interesse an der Geschichte nicht gerade förderlich ist. «Criminal Squad» wirkt wie eine Aneinanderreihung von Szenen, die in deutlich besseren Actionthrillern der vergangenen Jahre dem Schnitt zum Opfer gefallen sind. Sichtbare Anleihen an «Sicario» oder «True Detective» verstärken den Eindruck des Miserablen da nur noch.

Die Action selbst ist zwar solide inszeniert, doch gerade unter Berufung auf große Vorbilder kann «Criminal Squad» den erzählerisch schwachen Eindruck nicht ausgleichen. Abgesehen davon, dass Gudegast bei Schießereien und Verfolgungsjagden ebenso offensiv draufhält, wie bei den unangenehmen Verhörmethoden der Cops, steckt im Film keinerlei Dynamik. Ohne eigene Handschrift, sind seine Actionszenen allenfalls Mittelmaß und gefallen vorwiegend aufgrund ihrer Haptik; in «Criminal Squad» stammt wenig aus dem Computer. Gleichermaßen bewahrt Kameramann Terry Stacey («Elvis & Nixon») auch in allzu hektischen Momenten die Übersicht, indem er auf die im Actionkino so beliebt gewordene Handkamera verzichtet. Seine Bilder ruhen die meiste Zeit über; was allerdings auch zur Folge hat, dass sich die Anspannung innerhalb der groß in Szene gesetzten Feuergefechte nie auf den Zuschauer überträgt.

Vergleicht man den finalen Shootout mit einprägsamen Szenen eingangs erwähnter Vorbilder, wirkt «Criminal Squad» wie eine billige Kopie aus dem B-Movie-Regal. Im Anbetracht des tatsächlich recht schmalen Budgets von 30 Millionen US-Dollar ist diese Annahme dann auch nicht wirklich weit hergeholt. Aber andere Regisseure können ihre beschränkten finanziellen Mittel dann doch um Einiges eleganter verschleiern.

Fazit


Ätzende Figuren, gelangweilte Darsteller und austauschbare Action ergeben zweieinhalb Stunden verschenkte Lebenszeit. Christian Gudegasts «Criminal Squad» bewirbt sich damit jetzt schon auf die wenig rühmliche Auszeichnung „schlechtester Film des Jahres“.

«Criminal Squad» ist ab dem 1. Februar in den deutschen Kinos zu sehen.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
30.01.2018 20:41 Uhr 1
Ich möchte Anke direkt mal wieder Recht geben: der eine Trailer, den ich ziemlich oft im Internet gesehen habe, hat mir nie ein richtiges Bedürfnis auf diesen Film gemacht, und, das bei einem Film mit Butler!

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