Die Kritiker

«Nord bei Nordwest – Sandy»

von

Die Wartezeit hat ein Ende: Quotenmeter.de sagt, wie der fünfte «Nord bei Nordwest»-Fall geraten ist.

Cast und Crew

  • Regie: Max Zähle
  • Darsteller: Hinnerk Schönemann, Henny Reents, Marleen Lohse, Isabell Gerschke, Cem-Ali Gültekin, Tom Lass, Andreas Grötzinger, Yorck Dippe
  • Drehbuch: Holger Karsten Schmidt
  • Kamera: Andreas Doub
  • Schnitt: Ingo Ehrlich
  • Musik: Stefan Hansen
  • Produktionsleitung: Joshua Lantow (Aspekt Telefilm), Daniel Buresch (NDR)
  • Produzentin: Claudia Schröder
Im November 2014 gestartet und im Oktober 2015 fortgesetzt, machte die Krimireihe «Nord bei Nordwest» über das fiktive Schwanitz 2016 eine Sendepause, dafür gab es im Frühling 2017 sogleich zwei Folgen zu sehen. Mit «Sandy» liefert Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt nun den fünften Teil der ARD-Reihe ab. Dabei bleibt er den Stärken des Formats treu: «Nord bei Nordwest» will (selbst wenn der Titel verdächtig nach Hitchcock klingt) kein Krimievent sein, sondern gemütliche Abenteuerunterhaltung mit Ermittlerfiguren im Mittelpunkt. Und im Gegensatz zu manch anderen "Entspannungskrimis" hat Schmidts Reihe dieses Ziel konsequent im Blick – ohne klischeehafte Momente bemühter, aber scheiternder Dramatik. Ebenso wenig wird auf anbiedernd-urige Gemütlichkeit, die sich für Komik hält, gesetzt.

Das Ergebnis lässt wohl kaum wen bewegt im Fernsehsessel herumrutschen, ist aber als "Feierabendunterhaltung auf Augenhöhe" durchaus charmant – auch, weil es gegen Schluss schon etwas ernster zur Sache geht als einst der Reihenauftakt hätte mutmaßen lassen. Unter der Regie von Max Zähle geht der Tonfallwandel aber sympathisch-schrittweise voran – zu keinem Zeitpunkt wird der Stoff schwermütiger verkauft als er ist.

Ungeheuerlich: Zwei Betrüger treiben Schwanitz ihr Unwesen. Sie wandern von Haus zu Haus und geben sich als Polizisten aus, woraufhin sie Wertsachen mitgehen lassen. Paralleldazu nutzen Drogendealer aus Hamburg die beschauliche Halbinsel für ihre krummen Geschäfte aus. Und damit noch immer nicht genug: Lona Vogt und ihr Ein­Frau­Polizeirevier muss sich auch noch mit Sandy de Man herumschlagen, Hauke Jacobs’ große alte Liebe.

Das hat Folgen: Lona Vogt und Jule Christiansen verbünden sich daher gegen die "Rivalin", obendrein muss Hauke ihnen offenbaren, was ihn nach Schwanitz verschlagen hat. Als dann plötzlich zwei Tote am Straßenrand auftauchen und Sandy de Man verschwunden ist, droht die Stimmung in der beschaulichen Gegend vor lauter Ereignisse überzukochen. Andererseits: Man ruht ja schon in sich, oben im Norden …


Schmidts Gespür für seine Figuren wächst immer weiter, und so gibt es in der fünften «Nord bei Nordwest»-Ausgabe sehr glaubwürdig konstruierte, dezent zugespitzte Momente, die sich von Beziehungskomik über Polizeialltag zu Krimidramatik hangeln, ohne je durch diese Übergänge abstrus zu wirken. Diese Ausgewogenheit, mit der dieser nordisch-bequeme Krimi erzählt wird, kommt auch dem Schauspiel zugute: Hinnerk Schönemann gefällt sehr als der zwischen mehreren Frauen stehende, sich dies aber nicht zu Kopf steigen lassende Hauke Jacobs, Marleen Lohse und Henny Reents sowie Isabell Gerschke kokettieren gelassen mit Schönemann, lassen aber nie zu, dass dies ihre Figurenzeichnung diktiert.

Sie lassen sich nicht durch ihre Dynamik mit ihm definieren, ebenso wenig lässt sich dieser Krimi von der üblichen Mördersuche leiten. Stattdessen geht es in einer dezenten, screwball-artigen, amüsierten, aber bodenständigen Art darum, zwei Betrüger zu finden. Deren Identität wird dem Publikum früh gezeigt, der erzählerische Antrieb liegt in der Frage, wann die Figuren aufholen und mit ihrem Wissen so weit sind wie wir als Betrachtende. Selbst wenn die obligatorische Leiche auftaucht, bleibt der Neunzigminüter auf seinem Pfad- Zähles Inszenierung, Stefan Hansens stimmige Musikuntermalung und das angenehme Schauspiel des Ensembles reichen aus, um aus diesem so unaufgeregten Plot vorzeigbare Abendunterhaltung zu machen.

«Nord bei Nordwest – Sandy» ist am 11. Januar 2018 ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

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