Die Kritiker

«Brandnächte»

von

Ein acht Jahre alter Mordfall lässt eine Anwältin nicht los – geht es doch um ihre Schwester. Sie reist zum Tatort – in ihr altes Heimatdorf. Ein Ort voller Rätsel …

Cast und Crew

  • Regie: Matti Geschonneck
  • Drehbuch: Hannah Hollinger
  • Darsteller: Sophie von Kessel, Tobias Moretti, Barbara Auer, Nikolaus Paryla, Thomas Loibl, Simon Werdelis, Inez Björk David
  • Kamera: Theo Bierkens
  • Musik: Nikolaus Glowna, Ludwig Eckmann
  • Produktionsfirma: Network Movie Köln – Wolfgang Cimera, Silke Schulze-Erdel
Anwältin Julia kehrt in ihr Heimatdorf im Voralpenland zurück – aus einem traurigen Anlass: Sie will nun, acht Jahre nach dem Mord an ihrer Schwester, endlich die Wahrheit über ihren Tod herausfinden. Denn eine rätselhafte E-Mail, die ihr zugeschickt wurde, hat die für verheilt geglaubten Wunden noch einmal aufgerissen und Zweifel gestreut, ob die Polizei einst tatsächlich den wahren Täter ausfindig gemacht hat.

Doch die Suche nach der Wahrheit stellt sich als kniffliger, ja, sogar als gefährlicher dar, als es sich Julia eingangs erhofft hat. Ein regelrechtes Netz aus Lügen wurde um den Fall gesponnen. Der damals ermittelnde Kommissar Maurer, nun suspendiert, gibt sich verschwiegen, Psychologin Lisa Poldack, die den mutmaßlichen Täter behandelte, verhält sich dubios und beim Vater des vermeintlichen Mörders wird Julia mit Gift und Galle begrüßt – und das, obwohl sie ja an der Schuld seines Sohnes zweifelt. Alsbald wird sie auch noch bedroht …

Erzählt wird dies, entgegen der feurigen Implikationen des Titels, in wenig kunstvoll ausgebleichten Bildern. Kameramann Theo Bierkens erzeugt ein verwaschenes Grau-Grau-Blau, durch das Sophie von Kessel alias Julia Gerber sinnierend schlendert, oftmals mit der Kamera dicht vor ihrem Denkfalten werfenden Gesicht. Die Kombination aus Drehbuchautorin Hannah Hollinger und Regisseur Matti Geschonneck, die bereits in einige denkwürdige Fernsehfilme mündete, wirkt in «Brandnächte» ähnlich aschfahl wie Bierkens Aufnahmen:

«Brandnächte» schleppt sich erzählerisch und inszenatorisch entlang wie die überdehnte Auftaktfolge zu einem Netflix- oder Amazon-Kriminaldrama, das mit aller Macht sein Publikum zum Binge Watching treiben möchte. An jeder Ecke wittern Geheimnisse, und die Musik, die Blicke der Nebendarsteller und dramaturgische Pausen des erzählerischen Stillstands stellen immer wieder sicher, dass die Betrachtenden die neu aufgeworfenen Fragen bemerken und kurz über sie grübeln, ehe es weitergeht mit der Handlung. Da wird heftig suggeriert und auf jede Ungereimtheit, auf die Julia stößt, dreifach hingewiesen – und obwohl wir uns nicht in einer Mysterystory befinden, benehmen sich alle Dorfeinwohner extra kauzig und unhilfreich. Als entstünde so allein schon Suspense.

Die kleineren Gesten sind es jedoch, die dieser krampfhaften Fingerübung Spannung mitgeben. Wenn von Kessels streng die Welt anklagender Blick Schritt für Schritt ins Unsichere und Fragende abdriftet. Oder wenn Tobias Moretti als Ex-Kommissar Maurer in seiner unbewegt-wortkargen Dauerart urplötzlich verbitterte Zynik mitschwingen lässt – oder wenn mal ein klares Wort aus dem Dauernuschler ausbricht. Oder wenn eben nicht mal wieder ein neuer Hinweis auf die Lösung des Mordfalls auftaucht, sondern von Kessel als Julia ganz nebensächlich, aber spürbar enttäuscht dreinblickt, sobald sich eine Fährte als definitiv falsch herausstellt.

Leider geht, trotz des gemächlichen Erzähltempos, diese Reduktion aufs Detail verloren, so arg aufgesetzt, wie dauernd eine schaurig-rätselhafte Atmosphäre erzeugt werden soll und an jeder Ecke der nächste Miniplottwist lauert. Vom Peak-TV-Stil abzuschauen allein genügt halt nicht. Da kann der Alltag der Hollinger/Geschonneck-Kooperationen schon mehr als diese Quasi-Stilimitation.

«Brandnächte» ist am 27. November 2017 um 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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Kurz-URL: qmde.de/97357
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