Die Kritiker

«Nicht tot zu kriegen»

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Und der dritte Streich von RTL. Zwar müssen die Macher des ARD-Hits «Mord mit Aussicht» bei ihrem neuen Projekt auf gewohnte Zugaben (Frau Mitte 30 steht im Fokus, diesmal gespielt von Caro Frier) setzen, haben jedoch mit Jochen Busse ein RTL-Urgestein als echtes Ass im Ärmel. Hereinspaziert in die großen Hallen von «Nicht tot zu kriegen»…

Cast &Crew

Darsteller: Jochen Busse, Caroline Frier, Tristan Seith, Amelie Plaas-Link, Mathias Harrebye-Brandt, Petra Nadolny u.a.
Produzent: Uli Wilkes
Executive Producer: Natalie Schneiders
Regie: Felix Stienz , Daniel “Rakete” Siegel
Headautorin: Stefanie Ren (weitere Autoren sind Rolf Gade, Holger Schmidt, Felix Stienz und Ralf Betz)
Produktion: PRO TV Produktion GmbH
„Herzlich Willkommen“, sagt Jochen Busse in einer der ersten Szenen der neuen RTL-Sitcom «Nicht tot zu kriegen» und der geneigte Zuschauer ist verleitet, sich eingeladen zu fühlen in ein RTL-Programm, wie es vor 15 Jahren schon üblich war. Jochen Busse, eines der großen Comedy-Gesichter RTLs aus den 90ern, ist zurück. Er war es, der «7 Tage, 7 Köpfe» ein prägendes Gesicht gab, er war es, der Freitag für Freitag in der Sitcom «Das Amt» als Hagen Krause so wenig machte wie irgendwie möglich und dabei allerlei skurrile Situation heraufbeschwor. Nach sieben Staffeln und fast 90 Folgen war Schluss. Das ist nun ziemlich genau 15 Jahre her.

Jetzt traut sich eine kleine Produktionsfirma, nämlich ProTV, diesen Jochen Busse in seiner vielleicht nächsten großen Rolle auf die RTL-Bildschirme zurückzubringen. In dem neuen Format spielt er Helmut Kraft, eine Art Schlossherrscher, der gleich in der ersten Szene in Graf-Dracula-Manier durch seine Hallen fährt und seine (Noch)-Angestellten malträtiert. Das aber hat schnell ein Ende, denn die Bediensteten des alten Mannes sind längst nur noch wegen dessen jüngerem Bruder da. Der aber wird blöderweise gerade im Sarg die Treppen hinuntergetragen. Und so reicht das Schlosspersonal seine Kündigung ein.

Krafts Aufgabe: Irgendwelche Idioten finden, die das Schloss am Laufen halten, ihm ein Wohnrecht gewähren und nicht in der nächsten Zeit einfach so wegsterben können. Gefunden sind die schnell. Caroline Frier als entscheidungsfreudige Friseurmeisterin Dagmar und die sprunghaft-naive Nina (gespielt von Amelie Plaas-Link) ziehen mitsamt ihren Männern ein. Und das, obwohl die Hütte größer ist als alle zehn Häuser zusammen, die sich Dagmar und Oliver zuvor angeschaut hatten.

Tristan Seith überzeugt in der neuen Sitcom an der Seite von Frier - und das, obwohl seine Rolle eigentlich eher unspektakulär ausgelegt ist. Oliver ist Anfang 30, trinkt gerne Bierchen, mag vor allem seine Ruhe, ist ein grundsolider Kerl, macht aber alles (oder zumindest vieles) mit, damit „seine“ Dagmar glücklich ist.

Nach anfänglichem Gezanke zwischen den vier Hauskäufern kehrt bald Ruhe ein und auch Haus-Tyrann Kraft ist ziemlich glücklich mit der gefundenen Lösung. Er hat neue „Bedienstete“, die sogar noch einen Haufen Geld bezahlt haben. Dagmar aber kommt schnell in Kontakt mit Frau Popova, der für die Zuschauer auffälligsten ehemaligen Angestellten im Schloss. Petra Nadolny’s verwendeter osteuropäischer Akzent lässt da gleich Erinnerungen aufkommen. Ähnlich war «Magda macht das schon», die inzwischen für eine 14-teilige zweite Staffel verlängerte RTL-Sitcom, die Aufgabe angegangen – und überzeugte letztlich.

Noch etwas verbindet beide Formate: Auch im neuen «Nicht tot zu kriegen» findet der Zuschauer sehr schnell Orientierung und das trotz der verschächelten Zimmer im Schloss, trotz der hohen Wände und des weitläufigen Gartens. Das mag daran liegen, dass die Räumlichkeiten zwar alle groß, aber dennoch heimelig wirken. Bei «Triple Ex», der zweiten neuen RTL-Sitcom, die leicht unter den Erwartungen lief, war er Anteil der Outdoor-Szenen größer, was somit eine gänzlich andere Anmutung bedeutete.

Alle RTL-Sitcoms haben zudem ein weiteres verbindendes Element: Die Fokussierung auf eine weibliche Hauptperson, der das Herz direkt auf der Zunge liegt und die absolute Sympathieträger sind. Verena Altenburger übernahm das bei «Magda», Diana Staehly in «Triple Ex» mit der ganz anders angelegten Dreifach-Mama Anna – und jetzt ist Caro Frier als Frisörmeisterin am Zug. Ob die Variation des immer gleichen Typus den RTL-Zuschauer auf Dauer nicht doch langweilt, wird sich zeigen müssen, doch haben die, die genau das nicht fürchten, diesmal gute Argumente.

Da wäre nicht nur der schon eingangs für seine Strahlkraft gelobte Jochen Busse, der eigentlich noch gebrechlicher wirken dürfte, sondern auch Tristan Seith als quasi erdendes Element zu nennen. Um es platt zusagen: Weil die Mischung der fünf Hauptpersonen recht gut passt, fällt der Fokus auf die Figur von Frier gar nicht so schwer ins Gewicht.

Die derart gelungene Ensemble-Leistung ist sicherlich auch Producerin Nathalie Schneiders und Produzent Uli Wilkes zu verdanken. Deren Arbeitgeber ProTV hatte einen solchen Coup schon einmal geschafft. Sie zeichnete verantwortlich für eine nicht ganz unerfolgreiche Crime-Comedy, die bis heute einige Nachahmer hat: «Mord mit Aussicht». Wer diese Verbindung kennt, der versteht auch, wieso man nicht erwarten muss, beim neuen RTL-Format vor Lachen auf dem Boden zu liegen. Die Serie besticht nicht durch wirkliche Schenkelklopfer, aber durch viele spaßige Situationen, bei denen man sich mitunter ein Grinsen nicht verkneifen kann. Gut, dass die Macher hier nicht auf den Hau-Drauf-Faktor, dafür aber auf viele versteckte, kleine Späße und echte Situationskomik setzten.

Geschrieben wurde der Großteil der «Nicht tot zu kriegen»-Folgen von Stefanie Ren, die bis dato in der TV-Szene nicht in prominenter Rolle aufgetreten ist. Zwischen 2007 und 2013 war sie Absolventin der Film-Akademie Baden-Württemberg und hat damals unter anderem Serien(piloten) wie «Helden des Alltags» geschrieben. Zuletzt verfasste sie für Oberon Film den Streifen «Für Jojo». Zweifelsfrei ist die RTL-Sitcom nun ihr größtes und sicher auch aufregendstes Projekt. Rolf Gade, Holger Schmidt, Felix Stienz und Ralf Betz schwangen den Stift beim Verfassen der Geschichten ebenfalls.

Und Geschichten dürfte dieses Haus mit seinen vielen Zimmern, hohen Wänden, der langen Historie und diesem ungewöhnlichen Hausherren noch einige bereit halten. Sicher viel mehr als die erste Staffel zu erzählen hat. Aber mit der Produktion einer neuen Serie mag es gewissermaßen ein bisschen wie mit dem in der ersten Folge erzählten Kauf und Verkauf eines Hauses sein. Besser erstmal nichts überstürzen.

Fazit: Trotz erneuter Fokussierung auf eine weibliche Figur in den 30ern wirkt «Nicht tot zu kriegen» deutlich anders als die Vorgänger auf dem Sendeplatz. Dass sich das grundsätzliche Setting und das Humor-Verständnis eher an «Magda» orientieren, könnte ein Vorzeichen für einen Publikumserfolg sein. Übrigens nicht das einzige, denn die Macher von «Mord mit Aussicht» wissen ja eigentlich, wie man unterhält.
Insofern: Daumen hoch.

RTL zeigt die achtteilige erste Staffel von «Nicht tot zu kriegen» ab Donnerstag, 9. März, immer um 21.15 Uhr in Doppelfolgen.

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