Die Kino-Kritiker

«Schatz, nimm du sie!»

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Nach einer französischen Vorlage: In ihrer ersten Kino-Hauptrolle kämpft Carolin Kebekus als genervte Mutter und Beinahe-Exfrau darum, sich nicht um ihre anstrengenden Kinder kümmern zu müssen.

Filmfacts «Schatz, nimm du sie!»

  • Regie: Sven Unterwaldt
  • Produktion: Marc Conrad, Jan Kaiser
  • Drehbuch: Jens-Frederik Otto, Claudius Pläging; nach dem Originaldrehbuch von Alexandre de la Patellière und Matthieu Delaporte
  • Darsteller: Carolin Kebekus, Maxim Mehmet, Arsseni Bultmann, Arina Prokofyeva, Axel Stein, Jasmin Schwiers, Ludger Pistor, Patricia Meeden, Jochen Schropp
  • Kamera: Stephan Schuh
  • Musik: Kari Sebastian Elias
  • Schnitt: Zaz Montana
  • Laufzeit: 90 Minuten
  • FSK: ab 12 Jahren
Die Zeiten, in denen fremdsprachige Hits ohne auffällige kreative Abwandlungen für einen anderen Markt neu verfilmt werden, sind vorbei. Sollte man meinen. Und liegt damit falsch. Irgendwie … Als Beweisstück kommt die Scheidungskomödie «Schatz, nimm du sie!» in die deutschen Kinos – weniger als zwei Jahre nach dem hiesigen Kinostarts des bitterbösen französischen Filmspaßes «Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt». Der von Alexandre de la Patellière und Matthieu Delaporte erdachte Film über zwei Ehepartner, die sich scheiden lassen und mit allerlei dreckigen Tricks ihre Kinder so manipulieren, dass sie sich dazu entschließen, beim jeweils Anderen zu leben, war in Frankreich ein Kassenschlager und hierzulande ein kleiner Achtungserfolg.

«Schatz, nimm du sie!» adaptiert die im Original pechschwarz geartete Komödie szenenweise 1:1 und dreht sonst nur an sehr kleinen Stellschrauben. Dies vollführt Regisseur Sven Unterwaldt aber auf eine konstant duckmäuserische Weise, so dass seine Variation des Stoffes keinerlei neuen Akzente setzt, die nennenswert wären. Stattdessen definiert sich sein Film dadurch, was er im Vergleich zur Vorlage nicht leistet. Denn durch die Auslassung der härtesten Gags des französischen Originals und mit einem durchweg gemilderten Tonfall präsentiert sich «Schatz, nimm du sie!» letztlich als die Discount-No-Name-Fassung von «Mama gegen Papa»: Das Original, nur mit weniger Würze, Aroma und Biss.

Interessenten, die noch keine Berührung mit dem französischen Erstling hatten, wird es selbstredend nicht auffallen, wie nah sich «Schatz, nimm du sie!» daran entlanghangelt, um angesichts des fehlenden Mumms in den Knochen schlussendlich doch fern davon auszukommen. Unwissen über die Vorlage allein macht die Mängel von «Schatz, nimm du sie!» dennoch nicht obsolet. So rudert Unterwaldt in seiner Rabenelternkomödie über einen etwas anderen Rosenkrieg in hoher Frequenz zurück. Er lässt die sich im „Ich will das Sorgerecht verlieren!“-Zank befindlichen Eltern, gespielt von Carolin Kebekus und Maxim Mehmet, reumütige Blicke austauschen und verwickelt sie trotz einvernehmlicher Scheidung in wortlose Eifersüchteleien. So wird das Element der Eskalation schon früh gehemmt, die Drastik der sich theoretisch stetig steigernden Schlammschlacht weicht einem nur mit halber Kraft vollführten Tauziehen beider Elternteile: „Wer sorgt vehementer dafür, dass ihn die beiden Kinder doof finden – ohne dabei zu energisch vorzugehen?“

Da sich «Schatz, nimm du sie!» trotz schwarzen Humors nicht (wie die französische Vorlage) in seiner Unverfrorenheit suhlt, sondern stets zurücknimmt und zwischendurch sogar einen moralinsauren Monolog einer Polizistenfigur vom Stapel lässt, landet diese Produktion in einem Niemandsland: Zu harmlos und didaktisch für einen derben Anti-Familienfilm, aber zu gemein gegenüber dem filmischen Nachwuchs für eine Familienkomödie.

Durch eine rein routinemäßig abgespulte Inszenierung, einige extrem schwache Digitaleffekte im Finalakt und eine keinesfalls filmreife, schale Ausleuchtung wird der unausgegorene Inhalt durch eine mangelhafte handwerliche Umsetzung ergänzt. Zumindest kann Kebekus beweisen, dass sie das mimische Format für eine losgelöste Kinohauptrolle hat – dafür, dass sie durch das mutlose Drehbuch sowie die überbetont muntere Filmmusik ausgebremst wird, kann die «Pussy Terror TV»-Entertainerin ja nichts.

Fazit: Längst nicht so herrlich fies wie das französische Original, optisch auf dem Nivea einer schwachen deutschen Sitcom und eine der rabenschwarzen Komik entgegenwirkende, zurückhaltende Gangart: Auch eine gut aufgelegte Kebekus kann dieses Remake des deutlich launigeren «Mama gegen Papa» nicht retten.

«Schatz, nimm du sie!» ist ab dem 16. Februar 2017 in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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