Pro & Contra

Brauchen wir Co-Kommentatoren bei Fußballübertragungen?

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Zum Start der Saison 14/15 hatte Sky sie abgeschafft, kürzlich bei der Partie Bayern gegen Wolfsburg aber noch einmal einen Versuch gestartet. Dass Co-Kommentatoren bei Fußballspielen eingesetzt werden, ist in Deutschland eher eine Seltenheit. Am Sonntag, beim Spiel Bayern gegen Dortmund, ist Lothar Matthäus wieder als Co-Kommentator gesetzt.

Pro von Florian Hellmuth


Über unseren Gast-Autor Florian Hellmuth

Florian Hellmuth betreibt seit vielen Jahren einen Internetblog, beschäftigt sich auf www.planetofsports.wordpress.com mit Sport- und Medienthemen. Auf freiberuflicher Basis ist er Social Media Berater. Sein neuestes Projekt: «Hashtag – Der Fußball-Talk», das er gemeinsam mit Christian Straßburger realisiert. Auf Twitter kann Florian Hellmuth unter dem Namen @chieff89 gefolgt werden.
Ich bin ein großer Freund des Co-Kommentators. Warum? Weil ein eingespieltes Duo dem Zuschauer einen echten Mehrwert bieten kann. In anderen Ländern ist es fast schon Normalität, nicht alleine vor dem Mikrofon zu sitzen. In Deutschland ist der Co-Kommentator eher beim Eishockey, der Formel 1 oder beim Handball zu finden. Bleiben wir doch mal kurz beim Handball. Wer die Handball-WM bei Sky verfolgt hat, der konnte das Duo Karsten Petrzika und Martin Schwalb hören. Für mich eine absolute Traumkombination, weil sie sich gegenseitig großartig ergänzt haben.

Die Hauptaufgabe des Co-Kommentators ist es, Dinge zu sehen, die der Hauptkommentator nicht sieht. Er muss seine Expertise vernünftig einbringen, Dinge erklären können und punktgenau auf der Höhe sein. Wichtig ist das Zusammenspiel miteinander. Vor allem dieser Punkt wird oft vergessen. Nicht jeder Kommentator kann mit jedem Experten. Die Grundchemie muss stimmig sein. Auch der Respekt voreinander ist sehr wichtig. Beide müssen während der Übertragung an einem Strang ziehen und sich wohl fühlen.

Ist der Co-Kommentator zu dominant, wertet es die Arbeit des Hauptkommentators ab. Das Problem in Deutschland ist aber meist das Gegenteil: Der Hauptkommentator fühlt sich oft dazu genötigt, seinem Experten eine Frage zu stellen, damit er überhaupt etwas einbringt. Zuletzt gesehen beim Spiel zwischen Bayern und Wolfsburg. Das Duo Fuss/Matthäus funktionierte nicht. Der oft zitierte „Mehrwert“ war nicht vorhanden.

Grundsätzlich liegt die Schwierigkeit vor allem darin, einen Experten zu finden, der sich entsprechend eingliedern kann, der sich selbst nicht zu wichtig nimmt und gleichzeitig die Stimme erhebt, wenn es sein muss. Ein Stefan Effenberg ist oft zu dominant, Lothar Matthäus zu ruhig. Ich sehe in dieser Rolle eher Leute wie Christoph Metzelder, Patrick Owomoyela oder auch Erik Meijer.

Mir fehlt bei dem Thema generell auch so ein bisschen die Fantasie. Es wird zu wenig ausprobiert. Das gilt für allem um die Position des Haupt-Kommentators. Ein Roland Evers oder Jonas Friedrich könnte ich mir mit einem Experten an der Seite deutlich besser und homogener vorstellen. Eine „One Man Show“ mit Experten als Beilage ist nicht zielführend. „Teamplay“ ist das alles entscheidende Wort. Zu selten ist dies in den vergangenen Jahren zu sehen gewesen. Es ist zwar nett, große Namen neben einem Kommentator hören zu dürfen, aber das alleine bringt keinen Mehrwert. Von daher wünsche ich mir für die Zukunft einfach mehr Mut, auch mal neue Wege zu gehen. Es braucht nicht bei jedem Spiel einen Co-Kommentator. Aber in regelmäßigen Abständen kann ein eingespieltes Duo einen unbezahlbaren Mehrwert bieten, von dem die Zuschauer absolut profitieren würden.

Contra von Manuel Weis:


Die Tatsache, dass sich Co-Kommentatoren in Deutschland bis dato noch nicht etabliert haben (und das, obwohl Sky durchaus ernsthafte Versuche unternahm) liegt vor allem an den Sehgewohnheiten des deutschen Sportfans. Anders als bei der Formel 1 etwa ist es gewünscht, dass Fußballreporter das Geschehen auf dem Rasen nicht totquatschen. So mancher Urlauber, der in englischen oder spanischen Kneipen die dortigen Live-Übertragungen gesehen hat, hat sich gewundert, mit wie viel Inbrunst und Emotion die dort agierenden Kommentatoren-Pärchen die Zuschauer belabern. Redepausen gibt es dort aber nahezu keine. In Deutschland gilt als Regel, dass jemand, der 75 Prozent der Zeit spricht, schon sehr dominant agiert.

Müssen sich nun zwei Kommentatoren die Aufgabe teilen, verschärft sich die Situation noch. In der Regel sind die Rollen klar verteilt: Der Hauptkommentator erklärt dem Zuschauer das, was jetzt gerade passiert. Wer am Ball ist, dass Spieler XY freigestanden wäre oder sich Einwechspieler YX gerade warmläuft. Der Co-Kommentator hat die größeren Zusammenhänge im Auge und kommt dann zu Wort, wenn es um große Analysen geht. Die Kunst ist, sich dabei von selbst einzubringen, ohne dass der Hauptkommentator ihm ständig eine Rampe bauen muss.

Entsprechend kommt es auf die Harmonie zwischen den beiden an: Beispiele, die gründlich in die Hose gingen, hat Sky früher einige geliefert. Die Pärchen, die gut miteinander agierten (etwa Lehmann/Dittmann oder Metzelder/Dittmann) waren hingegen rar gesät. Burkhard Weber hat entsprechend recht, wenn er sagt, dass die dem Co-Kommentator zugeteilte Analyse auch vom Hauptkommentator kommen kann. Vielleicht aber, ist es doch etwas anderes, wenn ein Weltmeister, mehrfacher deutscher Meister oder ein gestandener Ex-Profi einen Blick auf das Feld wirft. Entsprechend gibt es in der Tat gute Argumente für den (teilweisen) Einsatz eines Co-Kommentators. Hier wären dann aber wirklich feste und perfekt harmonierende Teams dringend zu empfehlen. Und genau daran hapert es letztlich. Es gibt zum einen nicht viele Experten, die sich auch als Co-Kommentator eignen (eine Handvoll wären schon viel).

Und letztlich hat es sich gezeigt, dass die Fans gerne von abwechselnden Stimmen durch die Spiele geführt werden. Wann immer ein Kommentator zu oft hintereinander auf dem selben Sendeplatz eingesetzt wurde oder ein Team mehrere Male am Stück begleitet hat, war der Wunsch nach jemand anderem plötzlich größer. Oder anders gesagt: Abwechslung schlägt den Co-Kommentar. Und genau die geht bei einer Pärchenbildung eben nur zu Lasten der Qualität.

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