Die Kino-Kritiker

«Minions»

von

Bananaaaaaaa! Theheheehe! Mabukki wawawhaaaa!
Ob man durch «Minions» den Verstand verliert oder einfach vor lauter Lachen nicht mehr reden kann, verrät unsere Kritik!

Filmfacts «Minions»

  • Regie: Pierre Coffin, Kyle Balda
  • Produktion: Chris Meledandri, Janet Healy
  • Drehbuch: Brian Lynch
  • Musik: Heitor Pereira
  • Schnitt: Claire Dodgson
  • Laufzeit: 91 Minuten
  • FSK: ohne Altersbeschränkung
2010 lernte die Kinowelt einen Meisterdieb kennen: Glatzkopf Gru, Dreh- und Angelpunkt des Überraschungshits «Ich – Einfach unverbesserlich». Und was für eine dicke Überraschung auf den Verleih Universal Pictures sowie die Produktionsschmiede Illumination Entertainment hereinbrach! Bei Kosten von geschätzt 69 Millionen Dollar nahm die Geschichte, wie der mit dickem Akzent sprechende Ganove lernt, drei Waisenmädchen in sein Herz zu schließen, weltweit über 540 Millionen Dollar ein. Doch Gru musste sich im Fahrwasser dieses Erfolgs die öffentliche Zuneigung teilen. Nicht etwa nur mit den Waisen Edith, Margo und Agnes. Sondern vor allem mit einer ganzen Bande von kleinen Rabauken, die auf gewisse Weise noch größere Diebe sind als er. Die Minions, Grus brabbelnde, gelbe Schar an Handlangern, erwiesen sich als echte 'Scene Stealer' und rissen nicht nur jeden einzelnen Moment an sich, in dem sie vorkamen, sondern auch ungezählte Herzen im Publikum.

Kein Wunder, dass nicht nur eine Fortsetzung zu «Ich – Einfach unverbesserlich» in Angriff genommen wurde, die mit mehr als 970 Millionen Dollar Einspiel regelrecht einschlug. Nein, auch ein Ableger sollte die Latzhose tragende goldene Kuh weiter melken. Dass Illumination Entertainment mit seinen bisherigen, Minion-losen Werken ohnehin weitaus weniger Erfolg feierte («Hop – Osterhase oder Superstar?»: 184 Mio., «Der Lorax»: 348,8 Mio.) als mit den glubschäugigen Chaoten, dürfte dem Unterfangen zusätzlich Priorität verliehen haben. Doch ganz egal, wie sehr hinter den Kulissen nun kühl kalkuliert wurde oder nicht: Millionen von jungen und junggebliebenen Filmfreunden werden der Trickschmiede von Chris Meledandri für ihren Entschluss danken.

Denn auch wenn die heutzutage nahezu unvermeidliche Flut an Trailern viel zu viele gute Gags vorweggenommen hat – mit «Minions» ist ein erfrischender, unbeschwerter und unbekümmerter Kinospaß für jedes Alter gelungen. Wobei ganz klar festgehalten werden muss, dass die Regisseure Pierre Coffin und Kyle Balda in diesem Spin-Off nahezu ausschließlich auf Gags setzen. Die süße, warme Herzlichkeit von «Ich – Einfach unverbesserlich» sucht man hier vergeblich, genauso wie einen stringenten Plot. Stattdessen reiht das Skript von Brian Lynch («Der gestiefelte Kater») unermüdlich drei, vielleicht vier Storys zusammen.

Zunächst dreht sich alles um die Herkunft der Minions: Sie gehören zu den frühen Außenseitern der Evolution und suchen seit der Zeit der Dinosaurier nach einem abscheulichen Meister, dem sie dienen können. Durch ihre überschwängliche Art und eine tüchtige Portion Missgeschick erweisen sich die wandelnden Ü-Ei-Spielzeugkapseln aber eher als tödliche Stolpersteine für ihre jeweiligen Chefs denn als nützliche rechte Hand. Als sie eines Tages im Namen eines gewissen kleinwüchsigen Franzosen eine wichtige Schlacht vermasseln, fliehen sie vor seinem stinkwütenden Heer ins Exil. Dort bauen sie sich ihre eigene Zivilisation auf – und stehen einige Zeit später kurz davor, vor Langeweile zu sterben. Also brechen die drei Minions Kevin (groß, hätte gern das Sagen), Stuart (einäugig, sucht den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit) und Bob (freundlich, ängstlich, dümmlich) auf, um den gemeinsten Bösewicht der Welt zu suchen. Nach einem Abstecher ins New York des Jahres 1968 verschlägt es sie zu einer Fieslingsveranstaltung, wo sie bei der Superschurkin Scarlet Overkill (Sandra Bullock im Original, Carolin Kebekus in der dt. Synchro) anheuern …

Ähnlich wie schon «Die Pinguine aus Madagascar» will «Minions» ein wilder, urkomischer Ritt sein – und lässt zwecks höherer Gagdichte solche Fragen wie effizientes Storytelling hinten anstehen. Und so lange die visuellen Einfälle sowie die Situationskomik in rasanter Frequenz auf einen niederprasseln (und das ist für den Großteil des Films der Fall!), stört es auch gar nicht, dass die einzelnen Abstecher der Minions nur lose miteinander verbunden sind. Spannung kommt so zwar nicht auf und anders als bei den «Ich – Einfach unverbesserlich»-Filmen wird es durch diese abgehackte Erzählweise schwer, so richtig in diese bunte, weichgezeichnete Welt abzutauchen. Jedoch ist der Optimismus der Minions zu ansteckend und die Diskrepanz zwischen ihrem Sein (unbedarft, tollpatschig) und ihrem Wollen (gemein und gefährlich) zu wonnig, um nicht dennoch bis über beide Ohren zu grinsen. Zumal die Filmemacher so vorausschauend waren, die überschaubare Wandlungsfähigkeit der Hauptfiguren durch eine breite Palette an Humor auszugleichen. So lange es familienfreundlich und frei von Zynismus bleibt, lässt sich praktisch alles in «Minions» vorfinden: Einfallsreiche Popkulturreferenzen (Disney-Kenner werden einen Heidenspaß an der Darstellung Orlandos in den 60ern haben), dynamischer Schwachsinn, temporeiche Cartoon-Slapstickgewalt, visuelle Verrücktheiten und tatsächlich auch Wortwitz – was gerade bei dem Kauderwelsch der Banenenliebhaber nicht unbedingt zu erwarten stand.

Technisch ist «Minions» klar über seinen Vorgängern anzusiedeln. Jünger der anderen Hollywood-Computeranimationsstudios dürfen zwar wie bei den Vorgängern über das milchige Licht debattieren (oder sie lassen es bleiben, da es zum Design und Feeling der Illumination-Filme passt), aber die detailreichen Hintergründe und ausdrucksstarken Figuren sprechen für sich. Hinzu kommt, dass «Minions» das womöglich beste 3D seit «Gravity» aufweist: Regelmäßige Pop-Up-Effekte und eine weit in die Leinwand reichende Tiefe machen den ulkigen Tricktumult der laffen Geschichte zum Trotz zu einem Erlebnis. Der Jukebox-Soundtrack ist ebenfalls eine Klasse für sich – was in den 60ern Rang und Namen hatte, lässt sich hier antreffen und wird zumeist auch pointiert genutzt. Darüber, dass Scarlet Overkill nach ihren fetzigen ersten Szenen an Klasse und Einprägsamkeit verliert und auch der finale Wettkampf nicht vor Originalität platzt, kann die Musik dennoch nicht hinwegtrösten. Jedoch: Wenn sich Kevin, Stuart und Bob kabbeln, Scarlets Gatte Herb (Jon Hamm / Sascha Rotermund) in gebotener Beatnik-Lässigkeit über die Leinwand wippt oder wieder einmal die „Bananaaaaa!!!“ gefeiert wird – wer will bei so viel Vergnügen noch Meckern?

Fazit: Die Minions überschatteten alles in den «Ich – Einfach unverbesserlich»-Filmen, doch die «Ich – Einfach unverbesserlich»-Filme lassen sich nicht so einfach von «Minions» überschatten. Aber mit den Vorläufern auf Augenhöhe zu liegen reicht ja auch! Den narrativen Mängeln und einer enttäuschenden Schurkin zum Trotz ist Illumination Entertainment ein flotter, verrückter, freundlicher Spaß gelungen – mit brillantem 3D!

«Minions» ist ab dem 2. Juli 2015 in vielen deutschen Kinos zu sehen!

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