Sonntagsfragen

Ulrich Stein: 'Wir wollen auch den Opfern ein Gesicht geben'

von   |  2 Kommentare

Kommenden Montag debütiert im Ersten «#Beckmann». Wir sprachen mit Redaktionsleiter Ulrich Stein über das investigative Reportageformat, das in den Dialog mit seinen Zuschauern tritt.

Zur Person: Ulrich Stein

Ulrich Stein studierte Germanistik, Filmtheorie und Philosophie an den Universitäten Bielefeld und Hamburg, bevor er ein Filmstudium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, an der Temple University in Philadelphia (USA) und der Universität Sao Paulo (Brasilien) abschloss. Bekannt wurde Stein als Regisseur und Produzent von Dokumentarfilmen, zehn Jahre lang leitete er die Redaktion der «Spiegel TV Reportage». Er erhielt den Josef-von-Sternberg-Preis, den ersten Preis des New York International Television Festival 1997 sowie eine Echo-Nominierung 2008.
Wie kam die Idee aus der Reportagesendung ein interaktives Format zu produzieren, also das Hashtag in den Sendungstitel zu integrieren?
„Interaktives Format“, wie Sie es nennen, führt in die Irre. Wir bieten auf unserer Website zur Sendung zusätzliche Inhalte, Interviews, Hintergrundinformationen, Fotos und auch exklusive Videos, die bei den Recherchen entstehen. Unsere eigene Online-Redaktion hat mit den ersten Schritten angefangen, und das Angebot wird in den nächsten Wochen weiter wachsen. Wir wünschen uns einen regen Dialog mit den Zuschauern, deren Feedback auch in die Themenentwicklung einfließen kann. Der Zusatz Hashtag soll auf diese erweiterten Möglichkeiten hinweisen.

Was erhoffen Sie sich durch den Dialog mit den Zuschauern während der Ausstrahlung?
Das werden wir mal ausprobieren. Wir wollen auf Fragen der Zuschauer direkt reagieren und dadurch den Zuschauern stärker ermöglichen, mit dem Thema und den Machern der Sendung in Kontakt zu treten.

Wir werden das Rad nicht neu erfinden, aber wir wollen über die rein faktische Nachrichtenlage hinaus Themen persönlicher und emotionaler präsentieren.
Ulrich Stein über den Ansatz von «#Beckmann»
Worin hebt sich «#Beckmann» im Vergleich zu anderen Reportagen ab, die aus dem Krisengebiet im Irak berichten? Was ist der Mehrwert von «#Beckmann»? Was ist der Anspruch des Formats?
Wir werden das Rad nicht neu erfinden, aber wir wollen über die rein faktische Nachrichtenlage hinaus Themen persönlicher und emotionaler präsentieren. Die einzelnen Reportagen werden immer wieder auch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse eingehen und Hintergründe beleuchten.

Wie waren die Lebensumstände des Teams vor Ort? Der Dreh der Reportage ging sicherlich mit einigen Strapazen und unangenehmen Umständen einher. Wie lief ein „normaler“ Arbeitstag in den Krisengebieten ab und wie groß ist das Team?
Wir haben ein kleines, sehr professionelles und außerordentlich engagiertes Team in unserer Redaktion, mit dem ich an den Reportagen arbeite. Für unsere erste Reportage waren Reinhold Beckmann und Co-Autor Helmar Büchel mit zwei Kamerateams im Nordirak. Die Not der Hunderttausend von Flüchtlingen hat das Team erschüttert. Denn 1,8 Millionen Menschen fliehen dort vor dem unvorstellbaren Terror der IS-Extremisten. Wir wollen auch den Opfern ein Gesicht geben, nicht nur der Faszination des Bösen in Gestalt der IS verfallen. Zusätzlich haben wir auch zwei Mal im Shingal-Gebirge deutsch-jesidische Kämpfer in ihrem Krieg gegen den IS gedreht. Carsten Stormer ist an die Front geflogen, als die Kämpfer von den Dschihadisten eingekesselt waren. Und Helmar Büchel hat mit Kameramann Dominik van Alst einen unserer deutsch-jesidischen Protagonisten bei seiner Reise an die Front begleitet. Allen Kollegen, die sich in solch lebensgefährliche Situationen begeben, um uns aus erster Hand zu informieren, gebührt mein größter Respekt.

Er besitzt eine profunde handwerkliche Erfahrung und ein großes journalistisches Können. Diese langjährige journalistische Professionalität und seine Lebenserfahrung vermag er mit Neugierde und Empathie zu verbinden.
Ulrich Stein über die Eigenschaften Reinhold Beckmanns
Statt aus einem Studio wie in seinem Vorgängerformat, berichtet Reinhold Beckmann nun aus Brennpunkten in aller Welt. Warum ist Reinhold Beckmann der richtige Mann für derartige Reportagen und welche Eigenschaften von Reinhold Beckmann sind in «#Beckmann» gefragt, die er in seinem Talk-Format nicht zeigen musste?
Reinhold Beckmann hat vor drei Jahrzehnten als Dokumentarfilmer angefangen und auch neben seiner Talksendung immer wieder Dokumentationen gemacht. Er besitzt eine profunde handwerkliche Erfahrung und ein großes journalistisches Können. Diese langjährige journalistische Professionalität und seine Lebenserfahrung vermag er mit Neugierde und Empathie zu verbinden – also perfekte Eigenschaften für so ein Reportage-Format.

Sie sind ein ausgezeichneter Dokumentarfilmer. Inwiefern war diese Art von Reportage neu für Sie und in welcher Weise nahmen Sie mit Ihrer Erfahrung Einfluss auf die Crew?
Eine Presenter-Reportage kann persönlicher und emotionaler sein als ein klassisch dokumentarischer Film. Wir erleben seit einigen Jahren auf allen medialen Gebieten verschiedenste Formen von Genre-Mix, die sich von den traditionellen Formatkonventionen entfernen. Ich finde es spannend, die Erfahrungen aus Dokumentarfilm und Reportage in neue Formate einfließen zu lassen. Aber die Qualitäten des journalistischen und filmischen Know-How sind bei allen Formaten gleich wichtig.

Zehn Reportagen pro Jahr liefert «#Beckmann». Welche Voraussetzungen müssen Themen erfüllen, um von Ihnen mit einer eigenen Reportage bedacht zu werden? Und: Welche Themen sind noch geplant?
Da wir auch investigativ arbeiten wollen, kann ich die Themen noch nicht verraten. Das Themenfeld ist aber sehr breit und umfasst nicht nur die Krisengebiete unserer Zeit.

Vielen Dank für das Interview, Ulrich Stein.

«#Beckmann» feiert am Montag, 23. Februar 2015, seine Premiere im Ersten.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Basil
20.02.2015 15:01 Uhr 1
Ich werde mir das sicher anschauen - was da geantwortet wird, man möchte auch den Opfern ein Gesicht geben, investigativ sein und sich in Gebiete wagen, in denen es lebensgefährlich zugeht, das liest sich schon fesselnd, aber auch etwas überhöht und die Aussage, dass man Wert auf die persönliche und emotionale Art lege, da sehe ich schon die Gefahr, vor allem bei einem wie Beckmann, dass es zu "touchy" wird. Das sind ja sensible Themen, die dort angesprochen werden sollen. Bitte keinen Dokukitsch.
Mr. Cutty
20.02.2015 16:14 Uhr 2
Was ich nicht verstehe. Da macht man ein Logo und hat dort trotzdem weiterhin die 1 im Kreis statt den ausgefüllten Kreis den es ab dem 28.02.2015 geben soll.
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